Sport : Golf Mannschafts-WM: Die Golfwelt schaut auf Bad Saarow

Hella Praun

Es soll das größte Golf-Festival werden in der bislang 93-jährigen deutschen Golf-Geschichte: Bei der Mannschafts-Weltmeisterschaft geben sich die weltbesten Gold-Damen und -Herren im Sporting Club Berlin ein Stelldichein. Fangen wir mit den Herren an, die zwischen dem 31. August und dem 3. September spielen: Was 1958 in St. Andrews (Schottland) mit gerade mal acht teilnehmenden Nationen begann, ist längst zum, im Zwei-Jahres-Rhythmus abgehaltenen, Treffpunkt der internationalen Golf-Elite geworden. So wird es auch sein, wenn die vier besten Spieler aus 61 Golf-Ländern im Sporting Club Berlin Bad Saarow um den Gewinn der Eisenhower-Trophy 2000 (benannt nach dem ehemaligen US-Präsidenten) spielen werden.

Bei der Premiere vor 42 Jahren mussten sich die Amerikaner - die damals von der Golf-Legende Bobby Jones zum Triumph geführt wurden - von den Underdogs aus Australien geschlagen geben. Eine Niederlage, die die US-Amerikaner nicht lange auf sich sitzen ließen: Schon 1960 entführten sie die begehrte Trophäe - nach 41 Schlägen unter Par für die zwölf gewerteten Runden (jeder der vier Spieler absolviert täglich eine Runde, wobei das schlechteste Ergebnis aus der Wertung fällt). Dieses bis heute gültige Rekordergebnis verdanken die Amerikaner insbesondere einem gewissen Jack Nicklaus, der sich mit dem ebenfalls bis heute gültigen Einzelrekord von 19 Schlägen unter Par von seiner Amateur-Laufbahn verabschiedete.

Anschließend avancierten die Amerikaner zum Rekordsieger der Veranstaltung: In den Jahren 1962 bis 1982 mussten sie sich nur drei Mal geschlagen geben: Zwei Mal von Großbritannien/Irland (1964 und 1976) und einmal von Australien (1966). Seit 1980 aber präsentiert sich die Siegerliste dieser Mannschafts-Weltmeisterschaft der Herren weitaus differenzierter - sicher ein weiterer Beweis dafür, dass der Golfsport weltweit seinen Siegeszug angetreten hat. Nationen wie Japan (1984), Kanada (1986), Schweden (1990) oder auch Neuseeland (1992) hätten sich wohl noch vor gut 20 Jahren nicht zu träumen gewagt, einmal als weltbestes Golf-Team aus diesem Vergleichskampf hervorzugehen.

Noch keinen Erfolg konnten die Deutschen verbuchen. Zwei sechste Plätze (1986 durch Sven Strüver, Ekkehard Schieffer, Hans-Günter Reiter und Ralf Thielemann sowie 1992 durch "Möppy" Schapmann, Hans-Günter Reiter, Thomas Himmel und Ulrich Eckhardt) stehen bislang als bestes deutsches Eisenhower-Trophy-Resultat zu Buche. Diesmal ruhen die deutschen Hoffnungen auf Jochen Lupprian (Nürnberg), Tino Schuster (Stuttgart), Marcel Siem (Köln), Michael Thannhäuser (Hamburg) und Ersatzmann Benjamin Schlichting (Frankfurt).

Wenn es für die deutschen Herren ernst wird, ist für Martina Eberl (München-Wörthsee) sowie die beiden Berliner Lokalmatadorinnen Miriam Nagl (Semlin) und Nicole Stillig (Wannsee) schon alles vorbei. Die drei derzeit einsam die DGV-Ranglistenspitze untereinander ausspielenden deutschen WM-Medaillen-Hoffnungen kämpfen - unterstützt durch die erst 16-jährige Ersatzfrau Denise Simon (Westerwald) - zwischen dem 23. und dem 26. August gegen die Konkurrenz aus 39 Ländern um die Espirito Santo Trophy.

Diese Trophäe verdankt ihren Namen der Tatsache, dass sich 1964 ein portugiesischer Verbandspräsident gleichen Namens dafür stark machte, auf die Herren- auch eine Damen-Mannschafts-WM folgen zu lassen. In der Folge sah man jahrelang packende Duelle zwischen den USA und Frankreich, die in den Jahren 1964 bis 1976 ein Mal zugunsten der alten und sechs Mal zugunsten der neuen Golfwelt entschieden wurden. Hierbei stets im Blickpunkt: Catherine Lacoste de Prado. Die große Dame aus der französischen Tennis-Dynastie, die niemals ins Golf-Profi-Lager wechselte, es aber trotzdem zu einem Major-Titel brachte, hält bis heute einen einsamen WM-Rekord. Denn eine Gold-, zwei Silber- und drei Bronze-WM-Medaillen dürften eine Rekordmarke für die WM-Ewigkeit darstellen.

Nachdem sich "La Lacoste" vom aktiven Golfsport zurückgezogen hatte, begann die einsame Ära der Amerikanerinnen: Insgesamt dreizehn Mal holten sie bislang die Espirito-Santo-Trophy. Mittlerweile aber haben sich auch bei den Damen die Zeiten geändert. Spanien (1986 und 1992) und Korea (1996), lange Zeit als Golf-Exoten betrachtet, mittlerweile aber bestens in den Weltranglisten mitmischend, boten der amerikanischen Golf-Supermacht erfolgreich Paroli. Und spätestens seit sich das deutsche Dream Team (Eberl, Nagl und Stillig) 1998 in Santiago de Chile Silber holte, darf auch hierzulande von WM-Gold geträumt werden.

Wie nun auch immer die Mannschafts-Weltmeisterschaft 2000 der Damen und Herren ausgehen wird - ein Sieger steht heute schon fest: der deutsche Golfsport. Noch nie zuvor hat sich ein auch nur annähernd vergleichbar großes Heer an Freiwilligen gemeldet, um aktiv zum Erfolg einer Golf-Veranstaltung beizutragen. Noch nie zuvor wurde eine deutsche Golf-Veranstaltung - Satelliten und Internet machen es möglich - kostenlos weltweit in die Wohnzimmer gebracht.

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