Golf : Kaymer schlägt sich bestens

Der beste deutsche Golfer Martin Kaymer ist ein Kandidat für die Nummer eins der Weltrangliste geworden. Der 25-Jährige könnte Bernhard Langer bald als bislang besten deutschen Golfer ablösen.

Petra Himmel
Schöner Schwung. Der Drive ist Martin Kaymers Spezialität.
Schöner Schwung. Der Drive ist Martin Kaymers Spezialität.Foto: dpa

Golfen ist auch Denksport, und wohl auch deswegen hat es Martin Kaymer bis in die Weltspitze dieses Sports geschafft. Konzentrieren kann er sich ausgezeichnet, intelligent ist er auch. Da hat einer Kopf und Körper unter Kontrolle.

Unvergleichlich ist sein Erfolg jedoch nicht. Es gibt schließlich noch einen anderen deutschen Golfspieler, der nicht mit dem allergrößten Talent ausgestattet war, dafür aber mit jeder Menge Spielintelligenz, mit Akribie und Ehrgeiz: Bernhard Langer. Kaymer ist auf dem besten Weg, Langer als bisher besten deutschen Golfspieler abzulösen.

Die Parallelen sind nicht zu übersehen. Auch Kaymer hat die Fähigkeit, aus Fehlern sofort zu lernen. Beim nächsten Mal zieht er mit hoher Wahrscheinlichkeit den richtigen Schläger – so wie es Langer auch tut. Am vergangenen Wochenende sind erst einmal andere Namen gefallen, um Martin Kaymers Sieg bei den Dunhill Links Championship im schottischen St. Andrews einzuordnen: Nick Faldo und Tiger Woods. Es war schließlich nach seinem Sieg bei der US PGA Championship in Whistling Straits bei Chicago und bei der KLM Open in den Niederlanden im vergangenen Monat Kaymers dritter Turniergewinn in Folge, und ein Seriensieg wie dieser ist im Golfsport extrem selten. Zuletzt gelang er Tiger Woods vor vier Jahren auf der US PGA Tour. In den Rekordlisten der PGA European Tour blättert man zurück bis ins Jahr 1989, um dort auf Nick Faldo, Europas erfolgreichsten Golfer, zu stoßen. Kaymer ist in der Liga der weltbesten Golfer angekommen.

„Ich bin selbst sehr überrascht“, kommentierte der 25-Jährige auf seine wie immer nüchterne Art den Sieg. „Ich habe nicht wirklich eine Antwort auf die Frage, warum ich im Moment so gut spiele.“ Kaymer hat jedenfalls einen Grad von Spielsicherheit und Selbstbewusstsein erreicht, der keine leichten Nervositätsfehler mehr zulässt und meist noch dieses Quäntchen Glück bedingt, das man in entscheidenden Situationen benötigt.

„Für ein sicheres Par an Bahn 17 hätte ich viel Geld gegeben“, beschrieb er etwa die Tatsache, dass er an dem Par-4-Loch vom Vorgrün seinen Ball sogar zum Birdie lochte. „Das war mehr Glück als Können.“ Tatsächlich aber ist dieses Phänomen immer wieder bei herausragenden Spielern zu beobachten: Wer nicht an sich zweifelt, locht einfach öfter. Tiger Woods hat auf diese Weise während seiner besten Zeiten unzählige scheinbar unmögliche Bälle ins Loch gezwungen.

Den Vergleich mit dem Superstar würde Kaymer in seiner vorsichtigen Art nie suchen. Wer einen Blick auf die Hierarchien im Profisport wirft, stellt aber fest, dass die Weltordnung wackelt. Und Kaymer ist einer von jenen, der an den Grundfesten rüttelt. In der Weltrangliste wird er in dieser Woche erstmals an Position vier hinter Tiger Woods, Lee Westwood und Phil Mickelson geführt. Die europäische Geldrangliste führt er mit gut einer Million Euro Vorsprung vor dem Nordiren Graeme McDowell an. Der Sieg, über den mit dem Ende der Dubai World Championship am 28. November entschieden wird, ist ihm kaum noch zu nehmen.

Kaymer ist damit zu einem Kandidat für die Führung in der Weltrangliste geworden. Nicht zuletzt, weil Mickelson aufgrund eines schweren Falles von Arthritis künftig nur noch begrenzt Turniere spielen kann und Tiger Woods weiter seine Form sucht. Die Position eins der Weltrangliste muss der Amerikaner ohnehin in drei Wochen abtreten. Das Zahlenspiel der Computer ergab am Montag, dass er dann von Westwood abgelöst wird.

Westwood weiß sehr wohl, dass er seine neue Führungsposition von Beginn an vor allem gegen Kaymer verteidigen muss. Kaymer versucht bereits nächste Woche in Valencia das scheinbar Unmögliche: Bei der Castelló Masters will er den vierten Sieg in Folge landen. Eine Serie, die ihm zumindest in Europa eine Ausnahmestellung verschaffen würde.

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