Greuther Fürth : Der Neuaufbau unter Frank Kramer

Frank Kramer unterschrieb beim Tabellenletzten der Bundesliga einen Vertrag bis 2015. Schon sein erster Tag als Trainer in Fürth brachte viel Stress mit sich.

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Da geht's lang. Frank Kramer.
Da geht's lang. Frank Kramer.Foto: dpa

Frank Kramer kann richtig ins Schwärmen geraten. Wenn er von seiner Zeit als Spieler bei den Amateuren des FC Bayern erzählt zum Beispiel. Eine „Wahnsinns-Truppe“ sei damals 1993 zusammen gewesen. Und er für 27 Spiele mitten drin. Kramer machte als Spieler nicht die Profi-Karriere, die die Kollegen Sammy Kuffour, Hans Pflügler, Alexander Zickler, Markus Münch, Harald Cerny und Dietmar Hamann hinlegten. Dass er aber wenigstens als Trainer ganz nach oben wollte, daraus machte der 40-Jährige nie ein Geheimnis. Jetzt scheint er am Ziel.

Am Dienstag leitete der in Memmingen geborene ehemalige Mittelfeldspieler und bisherige Hoffenheimer U-23-Coach sein erstes Training als Cheftrainer bei der SpVgg Greuther Fürth. Beim Tabellenletzten der Bundesliga unterschrieb Kramer einen Vertrag bis 2015. Schon sein erster Tag sah nach reichlich Termin-Stress aus. Morgens galt es in Hennef, die mündliche Prüfung zum Fußballlehrer zu überstehen, anschließend die Pressekonferenz in Fürth zu bewältigen und das Nachmittagstraining zu leiten. Am Samstag sitzt Kramer beim Auswärtsspiel in Bremen das erste Mal auf der Fürther Bank. In Franken glaubt man, in ihm den richtigen Mann für den Neuaufbau verpflichtet zu haben. Kramer gilt als Entwickler, der mit jungen Spielern umgehen kann. Mit den Amateuren in Hoffenheim stand er an der Tabellenspitze der Regionalliga Südwest.

Dass Kramer das Angebot aus Fürth annahm, wunderte in Hoffenheim niemanden ernsthaft. Kramer hat sich als verbeamteter Lehrer vorerst bis 2014 beurlauben lassen, um es bis dahin als Trainer im Profifußball zu schaffen. In Hoffenheim war er am Ende der Karriereleiter angekommen. Zwei Spiele lang war er schon Profi-Trainer. Als Markus Babbel im Dezember 2012 entlassen wurde sprang er bei Spielen gegen den HSV und Dortmund ein. Beide verloren die Hoffenheimer. Die Zwischenlösung Kramer hatte ausgedient, als Marco Kurz kam. In etwa einer Woche beendet Kramer mit seiner Lehrprobe die Ausbildung zum Fußballlehrer. „Dann kann ich mich voll auf Fürth konzentrieren“, sagt er.

Lange eingewöhnen muss sich Kramer in Fürth nicht, was die Aufgabe des Neuaufbaus eines zerfallenden und in der Bundesliga überforderten Kaders nicht einfacher macht. Er wird in Fürth als verlorener Sohn verkauft. Zwischen 2004 und 2011 war er in verschiedenen Funktionen als Nachwuchstrainer tätig. „Ich bin dort bestens verlinkt und kenne das Umfeld“, sagt er. Und: „Die Philosophie, mit jungen Leuten zu arbeiten, passt zu meinem Werdegang.“ In Fürth wird er das wohl mit einem geringen Etat bewerkstelligen müssen. Eine Karriere als Bundesligatrainer könne man nicht planen, hat Kramer mal gesagt. „Das ergibt sich oder nicht.“

Jetzt hat es sich für ihn ergeben. In Fürth wird die Rückkehr zum Erfolg eine ordentliche Herausforderung. Der Abstieg aus der Bundesliga ist kaum zu verhindern. Der alte Bekannte Kramer muss nicht nur eine Mannschaft entwickeln, die für sich eine neue Perspektive findet, sondern gleich den ganzen Verein mit an die Hand nimmt, der den Frust eines misslungenen Jahres in der Bundesliga verarbeiten muss. „Ich freue mich auf den Job. Wir haben viel zu tun, aber dieser Klub hat viel Potenzial“, sagte Kramer.

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