Sport : Goldmedaillen im Stundentakt Michael Phelps kann den vierten Titel gewinnen

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Athen Michael Phelps Bewunderung für Ian Thorpe hielt genau einen Tag lang an. Am Montagabend schlug der Amerikaner über 200 Meter Freistil als Dritter an, hinter Ian Thorpe und Peter van den Hoogenband. Das erste, was er nach dem Rennen über Thorpe sagte, war: „Wow, was macht der für große Wellen.“ Am Dienstag schwamm sich Phelps dann schon wieder selbst in die Schlagzeilen. Er gewann zuerst über 200 Meter Schmetterling in 1:54,04 Minuten sein zweites Gold, dann schlug er zusammen mit der amerikanischen 4 x 200 Meter Staffel als Erster an. Zwischen beiden Goldmedaillen lag nur eine Stunde.

Michael Phelps, 19 Jahre alt, 1,94 Meter groß, schlaksig, langgezogenes Kinn und abstehende Ohren, ist vier Mal Weltmeister und 21 Mal amerikanischer Meister. Außerdem hat er 12 Weltrekorde aufgestellt und 17 amerikanische. Wenn es nach den US-Amerikanern ginge, soll er der Held von Athen werden. Er selbst hatte angekündigt, dass er sieben Goldmedaillen gwinnen wolle, genau so viele wie Mark Spitz 1972.

Der Australier Ian Thorpe hatte immer gesagt, es sei unmöglich in der heutigen Zeit, sieben Goldmedaillen bei Olympischen Spielen zu gewinnen. Und weil das wirklich sehr unwahrscheinlich ist, hatte ein amerikanischer Schwimmartikelhersteller Phelps eine Million Dollar versprochen, wenn er wirklich so viele Goldmedaillen holen würde. Doch seit Montagabend steht nun fest: Er wird bei diesen Olympischen Spielen hinter seinen eigenen Erwartungen zurückbleiben.

Trotzdem bleibt Michael Phelps einer der außergewöhnlichsten Schwimmer, der je an Olympischen Spielen teilgenommen hat. Früher, als Kind, war Michael Phelps hyperaktiv. Er bekam Retalin verabreicht, damit er in der Schule nicht so viel rumzappelt. Dann entdeckte er mit sieben Jahren das Schwimmen. Er wurde schnell sehr gut, und mit 15 Jahren nahm er an den Olympischen Spielen in Sydney teil – als jüngster Amerikaner seit 1932. Über 200 m Schmetterling schwamm er auf den fünften Platz, sechs Monate später hielt er über diese Strecke bereits den Weltrekord. Phelps hat heute sechs Sponsoren, die ihm pro Jahr 1,25 Millionen Dollar bezahlen. Während der Spiele laufen im US-Fernsehen fünf verschiedene Werbesports mit ihm. Er trainiert jeden Tag fünf Stunden, 365 Tage im Jahr, selbst an seinem Geburtstag und an Weihnachten. Alles in seinem Leben ist auf die Olympischen Spiele ausgerichtet.

Normalerweise dominieren Schwimmstars eine Disziplin oder höchstens zwei. Michael Phelps aber deklassiert die Konkurrenz in allen vier Schwimmarten. In Athen startet er in fünf Einzeldisziplinen und in zwei oder drei Staffeln. Eddie Reese, der Trainer der US–Schwimmer, erklärt Phelps’ Talent unter anderem damit, dass er die Fähigkeit habe, das Wasser anfassen zu können. Phelps hat eine Spannweite von 1,98 Metern, auch das hilft. Bob Bowman, der persönliche Trainer von Phelps, prophzeite vor den Spielen, sein Schützling werde das Schwimmen verändern.

Heute tritt Phelps im Aquatic Center über 200 Meter Lagen an, eine Disziplin, die auf die Alleskönner unter den Schwimmern zugeschnitten ist. Natürlich kann immer etwas dazwischen kommen, aber es heißt, Phelps sei über diese Strecke unschlagbar. Tsp

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