Golf : Durchgeschlagen zu den Stars

Deutsche Golfhoffnung: Martin Kaymer gewinnt erstmals auf der Europa-Tour - und darf nun gegen Größen wie Tiger Woods spielen.

Hartmut Moheit
Kaymer
Eingelocht: Martin Kaymer. -Foto: dpa

Abu Dhabi/Berlin - Am Rande des 18. Grüns wartete bereits Marcel Siem mit der Champagner-Flasche. Was sollte jetzt noch schiefgehen? Martin Kaymer hatte seinen zweiten Schlag auf dem Par-5- Loch zwar ein paar Meter von der Fahne entfernt platziert, aber schließlich blieben ihm mindestens noch fünf Putts für den Sieg. Seine ärgsten Verfolger auf der Schlussrunde der Abu Dhabi Championship in den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Engländer Lee Westwood und der Schwede Henrik Stenson, waren mit 277 Schlägen nach vier Tagen bereits im Klubhaus angekommen. Aber es wäre nicht jener Martin Kaymer bei diesem Europa-Tour-Turnier gewesen, wenn er sich auf dieses Polster verlassen hätte. Sein Putt zum Eagle ging zwar noch vorbei, aber den Birdie schaffte der 23-Jährige aus Mettmann in Nordrhein-Westfalen. Mit 273 Schlägen hatte er damit sogar noch einen komfortablen Vorsprung gegenüber der prominenten Konkurrenz, die er in den ersten drei Runden so überzeugend auf Distanz gehalten hatte. Westwood und Stenson blieb schließlich nur der gemeinsame zweite Platz. Und endlich konnte Marcel Siem aus Ratingen, der selbst die Qualifikation für die zwei Schlussrunden verpasst hatte, seine Champagner-Dusche anbringen.

Zwischenzeitlich musste Kaymer am Sonntag aber noch um seinen Sieg bangen, nachdem sein Vorsprung von sechs Schlägen nach dem dritten Tag auf zwei zusammengeschmolzen war. "Die Bogies auf den Bahnen vier, fünf und sechs haben mich ein wenig verunsichert", sagte der Gewinner von 225 421 Euro noch vor der Siegerehrung, "aber dann habe ich mir gesagt, dass schließlich Westwood und Stenson die Birdies spielen müssen, nicht ich." Mit diesem kleinen psychologischen Trick und taktisch cleverem Spiel brachte Kaymer wieder Ruhe in seinen Schwung und in die Putts, so dass er schließlich trotz einer 74er-Runde triumphieren konnte. An den Tagen zuvor waren es noch 66, 65 und 68 Schläge gewesen. Als 76. der Weltranglangliste (und damit bester Deutscher) war Kaymer in dieses Turnier gestartet, als sechster deutscher Sieger auf der Europatour der Golfprofies hat er es schließlich beendet.

In perfektem Englisch schilderte Martin Kaymer nach der Siegerehrung seine Gefühle, die ihn nach dem Erfolg bewegten, der ihm nicht nur die Tourkarte für die kommenden zwei Jahre garantiert, sondern auch große Perspektiven für die gerade begonnene Saison eröffnet. "Das ist unglaublich", sagte Kaymer, "nun darf ich auch beim Accenture Match Play spielen." Bei diesem gleichermaßen zur US- und Europa-Tour zählenden Turnier in Tucson/Arizona im kommenden Monat geht es um acht Millionen US-Dollar, und Kaymer wird erstmals auf die ganz Großen der internationalen Golfszene um den US-Amerikaner Tiger Woods treffen. Außerdem besteht dort die Chance, viele Weltranglistenpunkte zu holen.

Damit steuert der schnelle Aufstieg der neuen deutschen Golfhoffnung auf ein erstes Highlight zu. Erst seit dem November 2005 besitzt Kaymer den Profistatus, innerhalb der Saison schaffte er den Sprung von der drittklassigen EPD-Tour über die Challenge-Tour in die Champions League des europäischen Golfsports. 2007 wurde er bereits offiziell zum Aufsteiger des Jahres gewählt, was Kaymer offenbar zu noch mehr Selbstvertrauen verhalf. Die ersten zwei Turniere des Jahres in Südafrika hatte er noch ausgelassen. In Abu Dhabi ließ er nun einige Stars hinter sich. Und seine Karriere steht noch am Anfang.

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