Sport : Golf: Schock am letzten Loch

Stefan Liwocha

Ein Major kann brutal sein. Wenn dann noch die Weltelite auf einem Golf-Kurs mit dem Spitznamen Monster die PGA Championship ausspielt, dann muss es zu einem dramatischen Finale kommen. Der für die Schlussrunde erwartete Showdown zwischen den Amerikanern David Toms und Phil Mickelson elektrisierte die Zuschauer auf den Grüns des Atlanta Athletic Club und verbesserte schlagartig die Stimmung bei den Chefs des übertragenden Fernsehsenders CBS. Man hatte sich Tiger Woods und David Duval als Protagonisten gewünscht, doch plötzlich trieben Toms und Mickelson die Quote hoch. Die Entscheidung im vierten und letzten Major-Turnier des Jahres fiel nämlich erst am 18. Loch, der mit 440 Metern längsten Schlussbahn in der Championship-Geschichte.

Mickelson lag zu diesem Zeitpunkt einen Schlag hinter seinem Rivalen zurück, konnte aber mit einem Birdie-Putt aus acht Metern zumindest ein Play-Off erzwingen. Doch dann stoppte der Ball ganze fünf Zentimeter vor dem Loch. Der Weltranglistenzweite atmete durch und beobachtete den Führenden Toms, wie der aus vier Metern Maß nahm. Ein erfolgreicher Par-Putt würde dem Nobody aus Louisiana den Sieg bringen. Der Ball fiel in den Hohlzylinder, Mickelson senkte seinen Kopf, Toms jubelte. Nach vier Tagen waren zwei Profis am 72. Loch Welten voneinander entfernt. "Ich wollte am Schluss kein Risiko eingehen und habe konservativ gespielt. Es hat sich ausgezahlt", jubelte David Toms, "jetzt habe ich Geschichte geschrieben und es ist ein großartiges Gefühl." Während der 34-Jährige sich feiern ließ, fühlte sich Mickelson elend. Wie so oft in seiner Major-Vergangenheit. "Jedesmal wenn ich mit ihm gleichgezogen bin, habe ich einen Fehler gemacht", sagte der niedergeschlagene Zweite. "Ich weiß nicht, was ich noch sagen soll. Ich bin maßlos enttäuscht."

Mickelson war als sentimentaler Favorit der Fans in die Schlussrunde gegangen. "Heute schaffst Du es", riefen sie dem 31-Jährigen Kalifornier zu, der auf dem Par-70-Kurs in Duluth im US-Bundesstaat Georgia auf einer besonderen Mission war. Endlich wollte der Star den inoffiziellen Titel vom "besten Golfer der Welt ohne Major-Sieg" ablegen und seinen 19 Turniersiegen auf der PGA-Tour die langersehnte Major-Krone aufsetzen. Mickelson spielte ohne Frage couragiert und auf hohem Niveau, um am Ende mit 266 Schlägen erneut nur zweiter Sieger zu sein. Sofort wurden Erinnerungen an die US Open vor zwei Jahren in Pinehurst wach, als Mickelson ebenfalls am letzten Loch gegen Payne Stewart unterlegen war. In seinen zehn Jahren als Profi lautet die Major-Bilanz nun 0:34 und Mickelson muss jetzt acht weitere Monate warten, bis seine nächste Major-Chance beim Masters kommt.

Es mag nur ein schwacher Trost für den Weltranglistenzweiten sein, dass er letztlich durch einen sensationellen Schlag von Toms verlor. Dem Paradiesvogel war nämlich in der dritten Runde am 15. Loch ein Hole-in-one gelungen. Mit einem Holz 5 beförderte der 35-jährige Außenseiter den Ball vom Abschlag aus 221 Metern ins Loch. Ein Kunststück, das Toms am Samstag die Führung einbrachte. Er sollte sie nicht mehr abgeben.

"Ich bin noch im Schockzustand, dass ich es tatsächlich geschafft habe. Aber natürlich bin ich unheimlich stolz auf meine Leistung", frohlockte der Sieger nach seinem ersten Major-Triumph und insgesamt sechsten Turniersieg, der ihm neben einem Scheck über 936 000 US-Dollar und der Wanamaker-Trophäe auch noch eine besondere Fahrkarte einbrachte. Denn Toms qualifizierte sich für das amerikanische Ryder-Cup-Team, das im nächsten Monat im britischen The Belfry auf die Auswahl Europas trifft. In der Euphorie ging fast unter, dass der Nobody mit 265 Schlägen einen neuen Championship-Rekord aufstellte.

Die PGA Championship, bei der Bernhard Langer bereits am Cut gescheitert war, brachte neben Mickelson auch den weiteren Favoriten kein Glück. British-Open-Champion David Duval fand sich mit 275 Schlägen nur auf einem geteilten zehnten Platz wieder.

Für Tiger Woods reichte es gar mit 279 Schlägen nur zu einem geteilten Rang 29. Damit geht die rätselhafte Talfahrt des Weltranglistenersten weiter, der beim fünften Turnier in Folge außerhalb der Top 10 landete. Ein Novum in der atemraubenden Karriere des 25-Jährigen. "Man kann halt nicht ständig gut spielen", sagte Woods, "besonders nicht in diesem Sport." Auch wenn der Superstar in Duluth nur eine ungewohnte Nebenrolle spielte, war der Enthusiasmus der Fans ungebrochen. Toms und Mickelson haben bewiesen, dass ein Major auch ohne einen Tiger in Höchstform höchst unterhaltsam sein kann.

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