Sport : Griechenland - Deutschland: Von wegen Operettenliga

Stefan Hermanns

Nino, der italienische Wirt, will jetzt Feierabend machen. "Ihr könnt noch hier bleiben", sagt er, "ihr müsst nur nachher die Tür zuziehen." Und das solle man ruhig mal schreiben, sagt Nino, "dass ich so viel Vertrauen zu Karlheinz Pflipsen habe, dass ich ihm mein Restaurant überlasse". Dabei nennt Pflipsen ihn schon die ganze Zeit Niko statt Nino. Das mag damit zusammenhängen, dass Pflipsen seit knapp zwei Jahren in einem Land lebt, in dem die Leute eher Niko als Nino heißen. Im Sommer 1999 wechselte Pflipsen zum griechischen Fußballklub Panathinaikos nach Athen. Sein Ruf war damals nicht unbedingt so, dass man ihm sein leeres Restaurant anvertraut hätte.

"Ich kann jedem Fußballer nur raten, den Schritt ins Ausland zu machen", sagt Pflipsen. Vor zwei Jahren wäre ein solcher Satz schlichtweg undenkbar gewesen. Pflipsen ist 1970 in Mönchengladbach geboren, 1982 ging er zur heimischen Borussia, wurde dort Profi, Ende 1993 Nationalspieler. Ohne den Gladbacher Abstieg im Jahr 1999 hätte der Mittelfeldspieler seine Karriere vielleicht bei demselben Verein beendet, bei dem er sie auch begonnen hat. Aus Treue? Wohl eher aus Bequemlichkeit.

Karlheinz Pflipsen war im Sommer 1999 nicht darauf vorbereitet, einen neuen Arbeitgeber zu benötigen. Mit den Borussen einigte er sich nach dem Abstieg auf einen Auflösungsvertrag; die Angebote aber blieben aus. "Ich hatte nicht die freie Auswahl", sagt Pflipsen. Überhaupt redet er ziemlich freimütig über Dinge, die in seinem Leben nicht ganz glatt gelaufen sind. Da gibt es diese Geschichte mit dem Urlaubsgeld, 85 000 Mark, das der Millionenverdiener Pflipsen einmal bei Borussia Mönchengladbach gerichtlich erstritten hat. "Da habe ich einen Fehler gemacht", sagt er heute. "Aber ich habe auch genug dafür eingesteckt."

In Athen war Pflipsen ein Held, nachdem er seiner Mannschaft mit einem Tor gegen Graz das Weiterkommen im Uefa-Cup beschert hatte. Eine Illustrierte feierte ihn auf ihrer Titelseite als neuen Superstar, am Ende seiner ersten Saison wurde er zum zweitbesten Ausländer der Liga gewählt. Dabei hatte er die Rückrunde wegen eines Kreuzbandrisses verpasst.

In Deutschland wird der griechische Fußball nicht allzu ernst genommen. Pflipsen findet, man könne eine Liga nicht aus der Ferne abstempeln. Panathinaikos hat in der Champions League den HSV und Juventus hinter sich gelassen. "Ich glaube nicht, dass eine Mannschaft aus einer Operettenliga das geschafft hätte." Natürlich gehöre Griechenland nicht zur europäischen Topklasse, "aber Deutschland hängt inzwischen auch einen Schritt hinterher".

Mit der Nationalelf tun sich die Griechen schwer. "Das Problem ist die Rivalität unter den Fans der Athener Klubs Panathinaikos und Olympiakos, "das ist schon fast Hass", sagt Pflipsen. Wenn ein Spieler von Olympiakos für die Nationalelf ein Tor schießt, "dann weiß der Panathinaikos-Fan nicht, ob er jubeln oder weinen soll".

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