Golf : Historie mischt sich ein

Am Donnerstag beginnen in Turnberry auf geschichtsträchtigem Boden und mit dem großen Favoriten Tiger Woods die British Open der Golfer.

Petra Himmel
Woods
Tiger Woods -Foto: dpa

Berlin - Rod Pampling, amerikanischer Golf-Profi, konnte es nicht lassen: Schnaufend kämpfte er sich am Montag eine steile Düne am Rande des 12. Grüns des Ailsa-Platzes von Turnberry hoch, um seine Übungsrunde für die British Open zu unterbrechen und nach einem schottischen König zu suchen. „Ich dachte Robert the Bruce wäre da irgendwo begraben“, erklärte Pampling seinen Ausflug. In Turnberry ist eben weit mehr geboten als Golf – auch, wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint.

Der Streifen Land an der Westküste Schottlands ist normalerweise ein reichlich verlorenes Stück Erde: Schafe, Dünen, zwei Golfplätze, ein Leuchtturm, vereinzelte kleine Häuschen und ein großes 5-Sterne-Hotel, das Arabern gehört. Der Ailsa-Kurs rückte erst 1977 in die Gruppe der British-Open-Plätze auf, war erst dreimal Austragungsort des einzigen europäischen Majors – was auch daran liegen mag, dass die Lage von Turnberry nicht wirklich eine schnelle Anreise von Spielern und Fans fördert.

Trotzdem karrt der Royal & Ancient Golf Club of St. Andrews als Ausrichter der British Open diese Woche die Zuschauer zu Tausenden in Bussen heran. Die Fans sind begeistert, die Spieler fasziniert: Turnberry ist eine berückende Mischung aus fantastischen Blicken aufs Meer, einem trickreichen, abwechslungsreichen Golfplatz und einer Historie, die sich unablässig ins Spiel mischt. Das Grab vom brutalen Schottenkönig Robert the Bruce, der im Kinohit Braveheart zu Ehren kam, suchte Pampling am Montag allerdings vergeblich.

Tiger Woods, der Weltranglistenerste und große Favorit aus den USA gab sich damit erst gar nicht ab. Er begann bereits am Montagmorgen kurz vor sieben Uhr seine Jagd auf den 15. Majortitel. Wie immer war er der erste Spieler auf dem Platz, konzentriert damit beschäftigt, jede Grünwelle, jeden Einspielwinkel, jede Abschlagssituation zu verinnerlichen. Die DVDs der drei bisherigen British Open in Turnberry 1977, 1986 und 1994 kennt er längst auswendig. Die ersten praktischen Erfahrungen aber änderten seine Einschätzung. „Das ist hier erheblich schwieriger als die meisten Leute behaupten“, resümierte Woods nach der Einspielrunde.

Seine möglichen Haupt-Konkurrenten in Turnberry sind nur schwer auszumachen: Ernie Els ist von seinen besten Zeiten weit entfernt. Phil Mickelson hat seine Teilnahme abgesagt, weil inzwischen nicht nur Ehefrau Amy, sondern auch die Mutter Mary an Brustkrebs erkrankt ist. Sergio Garcias Chancen auf einen Open-Sieg sind schon mehrfach an seiner eindeutigen Putt-Schwäche gescheitert. Und einem Jungstar wie Rory McIlroy traut man den ersten Major-Sieg noch ebenso wenig zu wie dem deutschen Aufsteiger und nunmehr Europa-Tour-Doppelsieger Martin Kaymer, der bei den vergangenen Majors ebenfalls durch wenig überzeugendes Putten und Chippen auffiel.

Selbst hinter den Chancen von Padraig Harrington steht ein dickes Fragezeichen, was verwundert, denn der Ire ist der aktuelle British-Open- und US-PGA-Champion und hat obendrein die British Open 2007 gewonnen. „Meine Vorbereitung für dieses Turnier war nicht gut, weshalb das Ganze hier wie ein Schuss ins Dunkel ist. Viel erwarten kann ich nicht, aber ich kann hoffen“, sagt er. Harrington hat bei den letzten acht Turnieren fünfmal den Cut verpasst.

Aufgeben will der Titelverteidiger allerdings nicht. „Ich glaube, man muss einfach akzeptieren, dass es eine ganze Reihe Chancen da draußen gibt – selbst dann, wenn Tiger Woods im Feld ist.“ Abergläubische Menschen fügen an dieser Stelle hinzu, dass die bisherigen drei British Open in Turnberry stets von der aktuellen Nummer eins der Weltrangliste gewonnen wurde, was für Woods sprechen würde. Kontern könnte an dieser Stelle Geoff Ogilvy, immerhin US-Open-Sieger. Eigentlich ist Turnberry wie gemacht für den Australier, dessen Vorfahren enge Freunde von König Robert the Bruce waren. „Eines ist klar“, meinte er lachend am Montag „Robert The Bruce mochte die Ogilvys. Er hat ihnen ein riesiges Stück Land geschenkt.“

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