Sport : Grau und griesgrämig

Trainer Jörg Berger resigniert in Rostock

Hartmut Scherzer[Kaiserslautern]

So kannte man Jörg Berger: Sonnengebräunt, strahlend, optimistisch. Mit diesem Einstellung ist der 60 Jahre alte Fußballtrainer Mitte November vergangenen Jahres angetreten, den Tabellenletzten FC Hansa Rostock zu retten. Acht Spieltage später steht der Klub immer noch auf Rang 18. Das Erscheinungsbild vom gut gelaunten Sachsen aber hat sich gewandelt. Grau und griesgrämig wirkte Jörg Berger nach der 1:2-Niederlage seiner grippegeschwächten Mannschaft auf dem von Sturmböen umwehten Betzenberg gegen den 1.FC Kaiserslautern.

Bergers Körpersprache und Ausdrucksweise vermitteln den Eindruck von Resignation. „Jetzt wird es immer schwerer, je weniger Spiele es werden“, sagte der Trainer. Nach acht Spielen unter seiner Verantwortung steht immer noch kein Sieg zu Buche. Berger fehlt auch das Glück. „Wir könnten jetzt fünf Punkte mehr haben, ohne dass wir anders hätten spielen müssen.“

Der Trainer erinnerte an den Ausgleich in der Nachspielzeit der Nachspielzeit gegen Schalke (2:2) und bei seinem Einstand in Berlin gegen Hertha (1:1) sowie an den verweigerten Handelfmeter beim 2:3 in Bremen. Als ihm das Glück noch hold war, hatte Jörg Berger Traditionsklubs wie Köln, Schalke und zweimal Eintracht Frankfurt vor dem Abstieg gerettet. Mit Alemannia Aachen gelang ihm beinahe der Aufstieg in die Bundesliga, zudem führte er den Zweitligisten ins DFB-Pokalfinale. Doch bei Hansa Rostock hat ihn das Glück verlassen.

Der Mann, der vor zwei Jahren den Darmkrebs besiegte, jammerte in Kaiserslautern nicht über das Grippe-Magen-Darm-Virus, das seine Mannschaft und ihn selbst befallen hatte. Am Donnerstag hatte er nur zehn Profis im Training gesehen. „Die Grippewelle soll kein Alibi sein“, sagte Berger mit fahlem Gesicht. Er selbst musste während des Spiels sogar die Toilette aufsuchen, „damit auf der Bank nichts passiert.“ Aus einem ähnlichen Grund musste er auch Thomas Rasmussen auswechseln.

Nicht die Grippe sondern der zweimalige Schock durch Gegentore zu Beginn jeder Halbzeit sei Schuld an der Niederlage gewesen, sagte Berger. Vom 0:1 durch Seitz und 0:2 durch Zandi unmittelbar nach der Pause habe sich sein Team nicht mehr erholt. Und dann, schimpfte Berger, schwäche sich die Mannschaft durch Disziplinlosigkeiten auch noch selbst. Torschütze Rade Prica wurde in der Nachspielzeit wegen Meckerns mit Gelb-Rot bestraft. Am vorangegangenen Wochenende hatte Allbäck Rot gesehen. Kein Wunder, dass Jörg Berger seinen Optimismus verloren hat.

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