• Golf: Interview mit Sandra Gal: „Wir sollten häufiger mit den Männern spielen“

Golf: Interview mit Sandra Gal : „Wir sollten häufiger mit den Männern spielen“

Deutschlands beste Golferin Sandra Gal über die öffentliche Wahrnehmung ihrer Sportart und den Solheim Cup in St. Leon-Rot.

Peter Lange
Deutschlands beste Golferin. Sandra Gal bei der Arbeit.
Deutschlands beste Golferin. Sandra Gal bei der Arbeit.Foto: AFP/Ferey

Frau Gal, im Tennis haben die Frauen es inzwischen geschafft, in Sachen öffentlicher Aufmerksamkeit und Preisgeld weitgehend mit den Männern gleichzuziehen. Von solchen Zuständen ist man im Golf weit entfernt: Was machen die Tennisspielerinnen besser als die Golferinnen?

Ich denke, die Sportart hat sicher Glück, dass sie jemanden hat, der so bekannt und charismatisch ist wie Serena Williams. Außerdem hat es den Tennisspielerinnen sicherlich geholfen, dass man alle Grand Slams mit den Männer-Wettbewerben zusammengelegt hat. Das hatten wir letztes Jahr auch bei den US Open in Pinehurst. Wir haben direkt nach den Männern gespielt, und das hat uns in Sachen Aufmerksamkeit doch sehr geholfen. Das sollte man häufiger machen, damit sich auch die Preisgelder annähern.

Im Frauensport, auch im Golf, ist das Aussehen nach wie vor ein Verkaufsargument, wenn es um Sponsorenverträge geht. Sie vermarkten sich gut in den USA – sicher auch aufgrund Ihres Aussehens, oder?

Ich kann Ihnen da zustimmen, wenn es um das Verkaufsargument geht. Grundsätzlich stört mich das nicht, es ist ja eher etwas Positives. Aber es ist natürlich nichts, worauf ich mich fokussiere.

Trotz einiger Ausnahmespielerinnen wie Annika Sörenstam, Lorena Ochoa oder jetzt Lydia Ko ist der ganz große Popularitätsschub im Frauengolf ausgeblieben. Was fehlt Ihnen?

Ich denke, man braucht einfach die Kombination aus Charisma und Dominanz. Ich sage nicht, dass Lydia kein Charisma hat, sie ist ein unheimlich nettes Mädchen, aber sie ist noch sehr jung, und vielleicht wird sie sich noch in diese Richtung entwickeln. Ich spreche hier von dieser Präsenz, wie sie auch ein Tiger Woods hat. Dieses Phänomen, dass man Menschen einfach anzieht. Diese Eigenschaft haben nicht sehr viele Menschen.

Gibt es im Frauengolf jemanden, womöglich jetzt beim Solheim Cup, der eine solche Präsenz vorweisen kann?

Ich denke, dass Michelle Wie da annähernd rankommt. Sie zieht immer sehr viele Menschen an, auch wenn sie nicht die sportlichen Erfolge einer Serena Williams hat.

Viele Ihrer Kolleginnen auf der amerikanischen LPGA-Tour kommen aus Südkorea. Dort genießen die Golferinnen Starstatus. Warum?

Golf ist in Korea einfach eine Volkssportart. Dementsprechend sind die Proetten dort auch oft im Fernsehen zu sehen. Daraus ergibt sich dann ein gewisser Schneeballeffekt, weil immer mehr junge Mädchen mit dem Golfsport beginnen.

"Golf ist in Deutschland eben nur Randsportart"

Wohingegen Sie in Ihrer Jugend als Golferin wahrscheinlich eher Exotin waren?

Es hat mich eigentlich nie gestört, aber ich wurde in der Schule schon ab und an schief angesehen, weil ich wegen der Turniere so oft gefehlt habe. Da hieß es dann oft, „es ist ja nur Golf“. Bei solchen Dingen merkt man dann eben doch, dass Golf in Deutschland nur eine Randsportart ist.

Trotzdem werden beim Solheim Cup in dieser Woche in St. Leon-Rot um die 100 000 Zuschauer erwartet. Für den Golfsport in Deutschland ist es damit die größte Veranstaltung, die man bis dato durchgeführt hat. Welches Image soll dieses Event idealerweise transportieren?

Aufgrund der Tatsache, dass es ein ganz besonderes Event ist und auch der Spielmodus ganz anders ist als bei allen anderen Turnieren, sind die Zuschauer viel lauter und lockerer. Ich hoffe, dass diese Atmosphäre dem Golfsport in Deutschland ein anderes Image gibt. Der Ausdruck „spießig“ ist vielleicht übertrieben, aber es wäre schön, wenn wir von diesem zu braven Bild, von dieser fehlenden Lockerheit wegkommen.

Sie waren bei Ihrem ersten Einsatz beim Solheim Cup in Irland 2011 mit sich selbst und Ihrer Leistung nicht ganz glücklich. Was haben Sie daraus gelernt?

Ich denke, dass allein die Tatsache hilft, dass man beim zweiten Mal dabei ist. Außerdem bin ich auch eine ganz andere Person als vor vier Jahren. Ich stehe einfach mehr über den Dingen, ich bin mit mir selbst mehr zufrieden. Ich habe nicht mehr so sehr das Gefühl, dass ich anderen etwas beweisen muss. Beim letzten Mal bin ich auch über eine Wildcard ins Team gekommen und dieses Mal habe ich mich regulär für das Team qualifiziert. Das sind so kleine Unterschiede, die schon viel ausmachen.

Wenn Sie 2011 und 2015 vergleichen: Ist die Aufmerksamkeit für dieses wichtigste Turnier der Frauen in Deutschland und Europa gestiegen?

Auf jeden Fall. Der Solheim Cup begleitet mich jetzt schon ein ganzes Jahr lang, ich werde bei jedem Interview darauf angesprochen. Das liegt sicherlich auch daran, dass es in meinem Heimatland stattfindet. Aber generell ist die Aufmerksamkeit deutlich höher, was man auch daran merkt, dass die ARD und der SWR es im Fernsehen übertragen werden. Aus meiner Sicht ist das schon ein großer Erfolg.

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