Goldene Schlägertruppe : Hockey is coming home

Nach 1972 und 1992 holt Deutschland zum dritten Mal Olympiagold. Der amtierende Weltmeister ist derzeit das Maß aller Dinge im Männer-Hockey. Wie die Mannschaft ihren Triumph feiert - und wie sie ihn erreicht hat.

Benedikt Voigt[Peking]
Peking 2008 - Hockey
Kämpfen und feiern. Das Hockey-Team.Foto: dpa

Immerhin Jochen Heimpel bewahrte im Trubel kühlen Kopf. Der Betreuer der deutschen Hockey-Nationalmannschaft hatte im Schusskreis die Beinschoner von Max Weinhold herumliegen sehen, in der Nähe der Torlinie befand sich auch noch sein Torwarthelm. Pflichtbewusst sammelte Heimpel diese Utensilien auf, wenn er nicht gewesen wäre, würden sie wohl noch heute dort liegen. Alle anderen Akteure aus dem deutschen Hockeyteam hatten zu diesem Zeitpunkt längst nur noch drei Gedanken: Feiern, feiern, feiern.

Die deutsche Hockeymannschaft hat gestern das olympische Turnier mit einer Goldmedaille beendet. Verdient bezwang die Mannschaft von Bundestrainer Markus Weise Spanien mit 1:0 (1:0). Christopher Zeller hatte das Tor des Tages nach der zweiten deutschen Strafecke erzielt. Die rund 1000 deutschen Fans unter den 8000 Zuschauern feierten ihr Team schon während des Spiels: „Hockey is coming home“, sangen sie, und tatsächlich ist das deutsche Team als Weltmeister und nun Olympiasieger zurzeit das Maß aller Dinge im Männerhockey. Trainer Markus Weise konnte zudem den Erfolg wiederholen, der ihm vor vier Jahren in Athen mit den Frauen gelungen war.

Das von Taktik geprägte Spiel hatte das deutsche Team meist dominiert, allerdings ohne sich gute Chancen zu erspielen. „Das war ein Arbeitssieg“, sagte Niklas Meinert, „das war kein Feinschmeckerfinale.“ Wie schon beim ebenfalls mit 1:0 gewonnenen Gruppenspiel hatte sich die deutsche Defensive durchgesetzt. „Die spanischen Stürmer hatten keine Torchance, das spricht für unsere Abwehr“, sagte Meinert. Nur einmal in der zweiten Halbzeit stürmte Eduard Tubau nach einem Ballverlust der deutschen Abwehr auf das Tor von Max Weinhold zu, setzte den Ball aber knapp am Tor vorbei.

"Du haust halt drauf, und der Ball ist drin"

Das einzige Tor der Partie war schon in der 16. Minute gefallen. Bei der zweiten Strafecke der Deutschen schlug die Kugel von Christopher Zeller geschossen im Tor der Spanier ein. „Das war eine ganz normale Ecke“, sagte der Torschütze später, „du haust halt drauf, und der Ball ist drin.“ Das aber war der Unterschied. „Wir machen eine Ecke rein, und die nicht, und wir fighten bis zum Ende“, sagte Niklas Meinert.

Entscheidend scheint im Nachhinein eine Krisensitzung nach dem 2:2 im Gruppenspiel gegen Belgien gewesen zu sein. Ohne den Trainer. „Die Jungs sollten mal untereinander etwas klären, wir sind ja nicht im Kindergarten“, sagte Markus Weise. „Wir haben eine Supermannschaftsbesprechung gemacht, haben uns gegenseitig aufgeputscht“, erinnert sich Tibor Weißenborn (ein kurzes Interview mit Weißenborn lesen Sie hier). Anschließend musste das deutsche Team viermal gewinnen, um noch Gold zu holen. Und das tat es. „Wenn man alles oder nichts spielt, ist Deutschland stark, und das haben wir gemacht“, sagte Tibor Weißenborn, „dieser Ausgang ist sensationell.“ Trainer Markus Weise drückte den Verlauf anders aus, er sagte: „Wir haben uns durch das Turnier gemeißelt.“

Tibor Weißenborn lobte das Einfühlungsvermögen, des neuen Bundestrainers, der den Job nach dem WM-Titel 2006 von Bernhard Peters übernommen hatte. „Er lässt uns an der langen Leine und uns Spaß haben, dann sieht man was für einen Einsatz wir bringen können, wenn wir Bock haben auf Hockey“, sagte der Mittelfeldspieler. Zu Athen, als die Mannschaft die Bronzemedaille gewonnen hatte, gebe es noch einen wichtigen Unterschied. „Dort hatten wir uns zu viele Gedanken gemacht, haben gesagt, wir müssen gewinnen“, sagte Weißenborn, „hier haben wir gesagt, wir müssen gar nichts, wir wollen.“ Er hatte Anfang des Jahres seinen Abschied aus der Nationalmannschaft bekannt gegeben. Daran ändert sich nichts, „man soll aufhören, wenn es am besten ist“, sagte er nun.

Zumal Weißenborn gestern noch eine ganz ordentliche Abschiedsparty bekommen sollte. „Den ersten Teil werde ich noch mitmachen“, sagte Trainer Markus Weise, „dann werde ich mich irgendwann abseilen.“ Er weiß offenbar ganz genau, in welchen Momenten er die Mannschaft alleine lassen kann.

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