Sport : Grand Prix: Formel 1 in den USA: Was ist das denn?

Karin Sturm

"Wer seid ihr denn?" Diese Frage mussten sich einige McLaren-Teammitglieder in ihren Ausgehuniformen auf dem Weg nach Indianapolis von amerikanischen Mitpassagieren gefallen lassen. Auf die Antwort, "wir gehören zu einem Formel-1-Team", kam sofort die Gegenfrage: "Formel 1 - was ist das denn?" Für die Bosse des Milliardengeschäfts soll der Grand Prix in den USA zu einem Meilenstein werden. Es ist der erste in den Vereinigten Staaten seit Phoenix 1991. "Für die Formel 1 ist es sehr wichtig, in die USA zurückzukehren", sagt Ferrari-Rennleiter Jean Todt. "Nicht zuletzt wegen des amerikanischen Marktes. Aber als noch wichtiger erachte ich es, diese Serie hier generell populär zu machen. Die USA sind wohl das einzige Land, wo sie bisher nicht dominiert."

Zehn Jahre Formel-1-Pause waren sehr lang - für das Gedächtnis der Amerikaner, aber auch für die Fahrer. Nur noch drei von damals sind dabei: Mika Häkkinen, Johnny Herbert und Jean Alesi. Der Zeitpunkt der Rückkehr ins Land der Show ist optimal gewählt. Das WM-Finale zwischen Mika Häkkinen und Michael Schumacher steht über allem. Eine spannendere Show, als erneut zwischen ihnen zu erwarten ist, kann die Formel 1 selten bieten.

Worauf es diesmal ankommt, ist für Schumacher klar: "Es geht darum, in der Abstimmung den besten Kompromiss zu finden, zwischen der extrem schnellen Geraden mit der überhöhten Kurve und dem langsamen Infield." WM-Spitzenreiter Häkkinen, der 1991 in Phoenix sein Grand-Prix-Debüt für Lotus gab, kann in Indianapolis erstmals auf Unterstützung durch seinen Teamkollegen David Coulthard hoffen. "Ich weiß nicht so genau, wie die Strecke ist. Es wird aufregend. Außerdem wird es interessant zu sehen, wie die Formel 1 diesmal vom Publikum aufgenommen wird. Das wird richtungsweisend sein für die Zukunft der Formel 1 in den USA überhaupt. Deshalb hoffe ich auf ein Rennen mit vielen Überholmanövern", meinte der Titelverteidiger.

Jacques Villeneuve kennt Indianapolis viel besser. Den klassischen Ovalkurs der 500 Meilen wohlgemerkt, die er 1995 gewann. Der Kanadier, aus seiner Cart-Zeit Experte für die amerikanischen Verhältnisse, ist hin- und hergerissen: "Es ist natürlich toll, in die USA zu gehen, Indianapolis ist ja ein Zentrum des Formelsports. Schade ist nur, dass wir nicht auf dem Oval fahren," bedauert er. "Als ich dort die 500 Meilen gefahren bin, waren da 450 000 bis 500 000 Zuschauer. Beim Grand Prix wird es dagegen leer aussehen, selbst wenn 250 000 kommen. Ich hoffe nur, dass die amerikanischen Fans nicht enttäuscht sein werden. Auf einem Straßenkurs gibt es nun einmal weniger Überholmanöver als auf einem Oval. Die Amerikaner sind ständig Action gewöhnt. Die gibt es in der Formel 1 nicht immer."

Vor Aufregung anderer Art hat Reifenhersteller Bridgestone bereits Panik, was seine Warnung verdeutlicht: "Wenn sich die Teams nicht an den von uns vorgegebenen Reifendruck halten, übernehmen wir keinerlei Verantwortung für die Konsequenzen." Nach dem großen Imageverlust durch zahlreiche Reifenschäden und dadurch entstandene Unfälle in anderen Serien mit der Tochterfirma Firestone fürchten die Japaner nichts so sehr wie einen Crash in den USA, dem Mekka der Schadensersatzklagen. Auf diesem Weg sollen die Amerikaner nun wirklich nicht erfahren, was Formel 1 ist.

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