Sport : Golfsaison: Costa del Golf

Marita Weber

Wer vom Flughafen Malaga die N 340 Richtung Marbella fährt, kommt an der Ausfahrt Elviria vorbei. Dort, genau gegenüber dem Hotel Don Carlos, sollte der Golffreund schon mal Ausschau halten. Oft sitzt eine Andalusierin da und verkauft unter ihrem Sonnenschirm Golfbälle. Beste deutsche, englische und amerikanische Markenware im Dreier- und Zwölferpack. Zu Preisen, die günstiger sind als in Deutschland.

Das Geschäft dürfte florieren: Rund drei Dutzend Golfplätze in der Umgebung locken heute etwa 100 000 Dauerspieler an, die versorgt sein wollen. "Costa del Golf" wird die mit 320 Tagen sonnenverwöhnteste Küste Europas heute bereits genannt. Die Tatsache, dass man zwischen Malaga und Gibraltar mit dem kleinen weißen Ball nonstop hinter (fast jeder) Straßenkreuzung spielen kann, und das zwölf Monate im Jahr, hat ihr diesen Namen eingebracht. Die Wende zum Golfsport der durch Kriminalität und Wirtschaftskrise einst gebeutelten Region hatte heilende Wirkung. Ein spanischer Fußballpräsident namens Jesus Gil y Gil wurde 1991 zum Bürgermeister von Marbella ernannt. Der gebürtige Kastilier - selbst eine zwielichtige Figur - machte kurzen Prozess mit Kriminellen, setzte Aufräumkommandos in Parks und an Küstenpromenaden ein, ließ neue Bäume pflanzen. Tourismuspolizisten in schneeweißen Uniformen, hoch zu Ross, erhöhten das Sicherheitsgefühl.

Mit dem Umschwung kamen neue Investoren. Zahlreiche luxuriöse Hotels und neue Golfplätze wurden gebaut und haben das Ambiente zwischen Malaga und Gibraltar verändert. Die Costa del Sol liegt im Trend, der Tourismus boomt. Gut acht Millionen Besucher wurden im Jahr 2001 gezählt. 400 000 Ausländer haben an dieser Küste einen festen Wohnsitz, ein Viertel davon sind Deutsche. Die Preise für einen Quadratmeter Bauland in Marbella, die vor drei Jahren noch bei rund 65 Euro lagen, haben sich in sehr guten Lagen nun verdreifacht.

Doch die Berühmtheiten der Costa de Marbella verabreden sich nun nicht mehr zur Runde auf den Küstenplätzen, sondern auf der exklusiven Anlage La Zagaleta im hügeligen Hinterland bei San Pedro. Fernab von neugierigen Blicken, pflegen sie dort ihre Privatsphäre. La Zagaleta hat 200 ausgewählte Mitglieder, die sich in der Gegend niedergelassen haben. Nur wer jemanden kennt, der Mitglied ist und einen einlädt, wird diesen traumhaft schönen Platz zu sehen bekommen.

Und auch der mondäne Las Brisas Golfclub bei Nueva Andalucia Marbella, wo sich in den 70er Jahren nichtgolfende VIPs zum Aperitif trafen, hat sich in eine überaus aktive Sportstätte verwandelt. Startzeiten sollte man unbedingt von Deutschland aus buchen. Werden in den Wintermonaten die Golfplätze überrannt, ist im Sommer die Reservierung nicht nötig. Dann ist der Traditionsklub wie leergefegt. Und auch in den anderen Klubs an der Costa del Sol hat man zu keiner Tageszeit Startschwierigkeiten. Man kommt und spielt, zu Greenfeepreisen mit Sommerrabatt um 40 Euro.

Wer an der Costa del Golf Ferien macht, sollte erst einmal die Plätze in unmittelbarer Nähe seines Domizils spielen. Kein Ort, keine Urbanisation, kein Hotel, das nicht in Fuß- oder Shuttlebusnähe einen 18-Löcher-Platz zu bieten hat. Von den 34 Anlagen, die es an der Golfküste gibt, sollen nur einige Spitzenplätze erwähnt sein. Man kennt das ja. Jede Auswahl ist natürlich subjektiv. Auf seine Kosten wird hier jedenfalls jeder Golf-Enthusiast kommen. Und auf die Sonne muss er nie verzichten.

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