Golf : Roboter wird Mensch

Alexander Cejka beeindruckt drei Tage in Sawgrass die Golfwelt – und fällt dann auf Rang neun zurück.

Petra Himmel

Berlin - Drei Tage lang war die Euphorie groß, 70 Minuten später wich sie der Enttäuschung. Nach 20 Profijahren weiß Alexander Cejka selber am besten, welche Chance er bei der Players-Championship in Sawgrass, Florida verpasst hat. Beim inoffiziell fünften Major-Turnier des Jahres war der Deutsche nach Runden mit 66, 67 und 72 Schlägen mit fünf Schlägen Vorsprung auf Verfolger Tiger Woods in die Schlussrunde gestartet. Und endete auf Rang neun.

Alexander Cejka hat den größten Vorsprung in der 36-jährigen Geschichte des Turniers und seinen ersten Sieg auf der US-Tour verspielt. Schon vor der letzten Runde hatte er geahnt: „Ich werde wohl ein wenig unter Druck stehen.“ Tatsächlich verwandelten sich bei Hitze, staubtrockenen Fairways und betonharten Grüns die glänzenden Aussichten des 38 Jahre alten Golfers in ein traumatisches Erlebnis. Einem Bogey zum Auftakt auf Bahn eins folgte ein Doppelbogey auf Bahn vier. Nach 70 Minuten war der Vorsprung weg. Nach Bogeys auf den Bahnen fünf, sechs und acht lag er drei Schläge hinter dem späteren Sieger Henrik Stenson. „Es war einer dieser Tage, an denen nichts lief“, sagte Cejka. „Iron Byron“ hatte man den Deutschen in Anlehnung an einen Golf-Roboter noch am Vortag in der „New York Times“ genannt: Wie eine Maschine spulte er drei Tage lang die Drives auf das Fairway, die Annäherungsschläge an die Fahne ab. Was den Ausschlag dafür gab, dass er in der Schlussrunde kaum eine Bahn und selten ein Grün traf, lässt sich nur schwer feststellen.

Die Paarung mit Tiger Woods mag eine Rolle gespielt haben, das übermächtige Spiel des Weltranglistenersten aber war es sicher nicht. Woods, der noch im März bei der Arnold-Palmer-Invitational einen Rückstand von fünf Schlägen am Finalsonntag in einen Sieg umgewandelt hatte, haderte wie Cejka mit seinem Spiel. Mal war der Drive völlig verzogen, mal ging der Schlag ins Wasser. Die Putts fielen nicht und das Bild von einem Weltranglistenersten, der nach wie vor seiner besten Form deutlich hinterherläuft, bleibt unverändert. Am Ende war er als Achter einen Schlag besser als Cejka.

Für Cejkas Versagen mag eine größere Rolle gespielt haben, dass er nicht mehr der unbedarfte Jungstar ohne Angst vor dem großen Sieg ist. Mit 38 Jahren schleppt er die Erfahrung einer wechselhaften Karriere mit sich herum. Die Laufbahn, die 1995 mit drei überraschenden Siegen glanzvoll begann, war von Höhen und Tiefen, einer langwierigen privaten Scheidung, Verletzungen und fehlenden Siegen geprägt. 2002 holte sich Cejka bei der Trophee Lancome den letzten Titel. Vor der Players Championship musste er sich wegen eines tauben Arms behandeln lassen. Wäre Cejka nicht so ein Kämpfer, hätte er seine Spielberechtigung für die US-Tour wohl längst verloren.

Es dürfte nur ein schwacher Trost für ihn sein, dass er mit seinem geteilten neunten Rang, für den es rund 237 000 Dollar gab, nach einer 79er Runde 67 Plätze in der Weltrangliste gut gemacht hat und nun auf Position 210 zu finden ist. Mit nunmehr knapp 530 000 Dollar Preisgeld hat er seine US-Tourkarte für 2010 zu 50 Prozent sicher. Trotzdem ist er betrübt. „Das hätte besser laufen können, hätte besser laufen sollen“, sagte er, „manchmal muss man eben ein paar Mal an die Tür klopfen, damit sie sich öffnet.“

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