Sport : "Goldene Ananas" gehandelt wie Trophäe

FELIX MEININGHAUS

Für die erfolgreichen deutschen Volleyballer ist das Finalspiel ohne BedeutungVON FELIX MEININGHAUS WIEN.Eine Woche lang haben Deutschlands Volleyballer in Wien im Hotel "Ananas" residiert, da kommt irgendwann zwangsläufig die Analogie zur "goldenen Ananas".Ja, sie haben am Schluß tatsächlich ihr Spiel um die "goldene Ananas" absolviert, beim Kampf um die beiden letzten zu vergebenen Plätze für die Europameisterschaft im September in Holland.Zum Glück hatten die deutschen Spitzenspieler ihr Ziel schon nach dem eindrucksvoll 3 : 1 gewonnenen Halbfinale gegen Polen erreicht, so daß die Begegnung mit Finnland als Finale mit Freundschaftsspiel-Charakter durchging (die Partie war bei Redaktionsschluß noch nicht beendet). Die Mannschaft von Bundestrainer Olaf Kortmann hat beim 15 Spiele dauernden Qualifikations-Marathon erstaunliches Durchhaltevermögen bewiesen.Damit war nach den Niederlagen in den Gruppenspielen gegen Frankreich und in der Türkei, sowie dem 1 : 3 zu Beginn des Turniers in Wien nicht unbedingt zu rechnen gewesen.Zu eklatant schien der Aderlaß nach den Rücktritten von Stammspielern wie Dirk Oldenburg, Bogdan Jalowietzki und Holger Werner sowie die verletzungbedingte Absage von Georg Grozer. So mußten Youngster wie Stefan Hübner, André Breuer (bislang Post SV) oder Frank Dehne (in der neuen Saison beim SCC) zusammen mit den etablierten Wolfgang Kuck, Frank Reiman und Matthias Häberlein die Nationalmannschaft in Richtung EM schmettern, und das taten sie mit einer vorbildlichen Einstellung.Kapitän Wolfgang Kuck, der immerhin schon einmal bei einen Halbfinale einer EM mitspielen durfte, sieht in der neuformierten Mannschaft ein "sehr gutes Potential.Ich habe noch nie in Team mit solch einer kämpferischen Einstellung gespielt." Daß spielerisch gegen zweitklassige Gegner nicht immer alles stimmte, Schwamm drüber, sagt Trainer Kortmann.Vor allem ihm war die Erleichterung darüber, daß der Fall ins Bodenlose verhindert wurde, deutlich im Gesicht abzulesen. Bestimmt ist es lehrreich, daß seine Spieler den langen Marsch durch die Niederungen des europäischen Volleyballs antreten mußten."Das macht sie hart", sagt Kortmann, und außerdem wird deutlich, wohin der Weg führt, wenn der Anschluß an die internationale Spitze verloren geht.Ins Niemandsland leerer Hallen, so wie jetzt in der Ferry-Dusika-Arena.In der 7500 Zuschauer fassenden Radsporthalle verloren sich bei den Spielen meistens nur ein paar Dutzend Interessierte.Immerhin hatte das deutsche Team mit den drei Mitgliedern des Dachauer Fan-Clubs "Attacke" ein wenig moralische Rückendeckung.Das war gar nicht so übel, denn im Auftaktspiel gegen Belgien bildete die deutsche Fangruppe unter fünf zahlenden Zuschauern die Mehrheit. Deshalb von einer Heimspielkulisse zu sprechen, wäre maßlos übertrieben, und deshalb fordert der neugewählte Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes, Werner Graf von Moltke, daß sich die Vorzeige-Volleyballer des Landes solche Qualifikations-Qualen in Zukunft bitteschön ersparen mögen.Der frühere Zehnkämpfer ist zur Zeit in seiner neuen Mission viel unterwegs und hat dabei zuletzt ein Kontrastprogramm hinter sich gebracht.Zuerst flog er nach Wien zu Hallenspielen, dann nach Berlin, um sich das Beach-Spektakel der World-Tour anzuschauen, und dann wieder zurück in die österreichische Metropole. Erfolgserlebnisse hatte er an beiden Orten.Und jetzt, nachdem der Sprung zur Bühne des kontinentalen Gipfeltreffens geschafft ist, könnte es für den Grafen ein wenig leichter werden, Interessenten zu finden, die mit der Hallen-Nationalmannschaft werben wollen.Denn soviel wissen Kortmann und von Motke genau: Ohne zusätzliche Gelder für höhere Aufwandsentschädigungen und bessere Trainingszeiten werden die Hallen-Volleyballer auf Sicht nur noch um die "goldene Ananas" spielen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar