Golf : US Open in Pebble Beach: Das Biest von Loch sieben

Bei den US Open in Pebble Beach verzweifeln die Golfer auf einem Klippenvorsprung. Dort liegt Loch sieben, die meistfotografierte Spielbahn der Welt und das kürzeste Golfloch in der Geschichte der Major-Turniere.

Petra Himmel
Von wenig langweilig? Der Platz bei den US Open in Pebble Beach ist spektakulär, besonders die siebte Spielbahn (siehe Bild) hat es in sich.
Von wenig langweilig? Der Platz bei den US Open in Pebble Beach ist spektakulär, besonders die siebte Spielbahn (siehe Bild) hat...Foto: AFP

Die Überraschung ist perfekt. Niemand hat den Golfer auf das Bild vorbereitet, das sich ihm bietet, wenn er leicht erschöpft zum Grün des sechsten Loches von Pebble Beach hinaufgestapft ist. Vor ihm liegt Bahn sieben – ein winziges, berückend schönes Par 3. Das meistfotografierte Golfloch der Welt, das spektakulärste Par 3, das kürzeste Golfloch in der Geschichte der Major-Turniere. Hier oben auf dem Klippenvorsprung, dort wo der Abschlag neben dem sechsten Grün liegt, hat man den ganzen Blick auf diese kleine Küstennase, die sich in den Pazifik reckt. Perfekt hineingefügt in das schmale Gelände liegt die Spielbahn mit ihren knapp 100 Metern Länge, bevor es an den felsigen Klippen herab in den Pazifik geht. Das Klatschen der Wellen gegen die Küstenwand ist nicht zu überhören, an schlechten Tagen glaubt man, das Meer bräche über das Grün herein. An keinem anderen Par-3-Loch der Welt verbinden sich die Schönheit einer Landschaft und eines Golfplatzes auf ähnliche Weise mit spielerischer Herausforderung, Bestrafung und Härte wie hier.

Das siebte Loch von Pebble Beach, wo seit Donnerstag die US Open ausgetragen werden, ist ein Biest. Ein kleines, tückisches Ding, dessen Schönheit kurz blendet und ablenkt. Zielgolf in Vollendung ist hier gefragt, jeder einzelne dieser knapp 100 Meter zur Fahne muss genau berechnet werden. Das Grün nämlich ist winzig, an der schmalsten Stelle der vorderen Hälfte gerade mal etwas über sieben Meter breit. Am Grünrand steht fettes, knöcheltiefes Gras, einen Meter dahinter beginnen die Bunker.

R.J. Harper, der Vizepräsident der Pebble Beach Company, muss lachen, wenn er über die Schwierigkeit dieser Bunker nachdenkt. „Knietief“ wollte er sie haben, als es um die Redesign-Maßnahmen diverser Löcher ging. „Knietief?“, antwortete ihm Arnold Palmer, Altmeister des Golfs und Miteigentümer des Platzes, mit erbittertem Unterton am Telefon. „Nein, ich will sie so tief haben, dass man bis zu den Hüften drinsteht. Ich will, dass sie eine richtige Strafe sind.“

Es empfiehlt sich also nicht, an Loch sieben in einen der Bunker zu schlagen, weil die Grünfläche, die man von da aus treffen muss, nur 180 Quadratmeter groß ist. Die Lage für den Spieler wird nicht einfacher dadurch, dass die Sieben ihr Gesicht so schnell verwandelt. Aus der gebändigten Schönheit, die sich mit einem Wedge erobern lässt, wenn nur eine leichte Brise weht, wird ein Ungetüm, an dem man sich bei starkem Wind mit einem langen Eisen abarbeitet.

Für Autor Robert Stevenson war das Stück Natur der Monterey Peninsula im 19. Jahrhundert „das glücklichste Aufeinandertreffen von Land und Meer“. Heute würde man wohl vom „glücklichsten Aufeinandertreffen von Land, Meer und Golf“ sprechen.

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