Runder Tisch Golf : Nachwuchs bereitet Golfclubs Sorgen

Mieses Image, lange Anfahrt, hoher Zeitaufwand: Die Clubs in Berlin und Brandenburg haben es schwer, Kinder und Jugendliche für Golf zu gewinnen.

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Die Teilnehmer des Runden Tisches diskutierten im Verlagsgebäude am Askanischen Platz lebhaft über Golf.
Die Teilnehmer des Runden Tisches diskutierten im Verlagsgebäude am Askanischen Platz lebhaft über Golf.Foto: Mike Wolff

Kein Nachwuchs, keine Zukunft: Das wird den Golfclubs aus Berlin und Brandenburg immer bewusster. Weil der Kampf um die Gunst und die Freizeit von Kindern und Jugendlichen härter geworden ist, sorgen sich die Clubvertreter um die Golfer von morgen. „Die Einführung der Ganztagsschule macht vielen Sportvereinen Probleme, besonders den Golfclubs, weil unsere Sportart mehr Zeit beansprucht als andere“, klagte Detlef Piepenstock vom Golf- und Landclub Semlin am See beim Runden Tisch, zu dem der Tagesspiegel die Clubs der Region zum dritten Mal eingeladen hatte. „Viele junge Leute sind nicht bereit, so viel Zeit einer einzigen Sache zu widmen“, befand auch Horst Schubert, Vorstand des Golf- und Country Clubs Seddiner See.

Die Golfclubs in Berlin und Brandenburg haben den Wettbewerb indes angenommen, sei es mit Projekten wie Abschlag Schule, oder indem sie dem Nachwuchs das nötige Equipment kostenfrei zur Verfügung stellen. Manche Clubs bieten den jungen Golfern sogar einen Shuttleservice zum Golfplatz und wieder zurück. „Die lange Anreise zu den Golfanlagen, die im Berliner Umland liegen, frisst zu viel Zeit“, sagte Sven Geißler, Anlagenleiter der Golf Range in Großbeeren. Wer den Golfbazillus erst einmal in sich trage, dem erscheine dieses Problem zwar kleiner, glaubt Michael Lieberkühn, Eigentümer des Golfresorts Semlin am See. Die Golfanlagen müssten der Schar potenzieller Golfer jedoch entgegenkommen: „Die Plätze in Berlin und Brandenburg sind erstklassig, aber wir brauchen mehr Driving Ranges in der Stadt oder zumindest in Stadtnähe“, forderte Lieberkühn. Nur so ließen sich gerade mehr junge Menschen für den Sport gewinnen.

In Hamburg sei die zentrale Golfrange eine Lizenz zum Gelddrucken, verriet Geißler. Nötige Brachflächen gebe es in Berlin eigentlich genug. Aus eigener Erfahrung berichtete Lieberkühn aber, dass allein die Änderung von Bebauungsplänen in Sportgelände einige Jahre in Anspruch nehme – oder politisch gar nicht gewünscht sei. Letzteres musste Golf Range feststellen, als das Unternehmen Interesse an einem Flecken des Tempelhofer Felds anmeldete, erzählte Sven Geißler.

Hoher Zeitaufwand, Buhlen um Nachwuchs und ein schlechtes Image von Golf – die Sorgen klingen in vielen Golfclubs gleich. Der Versuch, die Probleme gemeinsam anzugehen und strategisch an einem Strang zu ziehen, sei aber nach nur drei Monaten gescheitert, gestand Harald Binnewies, Präsident des Golfverbands Berlin-Brandenburg: „Jede Anlage ist anders und hat eine andere Herangehensweise, das lässt sich nicht mal eben vereinheitlichen.“ Der Golfclub Wannsee sei einfach nicht mit Pankow oder Gross Kienitz zu vergleichen. „Jeder Club muss seine individuellen Vorteile herausstellen und seine gewünschte Klientel ansprechen.“ Die Vielfalt der Golflandschaft begreife er aber nicht als Nachteil, sondern als großen Vorteil: „Dadurch steht Golf in Berlin vielen Menschen offen.“ Eine beliebte Zielgruppe seien auch Touristen. Mit der Bitte an Visit Berlin, die Golfregion stärker zu bewerben, scheiterte der Verband aber. „Wir werben schon für so viel, für Golf nicht auch noch“, hieß es laut Binnewies dort.

Dabei biete die Region mit mehr als 20 Plätzen eine große Dichte und ideale Bedingungen. „Für eine Woche Skiurlaub in den Alpen kann ich ein ganzes Jahr Golf spielen“, warb Sven Geißler. Golf sei kein Sport der Reichen. Bei so vielen Sorgen und Klischees ging fast unter, dass 2012 eigentlich ein erfolgreiches Jahr für den deutschen Golfsport war. Was hätte sich die Szene mehr wünschen können als Martin Kaymer, der mit seinem finalen Putt den Ryder Cup zugunsten von Europa entschied. Mit einer Deutschlandfahne tanzte er anschließend über das Grün. „Leider ist vielen Freizeitgolfern der Profisport egal“, merkte Horst Schubert an. Solche sportlichen Großtaten bescherten Golf zwar kurzzeitig die sonst so vermisste Medienpräsenz. „Nachhaltiger ist es aber eher, wenn wir den Gesundheitsaspekt von Golf herausstellen, also dass man unseren Sport bis ins hohe Alter betreiben kann.“ Das passe in die heutige Zeit, in der die Ikonen offenbar nicht mehr wie einst Boris Becker oder Steffi Graf die Massen für ihren Sport gewinnen.

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