Golf-Star Nick Faldo : "Deutschland hat den Ryder Cup verdient"

Englands Golf-Legende Nick Faldo spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über die Bewerbung Bad Saarows für 2022 - und seinen Beitrag dazu.

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Nick Faldo, 58, gehört zu Europas erfolgreichsten Golfern der Geschichte. Dreimal gewann er das Masters und dreimal die British Open. Am Ryder Cup nahm er elfmal als Spieler teil, 2008 war er Kapitän. Inzwischen kommentiert er Golf im US-Fernsehen und unterstützt die deutsche Ryder-Cup-Bewerbung für 2022 mit Bad Saarow als Platzdesigner.
Nick Faldo, 58, gehört zu Europas erfolgreichsten Golfern der Geschichte. Dreimal gewann er das Masters und dreimal die British...Foto: Mike Wolff

Herr Faldo, Sie kommen viel herum. Welchen Ruf hat das deutsche Golf in der Welt?
Einen ziemlich guten. Insbesondere was Bernhard Langer auf der Champions Tour abliefert – ich sage nur deutsche Gründlichkeit. Auch Martin Kaymer ist ein fantastischer Spieler – wenn er in Form ist. Der Solheim Cup zuletzt wurde international mit Interesse verfolgt, und wenn Deutschland den Zuschlag für den Ryder Cup bekäme, wäre das noch mal eine ganz andere Nummer.

Was macht den Ryder Cup so besonders?
Er ist eines der größten Sportereignisse der Welt. Wir könnten jeden Tag irgendwo auf der Welt eine Pressekonferenz zum Ryder Cup ansetzen, die Journalisten würden kommen. Auch für die Spieler ist es ein ganz besonderer Teil ihrer Saisonplanung. Klar, die Profis wollen Turniere gewinnen. Aber sie wollen es auch unbedingt ins Ryder-Cup-Team schaffen. Und schauen Sie sich nur mal die Begeisterung der Zuschauer an, gerade bei den letzten Austragungen war die Atmosphäre einfach unglaublich. Beim Ryder Cup will einfach jeder dabei sein.

Trotzdem gibt es in Deutschland auch Zweifler. Zuletzt wurde das wieder bei der Frage der Steuerbefreiung deutlich. Wie kann die deutsche Öffentlichkeit vom Ryder Cup überzeugt werden?

Die öffentliche Unterstützung wird kein Problem. Da mache ich mir gar keine Sorgen, zumal Deutschland schon so viele Sportveranstaltungen hervorragend ausgerichtet hat. Und was die Politik angeht, hatten wir viele gute Gespräche.

Sie waren als Spieler und als Kapitän dabei. Jetzt können Sie erstmals den Platz für den Ryder Cup gestalten, wenn Deutschland mit Bad Saarow den Zuschlag für 2022 erhält. Was wichtig ist Ihnen das?

Seit Anfang der Neunziger Jahre beschäftige ich mich mit Golfplatzarchitektur. Aber so einen Platz für den Ryder Cup zu bauen, ist eine großartige Herausforderung. Natürlich hilft mir, dass ich weiß, was die Spieler, die Fernsehzuschauer und die Mitglieder des Komitees wollen – weil ich jede Perspektive kenne. Und je mehr ich mir die Anlage in Bad Saarow anschaue, desto besser gefällt sie mir als Austragungsort für den Ryder Cup. Wir können den Platz genauso umbauen, wie es für das Turnier und alle Beteiligten am besten ist. Und das ist meine Aufgabe.

Sie könnten der Franz Beckenbauer des Golfsports werden, der ja als Spieler, Trainer und Organisator die WM geholt hat?

Das ist ein schöner Vergleich. Ich fühle mich geschmeichelt (lacht).

Mit Fußball kann sich Golf in Deutschland ansonsten kaum vergleichen. Hier der Sport der Massen, dort vermeintlich das Spiel der Reichen. Was können die Clubs gegen dieses Bild tun?

Das Wichtigste ist, dass Golf-Clubs sich nicht abschotten. Sie müssen die Jugendlichen für das Spiel begeistern. Darin liegt schließlich auch ihre eigene Zukunft, denn ohne Nachwuchs geht es irgendwann nicht weiter. Das müssen die Clubs begreifen und sich öffnen.

Sehen Sie sich als Botschafter für das deutsche Golf?

Soweit würde ich Moment nicht gehen. Ich sehe mich als Platzdesigner eher als Teil des Teams. Und da rede ich natürlich viel mit Marco Kaussler als Geschäftsführer von Ryder Cup Deutschland und seinen Leuten. Was können wir verändern, damit alles noch besser wird? Da kommen wir jedes Mal auf neue Ideen. Inzwischen planen wir elf neue Löcher auf dem Faldo-Kurs, also fast einen komplett neuen Platz.

Sie engagieren sich selbst stark im Nachwuchs-Golf. Am Wochenende findet das Finale der Faldo-Series in Bad Saarow statt, einer weltweiten Jugendturnierreihe.

Als ich damit vor 20 Jahren angefangen habe, wollte ich den nächsten Nick Faldo finden. Erst nur England, später dann in Amerika und inzwischen auf der ganzen Welt. Rory McIlroy hat bei mir gespielt, als er zwölf oder dreizehn Jahre alt war. Und viele andere auch. Die Jugendlichen lieben es, durch die Welt zu reisen und sich mit anderen zu messen. Das musste ich erst einmal begreifen. Als ich zum ersten Mal geflogen bin, war ich 18 Jahre alt. So ändern sich die Zeiten. Mein Ziel ist es, so viel wie möglich für den Golfsport in der ganzen Welt zu tun, damit das Spiel noch weiter wachsen kann und auch dort populär wird, wo Golf nicht Volkssport ist.

Inwieweit können dabei Olympische Spiele helfen, wo Golf ab 2016 wieder im Wettkampfprogramm steht?

Das olympische Turnier ist ein Schaufenster. Man muss aber bedenken, dass es seine Zeit dauert, bis sich Golf in einem Land durchsetzt. Nur weil in vier Jahren irgendwo Olympia stattfindet, bedeutet das noch nicht, dass die Sportart dort dann gleich populär ist. In dieser Hinsicht ist Golf kein schnelles Spiel. Das Event an sich ist toll. Als Spieler wäre es für mich ein großes Ziel gewesen, die olympische Goldmedaille zu gewinnen. Insgesamt ist Golf in jedem Falle auf einem guten Weg, wir haben tolle Spieler. Das Medieninteresse ist so groß wie nie und das wiederum hilft natürlich auch der Entwicklung des Sports im Allgemeinen. Man muss sich nur mal die jüngste Entwicklung anschauen. Die besten der Welt sind heute Anfang 20. Als ich meine erste British Open gewonnen habe, war ich 30 - und es hieß, das Beste kommt erst noch.

Nach Ihrer Spielerkarriere haben Sie angefangen, Golfplätze zu designen. Wie sind Sie dabei auf Bad Saarow gekommen?

Ich habe ja überall in der Welt Plätze bauen lassen. Bad Saarow war trotzdem einzigartig. Die Bahnen liegen mitten im Wald und mit den vielen Topfbunkern fühlte ich mich ein bisschen an Schottland erinnert. Das hat mir sofort gefallen. Inzwischen hat Bad Saarow alles, was ein guter Ryder-Cup-Gastgeber braucht. Wenn ich nur daran denke, wie die Spielbahnen im Licht der Abendsonne strahlen. Aber wir müssen abwarten, wie die Entscheidung am 8. Dezember ausfällt.


Kann Berlin den Unterschied ausmachen bei der Ryder-Cup-Entscheidung?

Berlin kann sicher helfen, weil es so ein historischer Ort ist. So was mögen die Entscheider natürlich. Dazu kommt aber auch, dass der deutsche Golfsport es verdient hätte, den Ryder Cup auszutragen. Das hat natürlich auch etwas mit den Erfolgen von Bernhard Langer und Martin Kaymer zu tun. Und dem Beitrag, den Deutschland für die Entwicklung der European Tour in den letzten 30 Jahren geleistet hat. Letztlich entscheidet aber nicht die große Stadt in der Nähe, sondern die Anlage an sich.

Und was würde der Zuschlag für Bad Saarow für Sie persönlich bedeuten?
Dann spielen hoffentlich später viele Leute auf meinem Platz (lacht).

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