Sport : Golfen mit dem Fuß

Das Geheimnis des Thunder-Kickers Miller

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Die Spieler sind aufgeregt und hektisch. Eine Minute und 14 Sekunden vor dem Ende des Footballspiels zwischen Rhein Fire Düsseldorf und Berlin Thunder steht es 28:27. Der Kick des Berliners Kevin Miller aus 31 Yards Entfernung wird die Begegnung entscheiden. Schafft er es, den Football zwischen die in etwas mehr als drei Meter Höhe angebrachten Pfosten zu schießen, gewinnt Thunder. „Den musst du treffen“, ruft ihm ein Mitspieler zu. Miller aber befindet sich in seiner eigenen Welt, ist voll konzentriert. Dann geht es schnell: Miller schießt, der Ball segelt durch die Pfosten. Ausgelassen feiern die Spieler den dritten Erfolg im vierten Spiel der NFL-Europe. Das war vor einer Woche.

Heute spielt Berlin Thunder um 18 Uhr im Olympiastadion gegen den Tabellenführer, die Amsterdam Admirals. „Hoffentlich bekomme ich wieder so eine Chance“, sagt Miller. Gegen Düsseldorf entschied er bereits zum zweiten Mal ein Spiel im letzten Moment zu Gunsten der Berliner. Druck verspüre er in solchen Situationen kaum. „Zum einen bin ich von Natur aus ein sehr unaufgeregter Mensch, zum anderen trainiere ich häufig mental, versuche vor den Spielen jedes mögliche Szenario im Kopf durchzuspielen“, sagt der US-Amerikaner. Körperliches Training macht Kevin Miller dagegen nicht viel. Während seine Kollegen täglich mehr als zwei Stunden trainieren, muss der 25-Jährige höchstens eine halbe Stunde üben. „Bei mehr Training würde mir das Bein abfallen“, sagt er.

Mit dem Football angefangen hat Miller vor 13 Jahren. Da er vorher Fußball gespielt hatte, durfte er sofort kicken. Doch sein Können führt Miller auf seine Golf-Karriere zurück. Der Kick beim Football und der Schlag beim Golf hätten sehr viele Gemeinsamkeiten. „Es geht darum, eine immer wiederkehrende Bewegung zu perfektionieren. Außerdem musst du in diesem Moment alles um dich herum ignorieren können“, erzählt Miller. An der Universität East Carolina hatte Miller zunächst ein halbes Stipendium für Golf bekommen, doch nachdem er im Football-Team vorgespielt hatte, ließen ihn die Trainer nicht mehr gehen. Er erhielt ein volles Stipendium.

Zwei Jahre nach dem Ende seines Studiums wurden die Seattle Seahawks auf Miller aufmerksam. Im Januar nahmen der NFL–Klub ihn für ein Jahr unter Vertrag, spielen durfte er aber noch nicht. Miller soll sich erst in der NFL-Europe durchsetzen. „Es wäre mein Traum, in der NFL zu spielen“, sagt Miller. „Sonst muss ich mir wohl einen richtigen Job suchen.“

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