• Golf-Altmeister in Augusta besser als Martin Kaymer: Bernhard Langer kennt die Antwort auf alle Fragen

Golf-Altmeister in Augusta besser als Martin Kaymer : Bernhard Langer kennt die Antwort auf alle Fragen

Mit 58 JahrenBernhard Langer weiß, wie man das US-Masters in Augusta meistert – anders als der enttäuschende Martin Kaymer.

Peter Lange
Sag mir, wie es geht. Martin Kaymer (r.) und Bernhard Langer tauschen sich bei ihrer Übungsrunde in Augusta aus.
Sag mir, wie es geht. Martin Kaymer (r.) und Bernhard Langer tauschen sich bei ihrer Übungsrunde in Augusta aus.Foto: dpa

Bernhard Langer ist wie immer Teil der Szenerie. Wie schon seit 34 Jahren. Ungerührt puttet er auf dem Übungsgrün des Augusta National Golf Club vor sich hin, umgeben von Golf-Fans und -Kollegen, die ihm ab und an ein „Hallo“, einen kurzen Satz zurufen. Wertschätzung ist wahrscheinlich das beste Wort, um die Beziehung zwischen Bernhard Langer und dem US Masters und seinen Ausrichtern zu beschreiben. Man kennt sich mit all den gegenseitigen Stärken und Schwächen.

Es gibt wenig, was Bernhard Langer im Augusta National Golf Club noch aus der Fassung bringt. „Auf den Grüns überrascht mich eigentlich nichts mehr“, rekapituliert er seine Beziehung zu diesen Puttflächen, die für viele Profis die kompliziertesten weltweit sind. „Die habe ich so oft gespielt und studiert.“ Es ist der entscheidende Vorteil, den der 58-jährige Deutsche in dieses erste Major-Turnier des Jahres mitbringt.

Nein, zur Gruppe der vermeintlichen Favoriten zählte er am Donnerstag vor seiner ersten Runde nicht. Dennoch begann Langer sein 33. Masters solide mit Par, Martin Kaymer hatte indes auch bei seinem neunten Start an der Magnolia Lane Probleme und kam mit zwei Schlägen über Platzstandard ins Clubhaus. Langer ist dank seiner Fitness und überragenden Platzkenntnis unter den über 50-jährigen zweifellos jener Spieler, dem man am ehesten zutraut, als erster Senior einen Majorsieg zu schaffen.

Einen erstklassigen Saisonstart hat der Deutsche ohnehin hingelegt – trotz der Tatsache, dass er laut den offiziellen Regeln seit Beginn des Jahres seinen langen Putter nicht mehr am Oberkörper abstützen darf. Nach fünf Turnieren, darunter der Sieg beim Chubb Classic, führt Langer die Geldrangliste der Senioren wieder einmal an. Der Deutsche mag in der Weltrangliste nur auf Rang 1080 geführt sein, deutlich hinter seinem deutschen Kollegen Martin Kaymer auf Rang 50, beim US Masters aber ist die Hierarchie klar. Hier ist der zweifache Champion Langer, der 1985 und 1993 in Augusta gewann, ganz klar die Nummer eins.

Zusammen mit Kaymer hat er wieder einmal eine Übungsrunde gedreht. Das Reservoir an Insider-Tipps, die Langer über die Jahre angesammelt hat, ist endlos. Welches Grün kann aus welcher Lage in welchem Winkel attackiert werden oder nicht? Wo bricht der Putt nach rechts, obwohl die Welle davor eine Biegung nach links vermuten lässt? Langer kennt die Antwort auf alle Fragen. Auch deshalb, weil er selbst in all den Jahren oft genug den falschen Schlag gespielt hat.

Als er 1982 zum ersten Mal nach Augusta fuhr, hat ihn das Turnier mit seinen Eigenheiten überwältigt. „Mir war nicht klar, wie besonders der Golfplatz ist und was das US Masters ausmacht mit seinen strengen Regeln, den Einladungen und was alles noch so dazugehört.“ Vor den Grüns schließlich musste er kapitulieren: „Ich habe den Cut verpasst mit elf Schlägen hinter dem Ersten. Ich hatte elf Dreiputts auf 36 Löchern gemacht – der helle Wahnsinn. Das war einfach die Ungewohntheit, auf solchen Grüns mit solchen Fahnenpositionen zu spielen.“

Kaymer ist es bei seinen bisherigen Auftritten nicht wesentlich besser ergangen. Achtmal hat er gespielt, fünfmal den Cut verpasst. Seine beste Platzierung ist Rang 31 aus dem Jahr 2014. Unbefriedigend für einen zweifachen Majorsieger. Aber der Düsseldorfer hat in den vergangenen Jahren alles versucht: Er hat seinen Schwung geändert, um seine Schlagvielfalt vom Abschlag zu erhöhen. Er hat zu Saisonbeginn wie ein Wilder trainiert, um bis in die letzte Faser vorbereitet zu sein. Er ist mit Freunden, Trainern und Familie angereist und ganz allein. Keiner der Ansätze hat einen wesentlichen Unterschied gemacht.

Nach den bisherigen Versuchen ist Kaymer zu der Einsicht gelangt, dass es sinnvoll ist, das US Masters trotz all seiner Besonderheiten so zu behandeln, als sei es nicht besonders. Er hat in diesem Jahr wie immer gut trainiert. Ob das reicht für den Platz von Augusta National wird sich Freitagabend zeigen, wenn es um den Cut geht. Dass das US Masters ein Überraschungspaket voller Unwägbarkeiten ist, hat Kaymer längst begriffen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben