Sport : Griechen feiern deutsch

Nach dem Sieg in Spanien bittet Trainer Rehhagel seine Mannschaft sofort zum Training

Andreas Morbach

Zaragoza/Athen. Die griechischen Fußballer staunten nicht schlecht, als sie am Sonntagnachmittag auf dem Athener Flughafen Eleftheríos Venizélos aus ihrer Chartermaschine stiegen. 16 Stunden zuvor hatten sie mit dem 1:0 über Spanien in Zaragoza ihrem Land einen der größten Erfolge überhaupt beschert. Ihr Trainer aber ließ sie nicht feiern, sondern schickte sie von der Landebahn direkt zur nächsten Trainingseinheit. „Wir amüsieren uns auf deutsche Art“, sagte Otto Rehhagel mit Blick auf das morgige EM-Qualifikationsspiel gegen die Ukraine.

Natürlich hat auch Rehhagel die ungewöhnliche Nacht in Spanien genossen. „Dieser Sieg hat einen großen Stellenwert in meiner Karriere", sagte der frühere Bundesligatrainer. Das Hinspiel gegen die Spanier, Rehhagels erstes wirklich wichtiges Spiel als griechischer Nationaltrainer, hatte seine Mannschaft noch 0:2 verloren. Und der Trainer war danach so geknickt, dass ihn Verbandspräsident Vassílis Gagátsis am nächsten Abend zusammen mit Ehefrau Beate kurzerhand zu einem Essen am Meer einlud.

Neun Monate später bedankte sich der 64-Jährige für Vertrauensbeweis und Dinner mit dem völlig unerwarteten Sieg beim großen Gruppenfavoriten. „Das war ein historischer Sieg“, betonte Rehhagel – immerhin hatte Spanien in den zwölf Jahren zuvor kein einziges Heimspiel verloren. Nun veranstalten die Griechen beim Anblick der Tabelle kecke Gedankenspielchen: Erlauben sich die Spanier am Mittwoch in Nordirland einen neuerlichen Patzer, und besiegt Griechenland am selben Tag auch die Ukraine, dann spräche viel für eine direkte Qualifikation für die EM-Endrunde in Portugal.

Dass die Griechen im Stadion Romareda vor allem in der ersten halben Stunde reichlich Dusel hatten, dass Spaniens Coach Inaki Sáez „unseren großen Fehler“ darin erkannte, „dem Gegner bei seiner einzigen Chance in der ersten Hälfte ein Tor zu ermöglichen“ – all das war den Griechen im Moment des Triumphes herzlich egal. Das Tor des Abends, erzielt kurz vor Ende der ersten Halbzeit von Stélios Giannakópoulos, reichte aus für den ersten Erfolg über Spanien im siebten Vergleich.

Noch wundervoller wäre der Abend freilich geworden, hätte die Ukraine ihr Heimspiel gegen Armenien nicht in letzter Sekunde noch 4:3 gewonnen. Griechenland wären beim morgigen Duell im Panathinaikós-Stadion im Zentrum von Athen schon bei einem Unentschieden beste Chancen auf Platz zwei und die damit verbundenen Relegationsspiele um ein EM-Ticket geblieben. Jetzt dagegen droht den strahlenden Siegern vom Samstag selbst bei einer Punkteteilung mit der Ukraine am Ende Rang drei und damit bei der EM-Endrunde ein Ehrenplatz vor dem Fernseher.

Das Hinspiel in Kiew haben die Griechen 0:2 verloren, obwohl, wie Rehhagel fand, „die Ukrainer damals auch nicht besser waren als wir“. Allerdings: „Sie haben damals ohne Schewtschenko gespielt.“ Dieses Mal stürmt der Mann vom Champions-League-Sieger AC Mailand an der Seite des künftigen Kölners Marian Woronin. Dennoch rechnet Rehhagel am Mittwoch in erster Linie mit einer sehr zurückhaltenden Mannschaft aus der Ukraine. „Auswärts spielen die nur auf Konter“, prophezeit Griechenlands deutscher Trainer, der nach dem Glanzlicht von Zaragoza auf die frisch geweckte Lust der Griechen auf ihre Nationalmannschaft setzt. „Ich denke, wir werden das Haus voll bekommen“, sagt Rehhagel. „Und dann müssen die Ukrainer schon sehr stark sein, wenn sie uns schlagen wollen. Denn wir haben auch keine schlechte Mannschaft."

Widersprechen wird ihm da im Moment niemand.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben