Sport : Grimmig entschlossen durchs Haupthaar

Gomez wie aus einem Guss, Badstuber aus Eisen – die deutschen Spieler in der Einzelkritik.

von
Aus dem Sneijder. Bastian Schweinsteiger (l.) musste sich erst reinfuchsen, spielte dann aber
Aus dem Sneijder. Bastian Schweinsteiger (l.) musste sich erst reinfuchsen, spielte dann aberFoto: REUTERS

Manuel Neuer: Ein guter Torhüter zieht die Bälle magisch an – so wie Neuer in der siebten Minute, als er nichts machte, und van Persie ihm den Ball trotzdem in die Arme spielte. So viel Ehrfurcht hat sich Neuer verdient, auch gestern wieder. Zum Beispiel mit seiner sensationellen Parade gegen van Persies Schuss nach einer knappen Stunde. Beim Gegentor machtlos.

Jerome Boateng: Wer Cristiano Ronaldo zum Stillstand gebracht hat, sollte doch … Von wegen! Hatte ein paar defensive Wackler in seinem Vortrag. Einmal brachte er van Persie mit einem Stellungsfehler in Schussposition, korrigierte seine Unachtsamkeit mit einer beherzten Grätsche. Grandios sein Hechtsprung in den Schuss von Sneijder. Sah aber wegen einer Spielverzögerung die zweite Gelbe Karte und fehlt gegen Dänemark.

Mats Hummels: Hatte Glück, dass van Persie seine Unaufmerksamkeit zu Beginn nicht nutzte, sonst meistens umsichtig und entschlossen. Gewann 101 Prozent seiner Kopfballduelle, wurde bei einem Solo durch die holländische Abwehr erst vom Torwart gestoppt – und ließ sich vor dem 1:2 dann doch einmal entscheidend übertölpeln.

Holger Badstuber: Ein Mann aus Eisen. Traf seinen Münchner Kollegen Robben einmal mit der Stirn am Hinterkopf. Der Holländer ging zu Boden, Badstuber wischte sich einmal durchs Haupthaar – weiter ging’s. Strahlte auch sonst grimmige Entschlossenheit aus und verpasste die Krönung einer defensiv starken Leistung, als er einen Kopfball freistehend aus fünf Metern nicht an Stekelenburg vorbei brachte.

Philipp Lahm: Ihm fehlte anfangs ein wenig die Selbstverständlichkeit, die sein Spiel immer ausgezeichnet hat. Hatte zu Beginn einige Probleme mit Arjen Robben, bekam die Angelegenheit ab Mitte der ersten Halbzeit aber immer besser unter Kontrolle.

Bastian Schweinsteiger: Musste sich erst reinfuchsen, war anfangs vor allem im Duell mit Wesley Sneijder einige Male unterlegen. Herausragend neben seiner Laufleistung die beiden Pässe zu den Toren – selbst wenn die Holländer ihm dabei die totale Freiheit gewährten.

Sami Khedira: Je besser Schweinsteiger ins Spiel fand, desto mehr fügte sich Khedira in seine dienende Rolle. Das zeichnet ihn aus, auch wenn es nicht immer spektakulär aussieht. Stark in der Balleroberung, sicher in der Ballbehauptung, gut im Umschaltspiel. Seinen Wert fürs Team wird nach dem Abend von Charkiw niemand anzweifeln.

Thomas Müller: Er sucht noch nach der Unwiderstehlichkeit, die sein Spiel bei der WM gekennzeichnet hat. Scheint gestern, trotz einiger Fehler, eine erste, vielversprechende Fährte aufgenommen zu haben.

Mesut Özil: Bei Özil erwartet das Publikum mehr als bei jedem anderen das Außergewöhnliche. Außergewöhnlich war gestern Abend die Klarheit und Einfachheit in seinem Spiel. Grobe Fehler sind darin nicht vorgesehen. Glanzstücke waren gegen Holland leider auch nicht dabei.

Lukas Podolski: Nach einem solch freudigen Abend nichts Schlechtes über deutsche Spieler. Deshalb: Podolski beteiligte sich in seinem 99. Länderspiel vorbildlich an der Defensivarbeit.

Mario Gomez: Hat er es all seinen Kritikern jetzt endgültig bewiesen? Nein! Gomez hat mit seinen Toren das bewiesen, was man eigentlich ohnehin schon hätte wissen sollen: dass er ein exzellenter Strafraumstürmer ist. Das 1:0 lässt sich besser nicht erzielen, als Gomez es erzielt hat: Ballan- und -mitnahme mit links aus einem Guss, dann der Abschluss mit rechts. Musste diesmal auch nicht gewendet werden, sehr eifrig in der Defensivarbeit. Die EM 2012 könnte ein ziemlich freudloses Turnier für Miroslav Klose werden.

Miroslav Klose: Kam in der 72. Minute. Seine Einwechslung diente vor allem dem Zweck, Gomez einen zusätzlichen Applaus zu bescheren.

Toni Kroos: Ersetzte den ausgelaugten Özil. Sollte Ruhe und Ballsicherheit ins deutsche Spiel bringen.

Lars Bender: Kam für Müller. Ein Wechsel in der Nachspielzeit des Spiels – als erlaubtes Mittel der Spielverzögerung. Stefan Hermanns

0 Kommentare

Neuester Kommentar