Golden-League-Finale : Gay angeschlagen - Showdown droht zu platzen

Usain Bolt wird im Golden-League-Finale womöglich wieder leichtes Spiel haben. US-Konkurrent Tyson Gay ist angeschlagen und verzichtet möglicherweise auf eine Blamage gegen die Jamaika-Riege.

Andreas Schirmer[dpa]
Bolt
Usain Bolt. Die Konkurrenz schwächelt. -Foto: dpa

BrüsselDas Golden-League-Finale in Brüssel wird zum letzten "Bolter-Abend" der Saison. Allerdings droht der Showdown des schnellsten Sprinter-Trios der Welt am Freitag zu platzen. Doppel-Weltmeister Tyson Gay erwägt den Rückzug. "Er fühlt sich nicht besonders fit und fürchtet sich vor einer Verletzung", erklärte Meeting-Direktor Wilfried Meert, fügte aber an: "Tyson hat mir gesagt, dass er vielleicht 9,90 Sekunden laufen könne, damit aber die Jamaikaner Usain Bolt und Asafa Powell wohl nur von hinten sehe." Gay, der bei den Olympischen Spielen in Peking im 100-Meter-Halbfinale ausgeschieden war, will seine Entscheidung bis spätestens am Morgen des Wettkampftages treffen.

Unruhig ist auch "Lightning-Bolt" geworden. "Nun ist da mehr Druck für mich, doch ich werde mein Bestes geben", sagte Weltrekordler Usain Bolt vor dem Duell mit Powell. "Ich hoffe, an meine persönliche Bestleistung heranzukommen." Der 22-Jährige war bei den Peking-Spielen in der Fabelzeit von 9,69 Sekunden zu Gold gerast, doch am Dienstag beim Leichtathletik-Meeting in Lausanne war sein Landsmann Powell nur um 3/100 Sekunden langsamer. "Ich habe mir einmal vorgenommen, meine Bestzeit auf 9,65 zu drücken. Nun müssen es wohl 9,60 sein, wenn ich länger die Nummer eins sein will", meinte Powell, für den ein Sieg am Ende der Saison "psychologisch sehr wichtig" wäre.

Gold ist alles

Für Bolt, der am Freitag in Zürich die 100 Meter in 9,83 und in Lausanne über 200 Meter 19,63 Sekunden gerannt war, wird es das letzte Rennen vor der Rückkehr auf die Karibikinsel sein. "Ich habe bereits das Größte hinter mir, aber es wäre nicht schlecht, die Saison als Gewinner zu beenden", meinte auch Bolt. "Es würde mir nichts ausmachen, den Weltrekord nicht mehr zu haben, denn die drei Olympia-Goldmedaillen bedeuten mir alles." Alle drei Olympiasiege (100, 200 und 4 x 100 Meter) hatte er in Weltrekordzeit gewonnen. "Es war eine großartige Saison, und es wird 2009 hart werden", sagte Bolt, der nach Brüssel Urlaub machen und sich ein Haus kaufen will.

Für das Image vom Gay wäre eine Niederlage im "Bummeltempo" gegen die "Jamaika-Connection" nach einer ohnehin verkorksten Saison nicht besonders günstig. "Ich denke nicht, dass ich stark genug bin, um wirklich konkurrenzfähig mit diesen Jungs zu sein", bekannte der 25-Jährige aus Arkansas, der nach seiner Oberschenkelverletzung bei den US-Trials im Juli seiner Form hinterher rennt. Ein Indiz dafür: am vergangenen Sonntag kam Gay in Gateshead über die doppelte Distanz nicht über 20,26 Sekunden hinaus.

Jelimo oder Vlasic?

Während die drei Sprinter - angeführt von "Gold-Bolt" - schon durch die Antrittsgelder im Eiltempo zu Dollar-Millionären geworden sind, hoffen zwei Athletinnen auf den Jackpot: 800-Meter-Olympiasiegerin Pamela Jelimo aus Kenia und die Kroatin Blanka Vlasic (Hochsprung) haben als einzige jeweils fünf Golden-League-Meetings gewonnen. Sollten beide auch in Brüssel siegen, müssten sie sich eine Millionen Dollar (rund 690.000 Euro) teilen.

Während die 18-jährige Jelimo in Zürich noch genug Energie hatte, um in 1:54,01 Minuten am 25 Jahre alten Weltrekord der Tschechin Jarmila Kratochvilova (1:53,28) zu kratzen, wirkte Weltmeisterin Vlasic zuletzt sehr müde. Dies kann die Chance für Ariane Friedrich sein. Nach ihrem enttäuschenden siebten Platz bei den Peking-Spielen und einer behobenen Blockierung eines Rückenwirbels könnte die 2,03-Meter-Springerin ihrer Dauerrivalin Blanka Vlasic den großen Zahltag vermiesen.

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