Sport : Golfprofis und der Dopingtest

Olympia-Reform: Rogge kämpft um Glaubwürdigkeit

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Lausanne (dpa). Jacques Rogge hatte es in Lausanne bei seiner Abschlusspressekonferenz sehr eilig. Sein Sohn heiratete. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) kam noch rechtzeitig ans Ziel. Doch ob der 60 Jahre alte Belgier auch die gigantisch gewordenen Olympischen Spiele überzeugend umgestalten kann, bleibt offen. Denn Rogge steht unter dem Diktat des Geldes. Er könne sich durchaus vorstellen, dass reduzierte Spiele 15 Prozent weniger Einnahmen abwerfen, hatte der Wahlkämpfer Rogge gesagt. Der Präsident Rogge wurde dagegen längst von der Realität eingeholt. Die Weltwirtschaftskrise belastet auch das IOC. Die Fernsehrechte sind nur bis 2008 verkauft. Danach droht eine Abmagerungskur. Rogges großes Ziel ist es, die Spiele billiger zu machen. Für die Athen-Spiele gilt: 28 Sportarten, 301 Wettbewerbe, 10 500 Sportler, nahezu 120 000 Akkreditierungen aller Art. Doch ob das durchgeht, ist ungewiss. Mindestens ebenso schwierig wird die Entscheidungsfindung um das künftige Olympia-Programm verlaufen. Sollten sich die Vorschläge der Programm-Kommission, die Rogges Handschrift tragen, durchsetzen, gäbe es 2008 mindestens 28 Streichungen von Wettbewerben. Doch schon verteidigt eine mächtige Lobby ihre Pfründe.

Aber es geht auch um Rogges Glaubwürdigkeit. Das wird an der von ihm betriebenen Aufnahme von Golf deutlich. Ist Golf schon deshalb olympiareif, weil der Tiger Woods-Effekt einen dringend erforderlichen Mehrwert für die Vermarktung erbringen würde? In Lausanne erregte Rogge mit seiner Ankündigung Aufsehen, er werde den Ausschluss jedes olympischen Verbandes betreiben, der sich nicht dem Doping-Code unterwirft. Dem jetzt gültigen Code verweigern sich unter 35 Verbänden noch Fußball, Handball, Tennis und Eishockey, weil sie der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) keine unangemeldeten Trainings-Kontrollen gestatten. Golfer allerdings haben von Dopingtests noch nicht einmal etwas gehört.

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