Golf : Vor dem großen Schwung

Die Berlinerin Lara Katzy will Golf-Profi werden – ihr Sport hält allerdings einige Hindernisse für sie bereit.

Anke Myrrhe

Berlin - Verträumt blickt Lara Katzy durch das Panoramafenster im Klubhaus, wo sie es sich mit einem Cappuccino gemütlich gemacht hat. Wie ein Winterwunderland sieht der Golfplatz des Golf- und Land-Clubs Berlin-Wannsee (G&LC) am Wochenende vor Weihnachten aus, ein eisiger Ostwind fegt über die tief verschneite Anlage. Bei Minus dreizehn Grad denkt selbst Lara Katzy nicht an Training. „Nicht bei diesen Temperaturen“, sagt die 20-Jährige. Mehr als ein paar Abschläge wären bei diesen Witterungsbedingungen ohnehin nicht möglich, da zieht sie es vor, in den beheizten Kraftraum zu gehen, anstatt auf der Driving Range zu frieren. Trainieren aber wird sie heute ganz sicher noch. Denn Katzy gehört derzeit zu den erfolgreichsten deutschen Golferinnen. Und kürzlich ereilte sie eine unerwartete Ehrung: Bei der Wahl zu Berlins Sportler des Jahres landete Lara Katzy ziemlich überraschend auf dem dritten Platz.

Natürlich hängt dieses Ergebnis auch damit zusammen, dass allein der G&LC 1100 Mitglieder hat, die mobilisiert wurden. Trotzdem macht es Lara Katzy stolz, nun in einem Satz mit Schwimm-Olympiasiegerin Britta Steffen und EisschnelllaufWeltmeisterin Jenny Wolf genannt zu werden, die bei der Sportlerwahl die Plätze eins und zwei belegten – zumal sie als erster Golfer überhaupt nominiert worden war. Das allerdings hat sich Katzy hart erarbeitet. Seit sie im Frühjahr ihr Abitur bestanden hat, startet sie durch. Katzy gewann ihren ersten internationalen Einzeltitel im August, wurde deutsche Vizemeisterin und holte mit der Mannschaft den EM-Titel in Slowenien. „Die Saison war sehr gut“, sagt sie nüchtern. „Sicher hat einiges dazu beigetragen, dass ich mehr Zeit hatte.“

Lara Katzy spielt nämlich fast nur noch Golf. Ein Fernstudium an der Hochschule für Gesundheit und Sport hat sie begonnen, studiert nun „Sport und angewandte Trainingslehre“. Doch an erster Stelle steht die Praxis. Nahezu jeden Tag trainiert sie, entweder mit der Damenmannschaft des G&LC, allein oder mit dem Nationalkader, der alle drei bis vier Wochen Lehrgänge organisiert. Über das weit verbreitete Klischee, dass Golf im Grunde nicht mehr als ein ausgedehnter Spaziergang für ältere Herren in karierten Hosen sei, kann Lara Katzy nur lachen. „Natürlich kann man Golf auch entspannt gestalten, aber wir machen es ja leistungsmäßig.“ Das bedeutet viel Fitness, Ausdauer, Krafttraining, Stabilisation des Rückens und der Wirbelsäule – trainiert wird oft sechs bis sieben Stunden am Tag.

Trotzdem wunderten sich viele ihrer Freunde, als Lara Katzy sich mit 13 Jahren entschloss, mit dem Tennisspielen aufzuhören, um Golf zu spielen. „Viele fragten mich, wieso ich so einen Altherrensport mache“, erzählt sie. „Aber mich hatte das Golffieber gepackt.“ Katzy ist ein Naturtalent, kam schnell in den Nationalkader. Was sie am Golf besonders mag, ist die Konzentration über lange Zeit. 36 Löcher am Tag, da ist sie schon mal zehn Stunden beschäftigt. „Und man muss sich die ganze Zeit mit sich selbst auseinandersetzen, denn es gibt in dem Sinne ja keinen Gegner“, erklärt Katzy. Golfer sind oft einsame Wanderer auf dem Platz, laufend mit sich und ihren Fehlern beschäftigt. „Man hat so viel Zeit, nachzudenken, wenn man nach jedem Schlag fünf Minuten zu seinem Ball läuft“, sagt sie. Die Nervenstärke, die man dafür braucht, hat die junge Lara Katzy schon. „Wenn es wirklich darauf ankommt, dann ist Lara in ihrem Element“, sagt ihr Vereinstrainer Mario Hansch. „ Das macht jemanden aus, der langfristig Erfolg haben will.“

Direkt neben der Driving Range des G&CL hat der Trainer der Damenmannschaft sein kleines Büro. An der Wand hängt eine Golftasche mit historischen Schlägern, die ihm ein Schüler geschenkt hat. Schön verziert sind sie, mit alten Holzgriffen, teilweise über 100 Jahre alt. Lachend blickt er in Katzys Richtung: „Wenn Du mich mit denen irgendwann schlägst, dann bist Du eine ganz Große.“

Die beiden trainieren zusammen, wenn Katzy in Berlin ist. Er kennt sie seit Jahren, weiß um ihr großes Bewegungstalent aber auch um ihre Schwächen. „Beim Putten braucht sie noch mehr Erfahrung, aber auch die Trainingsmöglichkeiten“, sagt er und blickt aus dem Fenster auf die verschneite Driving Range. „Da haben es andere Länder besser.“ Um auch im Winter im Takt zu bleiben, reist der Nationalkader um die ganze Welt. Für Lara Katzy ist das Teil des Reizes. Mit leuchtenden Augen erzählt sie, wie sie mit dem Kader kürzlich in Texas, Argentinien und Australien war. Irgendwann aber wird sie sich entscheiden müssen, ob sie Profi werden will. Im Golf gibt es sie noch, die klare Trennung zwischen Amateuren und Profis. Der Übergang war in Deutschland bis vor kurzem jedoch noch so hart, dass viele davor zurückschreckten. Auf einmal stand man ganz allein da, ohne Verband und Verein, ohne Förderung. „Das wird inzwischen viel besser aufgefangen“, sagt Hansch.

Trotzdem müsste Lara Katzy als Profi vieles selbst organisieren, Turniere planen, wäre 35 Wochen im Jahr unterwegs, müsste sich Sponsoren suchen oder die Kosten selbst tragen. Das Potential hätte sie, da ist sich Mario Hansch sicher, auch weil sie ein Organisationstalent ist. „Aber die entscheidende Frage ist: Möchtest Du dieses Leben?“

Im kommenden Jahr wird Lara Katzy ihr erstes Profiturnier spielen, sie wurde eingeladen, kann einmal hineinschnuppern. Und die derzeit beste deutsche Amateurin, Caroline Masson, mit der sie gemeinsam den EM-Titel gewann, wird den Schritt im kommenden Jahr wagen. „Da bekomme ich hautnah mit, wie es bei ihr läuft, und kann entscheiden, ob ich diesen Weg auch gehen möchte.“

Die Entscheidung könnte ihr abgenommen werden, weil Golf ab 2016 wieder zum olympischen Programm gehört. Das Internationale Olympische Komitee hat bereits angedeutet, die weltbesten Golfer dabei haben zu wollen – das wären die Profis. Dadurch könnte sich die klare Trennung aufweichen. Und ob als Profi oder Amateur, eins ist ganz sicher: Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro will Lara Katzy dabei sein.

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