Sport : Grenz-Erfahrungen

Warum dem SCC für die Teilnahme am Volleyball-Europapokal eigentlich das Geld fehlt

Karsten Doneck

Berlin. Donezk war ein Albtraum. Die Volleyballer des SC Charlottenburg nutzten Mitte der Neunzigerjahre zum Flug in die Ukraine eine Chartermaschine, weil die Reise hin und zurück als Linienflug sieben Tage gedauert hätte. Probleme gab’ s indes auch so zur Genüge. Schon auf dem Hinflug. Beim Zwischenstopp in Kiew musste sämtliches Gepäck in einer zeitraubenden Aktion erst aus-, dann wieder eingeladen werden. Richtig schlimm wurde es aber erst vor dem Heimflug in Donezk. „Wir wussten nicht, ob wir überhaupt Sprit für das Flugzeug kriegen“, sagt SCC-Manager Kaweh Niroomand. „Die waren gar nicht darauf vorbereitet, dass wir in Dollar zahlen“, ergänzt Mannschaftsbetreuer Günter Trotz. Die Verhandlungen zogen sich hin, der Flughafen Donezk schloss bereits seine Tore. Dank ein bisschen Diplomatie durfte die Berliner Volleyball-Delegation doch noch abheben, aber „das hat uns etliche Stunden gekostet“, sagt Trotz.

Wer zum Volleyball-Europapokal über die Grenzen reist, der kann was erleben. Geradezu entspannt kann da der SCC heute der Partie im Top-Team-Cup gegen Piet Zoomers Apeldoorn aus Holland entgegensehen, findet sie doch daheim in der Sömmeringhalle statt (Beginn 19 Uhr). Entspannt? Vielleicht nicht ganz. Im Top-Team-Cup gilt die Regelung, dass der jeweilige Gastgeber für den Gegner Kost und Logis bezahlt, und zwar für maximal drei Tage. Ausgiebige Schlemmereien und feuchtfröhliche Champagnerfeiern mit horrenden Rechnungen als Folge sind da jedoch die unrühmliche Ausnahme. „Das geht meist konfliktfrei ab“, sagt Niroomand, kennt aber auch Gegenbeispiele. „Manchmal kommt es vor, dass der Gegner statt der erlaubten 17 Mann auch noch einen 18. mit abrechnet. Oder man sollte in seltenen Fällen auch schon mal vom Hotelpersonal die Minibar in den Zimmern vorher leer räumen lassen.“

Trotz aller Selbstbeschränkung: Der Europapokal ist für den SC Charlottenburg insgesamt ein Zuschussgeschäft. Für die sechs Spiele im diesjährigen Wettbewerb gegen Apeldoorn, Skopje MB (Mazedonien) und Dunaferr Dunaujvaros (Ungarn) entstehen Kosten im Bereich zwischen 50000 und 60000 Euro. Durch Senatszuschüsse, Zuschauereinnahmen und Werbemaßnahmen wird ein Teil dieser Summe finanziert. Aber eben nur ein Teil. „30 bis 40 Prozent des Betrags bleiben an uns hängen“, sagt Niroomand. Der Saison-Etat der Charlottenburger liegt bei etwas mehr als 600000 Euro.

„Finanziell ist eine Teilnahme am Top- Team-Cup sicher nicht reizvoll. Aber gerade unsere jungen Spieler brauchen für ihre Entwicklung diese internationalen Vergleiche. Außerdem ist das Medieninteresse recht groß, und wir machen dadurch auf unsere Sportart aufmerksam“, sagt Niroomand.

Drei Spiele – mit einem Sieg sowie Niederlagen in Skopje und beim Hinspiel in Apeldoorn – liegen im Top-Team-Cup jetzt hinter dem SCC. Reisestrapazen? „Es ging“, sagt Trotz. Der Flug nach Skopje und zurück mit Zwischenstation in Wien verlief reibungslos, die fünfeinhalb Stunden Bahnfahrt nach Apeldoorn ebenso. Bei den Volleyball-Verhältnissen in Skopje kam der SCC sogar ins Staunen. Ein Hotelbesitzer sorgt dort dafür, dass der Verein über genügend Geld verfügt. „Die Volleyballer in Skopje haben einen noch höheren Etat als wir“, sagt Trotz. „Dabei verdienen die Menschen in Skopje im Durchschnitt nur 150 Euro im Monat.“

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