Golf : Martin Kaymer gewinnt PGA-Championship

Mit nüchternem und unaufgeregtem Golf gewinnt Martin Kaymer in Kohler/Wisconsin die amerikanische PGA-Championship und feiert damit den größten Triumph seiner Karriere.

Petra Himmel
Martin Kaymer mit der Wanamaker-Trophy.
Martin Kaymer mit der Wanamaker-Trophy.Foto: AFP

Kein lauter Jubel, keine Freudentänze. Stattdessen zwei schnell gereckte Fäuste, ein paar Umarmungen, ein erleichtertes Lächeln, der schnelle Gang vom letzten Grün in Whistling Straits: Martin Kaymer hat die US-PGA-Championship in Kohler im Bundesstaat Wisconsin gewonnen, seine Freude über den bisher größten Sieg seiner Karriere fiel danach genauso nüchtern aus wie das Golf, das er zuvor gespielt hatte.

Kaymer musste die letzten Stunden erst verarbeiten. „Im Play-off war ich total ruhig“, beschrieb er den spannendsten Teil der Veranstaltung. „Da ist der Druck ja fast weg, man kann im schlimmsten Fall nur Zweiter werden.“ Kurz vor Beginn des Duells über die drei Löcher 10, 17 und 18 saß er neben seinem Gegner Bubba Watson im Clubhaus und beobachtete im Fernsehen leicht geschockt, wie der vermeintlich dritte Mitspieler Dustin Johnson von den Platzrichtern ausgeschaltet wurde. Eine Standardregel war dem Amerikaner zum Verhängnis geworden, die besagt, dass man in einem Bunker den Schläger nicht auf den Boden aufsetzen darf. Whistling Straits aber ist kein Standard-Golfplatz, er hat geschätzte 1200 Bunker und jener, in dem sich Johnsons Abschlag am 18. Loch des Finaltages wieder fand, war von Tausenden Zuschauern über die Tage niedergetrampelt worden. „Ich habe überhaupt nicht realisiert, dass ich in einem Bunker stand“, stellte der Betroffene fest, nachdem er zwei Strafschläge aufgebrummt bekommen hatte. Statt auf dem geteilten ersten fand sich Johnson auf dem fünften Platz wieder. Die amerikanischen Zuschauer am 18. Loch fingen an zu buhen.

„Ich bin kein langweiliger Deutscher. Ich mache nur keine verrückten Sachen“, hat Kaymer später versucht, seine Person zu erklären. Eben dieser Charakter bescherte ihm am Ende den Sieg im Play-off über drei Löcher. Watson und er verzogen am 18. Loch beide ihre Abschläge. Beide hatten keine ideale Lage im etwas höheren Gras. Die Fahne aber steckte knapp über 200 Meter entfernt auf einer kleinen Landzunge, eingerahmt von einer Schlucht, einem Bach und dicken Grasbüscheln. In Situationen wie diesen kann Verrücktheit entweder zu einem glorreichen Schlag für die Geschichtsbücher führen oder – wie es meistens der Fall ist – im Chaos enden. Bubba Watson attackierte die Fahne, sein Ball landete im Bach, die Bahn war frei für Martin Kaymer. Heroisch war sein kurzer, strategischer Schlag vor die Schlucht nicht. „Ich wollte mir selbst eine Chance zum Par geben“, begründete er die kluge Entscheidung. Am Ende reichte sogar das Bogey für den ersten Major-Sieg. „Deutsche Präzisionsarbeit“ titelte später die Website der veranstaltenden PGA of America. „Ich habe solides Golf gespielt“, formulierte es Martin Kaymer um. Den Blick auf die Ergebnistafeln wagte er während seiner Finalrunde nicht. „Ich wollte nur mein eigenes Spiel spielen, gute Golfschläge machen und die Atmosphäre da draußen genießen.“

Der aufregendste Spieler war er dabei sicher nicht: Weder so stürmisch wie der Nordire Rory McIlroy noch so gewaltig wie Bubba Watson. „Ich habe nur versucht, hohe Ergebnisse und dämliche Fehler zu vermeiden“, erklärte Kaymer seine Strategie. Sie hat ihm nicht gerade das Image eines waghalsigen Draufgängers verschafft – dafür aber inzwischen sechs Turniersiege, Platz fünf in der Weltrangliste und die Qualifikation für Europas Ryder-Cup-Team.

Es ist typisch für den Deutschen, dass er trotzdem bescheiden blieb. Der Vergleich mit dem zweifachen Majorsieger Bernhard Langer liegt nahe. „Um das zu erreichen, was er erreicht hat, muss ich noch einen langen Weg gehen“, sagte Kaymer. „Ich werde versuchen, Golf in Deutschland populärer zu machen. Bernhard Langer hat mich als Kind inspiriert und jetzt will ich versuchen, die Teenager zu inspirieren.“ Viel sehen wird man Kaymer hierzulande deshalb aber nicht. Er wird die fünfjährige Spielberechtigung, die er sich mit dem Sieg am Sonntag verdient hat, dazu nutzen, die volle Mitgliedschaft für die US PGA Tour anzunehmen. Am Sonntag hat er ohnehin eine neue Perspektive auf seinen Beruf gewonnen: „Ich weiß jetzt, dass ich gewinnen und die besten Spieler der Welt schlagen kann.“

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