Sport : Größer geht’s nicht

Der Berliner Hockey-Club darf erstmals den Europacup auf dem Feld ausrichten

Juliane Schäuble

Berlin - Das Wetter spielte mit. Als am Freitagmorgen die aserbaidschanischen Hockeyfrauen des Klubs Ata Sports mit 2:0 gegen den weißrussischen Klub Ritm Grodno das erste Spiel beim Europapokal der Landesmeister gewannen, schien seit Tagen das erste Mal wieder die Sonne über der Anlage an der Zehlendorfer Wilskistraße. Die größte Sorge von Horst Buhr, Teammanager des ausrichtenden Berliner Hockey-Clubs, erwies sich daher als unbegründet: Die Zuschauer blieben nicht aus. Am ersten Tag des Turniers kamen bereits mehrere hundert Fans.

Die Anhänger der holländischen und der irischen Mannschaft verbreiteten gestern die beste Stimmung: Die nebeneinander sitzenden Fanklubs lieferten sich vor Spielbeginn ein Gesangsduell, bei dem die jeweils andere Partei nicht unterbrochen wurde. Es endete unentschieden, auf dem Spielfeld siegte der holländische Klub s’Hertogenbosch 6:0 gegen den irischen Pegasus. Auch der BHC gewann sein erstes Spiel gegen den spanischen Klub Terrassa; allerdings mit einem eher wackeligen 2:1. „Wir hatten viele Chancen, die wir nicht genutzt haben. Natascha Keller hat uns gefehlt“, sagte Badri Latif nach Spielende. Ihre Kollegin in der Nationalmannschaft wird wegen eines gebrochenen Fingers frühestens nächstes Wochenende wieder spielen. „Es ist schade“, sagt die Stürmerin, „aber so zittere ich eben am Spielfeldrand mit.“ Auch heute, wenn der BHC um 14 Uhr gegen Pegasus spielt.

130 000 Euro musste der Verein aufbringen, um den Europacup auszurichten. „Nur über Sponsoren wäre das nicht zu finanzieren“, sagt Buhr. 15 Euro kostet ein Tagesticket, damit können bis Montagabend täglich vier Spiele angeschaut werden. Erst einmal hat der BHC einen Europapokal ausgerichtet, im Jahr 1993 – aber das war in der Halle. „Der organisatorische Aufwand damals war viel geringer“, sagt Buhr. 1500 Zuschauer haben auf den Tribünen Platz, dazu kommen rund 800 Stehplätze. „Wir brauchen zwischen 4000 und 5000 Zuschauer an den vier Spieltagen“, sagt Buhr, „dann geht die Rechnung auf.“ Zu einem Bundesligaspiel kommen höchstens 200 Zuschauer. Die Chancen auf regeres Interesse für das Europacup-Turnier stehen gut, immerhin sind es die besten europäischen Frauenhockey-Vereine des vergangenen Jahres, die da gegeneinander antreten – wie der BHC, der 2005 Deutscher Meister wurde.

Oder die Holländerinnen, die in den letzten sechs Jahren den Cup jedes Mal nach Hause mitnahmen. Der BHC trifft schon in der Gruppenphase auf den Favoriten (Sonntag, 16 Uhr). „Wir wollen um Platz drei spielen“, sagt BHC-Trainer Safi Khalil. Die Holländerinnen seien stark. Horst Buhr hofft auf mehr: „Wer hätte denn vorher geglaubt, dass die deutschen Frauen das holländische Team bei Olympia 2004 in Athen schlagen würden?“ Die Mannschaft sei fit; im Trainingslager südlich von Neapel wurde sechs Stunden täglich Kondition trainiert. Das hat sich schon ausgezahlt: In der Rückrunde der Bundesliga haben die Berlinerinnen noch kein Spiel verloren.

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