Golf : Langer gut in Schwung

Der Mann hat nichts Seniorenhaftes an sich: Bernhard Langer ist fast 50 und spielt Golf wie mit 21.

Petra Himmel[München]
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Bernhard Langer: Der einzige deutsche Golfstar. -Foto: dpa

MünchenAuf dem Gelände des Golfplatzes Eichenried beginnen die ersten Arbeiter nach dem Ende der BMW International Open Stromkabel einzurollen und Gerätschaften wegzuschleppen. Die Auflösungsphase nach einem Profiturnier. Bernhard Langer hat den großen Rollkoffer in der Hand; er reist ab, zurück in die USA. Ein wenig hektisch ist alles, weil sein geteilter zweiter Platz mit zwei Schlägen Rückstand auf den Sieger Niclas Fasth und einem Gesamtergebnis von elf unter Par Furore gemacht hat. Wie immer, wenn er in Deutschland ist, haben sich nach der Runde Fragen und Autogrammwünsche gehäuft. Fernsehreporter standen Schlange und irgendwann fragte ein Brite, ob sich der Schwung mit 49 Jahren genauso gut anfühlt wie mit 21.

Auf Fragen wie diese erntet man ein vergnügtes Lächeln. „Ja, manchmal kommt der alte Schwung zum Vorschein, nur leider viel zu selten“, kokettiert Bernhard Langer. Am 27. August wird er 50, in Eichenried war er der Älteste im Feld, aber der Mann hat nichts Seniorenhaftes an sich. Die Kollegen Ernie Els und Thomas Björn, die die 40 noch nicht erreicht haben und in Eichenried hinter Langer landeten, wandern mit ihren Wohlstandsbäuchen weit behäbiger durch die Gegend als der austrainierte Deutsche. Die Themen Ernährung und Fitness arbeitet Langer auf ähnlich penible Weise ab wie sein Golftraining. Wie sonst könnte einer mit fast 50 ein solches Pensum erledigen?

Auf dem Weg zum Flughafen will Langer geschäftliche Dinge mit seinem Bruder Erwin im Auto klären. Die wenigen gemeinsamen Minuten müssen sie nutzen. Wer Langer am Sonntag in Eichenried gefolgt ist, das Gebrüll und Gejubel, die stehenden Ovationen erlebt hat, weiß, dass dieser Mann ein Star ist, der einzige, den der deutsche Golfsport je hatte – wer weiß, ob jemals wieder ein anderer von ähnlichem Kaliber auftauchen wird. Von geruhsamen Stunden eines angehenden Rentners kann deshalb keine Rede sein. In den zwei kommenden Wochen Spielpause ist Langer vor allem auch Geschäftsmann. Im September veranstaltet er mit Bruder Erwin die Mercedes-Benz Championships in Köln. Wer glaubt, der Profi sei über die Abläufe und Verträge der Veranstaltung nicht genau informiert, irrt. Halbinformationen sind nicht die Welt eines Menschen, dessen beharrliche Gründlichkeit ihn erst zu dem Star gemacht hat, der er heute ist.

Der Ausflug nach München hat Langer gutgetan: Den enormen Zuspruch der Fans hat er genossen, und ein guter Platz bei dem John Deere Classics in den USA in drei Wochen würde ihn wieder in die Top 50 der Weltrangliste bringen. Die Qualifikation für die British Open wäre ihm sicher.

Langer wird sich die nächste Saison nach seinen Wünschen einteilen. Die Tourkarte für die reguläre US-amerikanische PGA-Tour hat er längst sicher, auf der European Tour, gerade in Deutschland, ist er auch mit 50 noch ein Star. Er will bei den Deutsche Bank Championships in Hamburg und den Dutch Open in Zandvoort antreten – weil auch sein Sohn Stefan dort eine Wildcard erhält. Den 50. Geburtstag aber verbringt er im Flieger Richtung USA, um bei der First Tee Open im kalifornischen Pebble Beach anzutreten. Das Turnier gehört zur Champions Tour der Senioren in den USA, für die Langer dann spielberechtigt ist. Dort trifft er auf alte Bekannte wie Tom Watson, Nick Price oder Jay Haas, die ihn eine Karriere lang begleitet haben. Den sportlichen Wettkampf mit ihnen wird er nun fortführen, denn „Hacker sind das auf der Champions Tour alle nicht“. Ab und zu beobachtet er die Kollegen in spe im Fernsehen bei Turnieren beim Spiel. „Die schießen richtig niedrige Runden“, kommentiert er deren Leistung. Dabei weiß er selbst, dass seine Siegchancen unter den Älteren bei guter Form ziemlich groß sind. Schließlich sind sie das ja auch auf der regulären Tour.

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