Golf : Ein Spektakel wie bei Obama

Es könnte das Sport-Medienereignis des Jahres in den USA werden: Wenn Tiger Woods nach seiner durch einen Sexskandal bedingten Auszeit beim US Masters in Augusta zurückkehren wird, wird sich ein riesiger Medienhype um den Profigolfer entfalten.

Petra Himmel
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Immer im Mittelpunkt. Tiger Woods garantiert dem Masters große Aufmerksamkeit, auf diesem Bild wird sein Spiel bei einem Turnier...AAP

Berlin - Es könnte das Sport-Medienereignis des Jahres in den USA werden: Wenn Tiger Woods nach seiner durch einen Sexskandal bedingten Auszeit beim US Masters in Augusta zurückkehren wird, wird sich ein riesiger Medienhype um den Profigolfer entfalten. „Das wird neben der Ernennung von Barack Obama zum US-Präsidenten ein großes, wenn nicht sogar das größte Medienspektakel der jüngsten Geschichte“, sagte Sean McManus, Sportchef des übertragenden TV-Senders CBS.

Am Dienstag hatte Tiger Woods seine Rückkehr bekannt gegeben, nachdem er sich in einer Klinik wegen Sexsucht behandeln lassen musste. „Ich habe das Gefühl, dass ich bereit bin, meine Saison in Augusta zu beginnen“, sagte er. Der deutsche Profigolfer Martin Kaymer ist sich sicher, dass es einen „Riesenrummel“ geben wird: „Die Sicherheitsmaßnahmen werden bestimmt erhöht.“

Allerdings bietet das Turnier in Augusta Woods auch die Möglichkeit eines begrenzten Rummels. „Augusta ist der eine Ort auf dieser Welt, an dem man alles kontrollieren kann“, sagte der Profigolfer Arnold Palmer, „und sie werden alles kontrollieren, egal ob es um die Zuschauermengen geht oder die ganze Situation für Tiger.“ Ob Medien oder Zuschauer, in Augusta wird stets genau überprüft, wer Zugang zu dem edlen Klub bekommt. Wer die Klubregeln verletzt und zum Beispiel ein Handy oder eine Kamera benutzt, wird dauerhaft ausgeschlossen.

Für Woods selbst bietet der Schauplatz des ersten Major-Turniers noch andere Pluspunkte: Er kennt die 18 Löcher im Detail, jede Welle der Grüns, jede Neigung der Fairways ist ihm vertraut. In Augusta kann Woods auch nach einer viermonatigen Spielpause ankommen, abschlagen und womöglich gewinnen. Das Turnier war der Schauplatz seiner größten Erfolge. Hier holte er 1997 seinen ersten Major-Sieg, hier gewann er insgesamt vier seiner 14 Major-Titel. In den kleinen Gästezimmern oben im Klubhaus hat er übernachtet, als er 1995 und 1996 noch als Amateur antrat. Das Augusta National ist für Woods ein Stück Heimat, voll von positiven Erinnerungen.

Bis dahin hat er auch noch die Chance zu trainieren. An eine Formschwäche des Superstars wollen seine Kollegen allerdings nicht glauben. „Also um ehrlich zu sein, sah sein Spiel so gut aus wie immer“, stellte Charles Howell III fest, der kürzlich eine Stunde neben Woods auf der Driving Range verbrachte. Eine Beobachtung, die er mit J. B. Holmes teilte: „Ich habe zugesehen, wie er fünf oder sechs Bälle mit dem Driver schlug. Die Bälle landeten alle innerhalb von drei Metern. Das sah so aus, als würde er den Ball ziemlich gut treffen.“ Trotzdem flog Woods’ Coach Hank Haney vergangene Woche zum Spezialtraining ein.

Nach der Ehebruch-Affäre sind drei von fünf Hauptsponsoren aus ihren Verträgen mit dem Profigolfer ausgestiegen: Accenture, Gatorade und AT&T. Nur Nike und Electronic Arts (EA) wollen weiter mit ihm werben. Sie dürften wie die Konkurrenz froh über Woods’ Comeback sein. „Das Golfspiel braucht ihn dringend zurück“, resümierte selbst Phil Mickelson – und der ist alles andere als ein Freund des 34-Jährigen. Vor allem die Fernsehanstalten, deren Übertragungsraten vom Golf zuletzt um 40 Prozent eingebrochen sind, wittern wieder bessere Zeiten. „Es werden Leute einschalten, die gar keine Sportfans sind“, sagte der Golf-Journalist Ian O’Connor. Ob er will oder nicht, spätestens nach dieser Affäre ist Tiger Woods eine Berühmtheit auch außerhalb des Sports. mit dpa

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