Sport : Goldene Zeiten

Hannah Stockbauer und Antje Buschschulte werden in Barcelona Schwimm-Weltmeisterinnen

Frank Bachner

Barcelona. Irgendwann mal, so bei 700, 800 Metern, gab es nur noch eine Frage, die in diesem Moment interessierte. Würde Hannah Stockbauer dieses hohe Tempo halten können, mit dem sie sich durchs Wasser zog? Oder würde sie für ihr hohes Anfangstempo büßen müssen? Hannah Stockbauer aus Erlangen brach nicht ein, sie bot vielmehr eine Demonstration vor 8000 begeisterten Zuschauern in der Schwimmhalle von Barcelona. Mit 16:00,18 Minuten, mit neuem Europarekord und mit einem Vorsprung von neun Sekunden, gewann die 21-Jährige über 1500 m Freistil und damit ihren zweiten Titel bei der Schwimm-Weltmeisterschaft in Barcelona. Jana Henke aus Potsdam, die 800-m-Europameisterin von 2002, wurde Dritte mit der persönlichen Bestzeit von 16:10,13 Minuten.

Minuten später sprangen die deutschen Fans erneut von ihren Sitzen auf. Und wieder bewegte sie eine Frage: Würde Antje Buschschulte über 100 m Rücken die Dänin Louise Örnstedt auf den letzten Metern niederhalten können? Buschschulte konnte und wurde Weltmeisterin, mit neuem deutschen Rekord von 1:00,50 Minuten. Das Finish war packend. Die Dänin kam in einem grandiosen Endspurt immer näher, aber die 24-Jährige aus Magdeburg hielt dagegen. Am Ende ballte sie die Faust. Noch eine Demonstration deutscher Schwimmstärke.

Für Antje Buschschulte war es eine besondere Genugtuung. Sie steckte noch vor rund einem Jahr in einem Tief, als sie in Wuppertal trainierte. Das Biologiestudium, das harte Training – immer mehr fühlte sie sich überfordert, immer problematischer wurde es für sie, konzentriert zu trainieren. Sie hetzte von Termin zu Termin, und irgendwann beschloss sie: so nicht, trotz der besseren Studienbedingungen in Wuppertal. Im Winter kehrte Antje Buschschulte nach Magdeburg zurück, zu Trainer Bernd Henneberg. Gestern bedankte sie sich „bei meinem Trainer, der mich auf den Tag fit gemacht hat. Es ist der schönste Tag in meinem Sportlerleben. Ich hätte am liebsten nur noch geheult.“ Sie wurde 2001 schon Weltmeisterin mit der 4-x-100-m-Freistilstaffel und Vizeweltmeisterin über 50 m Rücken, hat 35 internationale Medaillen gewonnen. Aber einen WM-Titel auf einer Einzelstrecke hatte sie bisher noch nicht.

Auch Hannah Stockbauer fiel ihrem Trainer, Roland Böller, um den Hals. Und vermutlich hätte sie am liebsten auch noch den ehemaligen IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch umarmt, der ihr die Goldmedaille umhängte, aber sie stand auch da mit dieser Frage: „Warum nur waren die anderen so langsam? Ich hatte gedacht, dass vier Frauen um den Sieg kämpfen würden.“ Und, wenn sie es genau nimmt, dann war dieser Vorsprung gar nicht so gut. „Wenn ich mehr Konkurrenz gehabt hätte, dann wäre ich mit Sicherheit ein paar Zehntelsekunden schneller gewesen.“

Weltrekord über 100 m Schmetterling

In Barcelona hatten gestern auch noch andere ihren großen Auftritt. So Michael Phelps. Der 17-Jährige aus den USA, den US-Journalisten schon zum Wunderkind hochschreiben, stellte über 100 m Schmetterling einen Weltrekord auf. Der neue Hoffnungsträger des US-Schwimmens blieb als Erster unter 1:54 Minuten (1:53,93) – im Halbfinale. Er verbesserte seine eigene Bestmarke um 65 Hundertstelsekunden.

Die größte Spannung im Schwimmstadion herrschte jedoch bei einem anderen Rennen. Beim ewigen Duell zwischen Ian Thorpe (Australien) und Pieter van den Hoogenband, dem Niederländer. Thorpe gewann über 200 m Freistil (1:45,14) klar vor dem Olympiasieger des Jahres 2000 über diese Strecke. Hoogenband schlug erst nach 1:46,43 Sekunden an. Das waren fast zwei Sekunden über seiner Bestzeit.

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