Golf : Millionenspiel in der Wüste

Der junge Deutsche Martin Kaymer kann beim Golfturnier in Dubai die Saison als Europas Nummer eins beenden.

Petra Himmel[Dubai]
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Eine Frage der Schläge. Martin Kaymer könnte in Dubai den größten Erfolg seiner Karriere feiern.Foto: AFP

Der Blick fällt auf Hochhäuser und Baukräne, die typische Dubai-Skyline eben. Die PGA European Tour ist schon seit Jahren mit der Abu Dhabi Golf Championship, der Dubai Desert Classic und der Qatar Masters in den Emiraten aktiv – diese Woche aber wollen die Wüstenstaaten raus aus der Rolle des normalen Turnierveranstalters. Die Dubai World Championship auf dem Earth Course setzt den Schlusspunkt der Saison 2009. Sie ist mit 7,5 Millionen Dollar dotiert, der Sieger erhält 1,5 Millionen Dollar. Gleichzeitig wird am Sonntagabend der Gewinner der europäischen Geldrangliste gekürt, die den Namen „Race to Dubai“ trägt. Es geht um einen Bonuspool von weiteren 7,5 Millionen Dollar, der ab Donnerstag unter den derzeit führenden 60 Profis der Geldrangliste ausgespielt wird. Für den Sieger gibt es am Ende ebenfalls 1,5 Millionen Dollar.

In der Geschichte der PGA European Tour setzen diese Geldmengen neue Rekorde, bedeuten vor allem aber auch eine Annäherung an die US PGA Tour, die der europäischen Tour bei den Preisgeldern in den vergangenen Jahren deutlich überlegen war. Die anfängliche Euphorie über die Kooperation mit den Scheichfamilien hat sich trotzdem gelegt. Auch in Dubai wurden im Zuge der Finanzkrise die Gelder knapper, so dass man kurzfristig den Hauptsponsor wechseln musste und obendrein die Preisgelder um 25 Prozent reduzierte.

Martin Kaymer hat als Dritter der Preisgeldrangliste ebenso Chancen auf den Gesamtsieg beim Race to Dubai wie der Führende Rory McIlroy, der Verfolger Lee Westwood und der Viertplatzierte Ross Fisher. Seit Sonntag steht Kaymer auf der Driving Range des Earth Course, feilt an seinem kurzen Spiel, hat die Woche minutiös durchplanen lassen. Er hat die Hongkong Open in der vergangenen Woche ausgelassen, ist früher angereist, um sicher zu gehen, dass die Turniervorbereitung bis ins Detail passt.

Martin Kaymer fühlt sich nicht unwohl in der wüstenartigen Szenerie des Earth Courses, den der Australier Greg Norman, selbst Major-Sieger, hier aus dem Boden gestampft hat. Irgendwann sollen hier vier Golfplätze entstehen, Luxusimmobilien und ein neues Trainingszentrum der PGA European Tour. Weil sich die Immobilien zuletzt nicht ganz so gut verkauft haben, konnte man vor ein paar Wochen auf eine lange Reihe mit Luxuskarossen blicken, die alle eine riesiges Autogramm von Greg Norman trugen und gegen den Staub mit weißen Laken bedeckt waren. Sie waren als Zugabe für die Heerschar an Immobilienkäufern gedacht, die dem Reiz des Wüstenstaates nun offenbar doch nicht erlegen ist.

Für einen Golfprofi wie Kaymer hat die Wüste mit ihren Golfplätzen erst einmal nur Vorteile: Kein Regen, Wärme, perfekte Spiel- und Trainingsbedingungen im Winter. Da ist Dubai nicht anders als Arizona, wo die Karriere des 24-jährigen Deutschen ihren Anfang nahm. „Eigentlich hat alles vor vier Jahren in Phoenix begonnen“, erzählt er. „Freunde hatten da seit über 20 Jahren ein Haus und eines Tages stöhnte ich über das schlechte Wetter in Deutschland. Ich sagte, es sei so schlecht, dass ich einfach nicht Golf spielen und an meinem kurzen Spiel arbeiten könnte." Die Freunde boten ihm das Haus an, Kaymer setzte sich in den Flieger und fing an zu trainieren. „Während meine Familie Weihnachten feierte, saß ich alleine vor dem Fernseher und sah mir eine Sendung auf dem Golfkanal an.“

Vier Jahre später steht Kaymer kurz vor dem bisher größten Triumph seiner Karriere. Vor zwei Jahren holte er sich die Auszeichnung für den besten Tourneuling, am Sonntag könnte er die Saison als Europas Nummer eins und Gewinner der damit verbundenen Harry Vardon Trophy abschließen. „Mein Ziel ist es, dieses Turnier zu gewinnen“, sagt er. Die besseren Chancen hat freilich sein Kollege McIlroy, der mit zwei zweiten Plätzen in Folge in Topform angereist ist und obendrein mit einem Vorsprung von knapp 130 000 Euro auf Lee Westwood führt. Die Herangehensweise des 20-jährigen Nordiren ist dabei fast identisch mit der des Deutschen: „Ich werde nicht versuchen, eine Führung zu halten oder vor diesem oder jenem Mitspieler zu landen. Ich will gewinnen, der Rest erledigt sich dann von alleine.“

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