Sport : „Good night and good bye“

Australien gegen Tunesien: Wie ein Fußballabend in Leipzig aussehen kann

Sven Goldmann[Leipzig]

Das Spiel ist schon vor knapp zwei Stunden abgepfiffen worden. Anyway, sagen die drei australischen Fans unter dem Regenschirm und bestellen noch eine Runde von dem so genannten Bier aus Amerika, dessen Hersteller dem Weltverband Fifa einen Alleinvertretungsanspruch rund um die Stadien des Confed-Cups abgekauft hat. Leere Plastikbecher stapeln sich um die drei Australier. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn das so genannte Bier ist so leicht, dass es schon ein ordentliches Quantum braucht, um sich ein Fußballspiel wie das gerade eben gesehene schön zu trinken.

Tunesien gegen Australien hieß die Ansetzung, und weil es um nichts ging, war das eine schöne Gelegenheit für die gastgebenden Leipziger, für die Weltmeisterschaft 2006 zu üben. Auch bei der wird es Spiele von minderer Qualität und Attraktivität geben. Noch aber weiß niemand, wo und wann diese stattfinden werden. Das ist ja das diabolisch-geniale an der Idee der Fifa, die WM-Tickets schon zu verkaufen, bevor der Spielplan feststeht. Wer kann schon wissen, ob er seine mit viel Glück erworbenen Gutscheine eintauschen darf gegen Tickets für ein Spiel zwischen Argentinien und Holland. Oder eben für Australien gegen Tunesien.

Egal, Spiel ist Spiel, und deswegen gehen die Leipziger auch die Partie um den dritten Platz der Vorrundengruppe A mit der gewünschten Akribie an. Schon Stunden vor dem Spiel wurden Straßen rund ums Stadion gesperrt, was im Zusammenspiel mit den unzähligen Baustellen in der Stadt zu einem dem sportlichen Anlass nicht gerade entsprechenden Verkehrschaos führt. 25 000 Zuschauer schauen zu, darunter allerdings 7000 Schüler mit Freikarten.

Das neue Stadion ist luftig gebaut worden, ein bisschen wie das Estadio da Luz in Lissabon, aber da regnet es bekanntlich nicht so oft wie in Deutschland. Wer nur einen ungünstigen Platz erwischt hat, der wird im Leipziger Sommergewitter nass. Und doch ist die Stimmung gut, was vor allem an der Akustik des Stadions liegt, an der Echowirkung, die vom alles umspannenden Dach erzeugt wird. 1000 tunesische Fans können so viel Lärm machen, auch die Leipziger applaudieren dankbar. Im Alltag werden sie mit Viertligaspielen traktiert, da ist auch ein auf dürftigem Niveau stehendes Spiel zwischen Afrika- und Ozeanienmeister eine willkommene Abwechslung. Am besten gefällt ihnen der kleine Santos, der am Dienstag beide Tore beim 2:0 schießt, zum „Man of the Match“ gewählt und anschließend vor die versammelte Weltpresse zur Befragung geführt wird.

Die Weltpresse zählt an diesem Dienstag 16 Köpfe und kommt zur Hälfte aus Leipzig und Umgebung. Bevor Santos auf die erste Frage antworten kann, erzählt der Dolmetscher, dass die Ehrung zum „Man of the Match“ präsentiert wird von dem so genannten Bier aus Amerika. Dann darf Santos zwei, drei kurze Sätze sagen und wieder gehen. Er ist spät dran, die Kollegen sind weg, und von den Australiern ist nur noch der lange John Aloisi da. Der hat in den ersten beiden Spielen vier Tore geschossen und sucht einen neuen Verein, weil sein Vertrag beim spanischen Erstligisten Osasuna nicht verlängert wird. Spanien wär schön, sagt Aloisi, England ist auch okay, zur Not die Bundesliga, „aber nun schreibt bitte nicht, dass ich unbedingt nach Deutschland will“.

Es ist kurz vor Mitternacht, als Aloisi endlich zum Mannschaftsbus geht, vorbei an der Leuchtschrift, die „good night and good bye“ wünscht. Der Australier steht noch in der Bustür, da erlischt die Leuchtschrift. Für heute ist der Confed-Cup in Leipzig beendet.

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