Sport : Groß am Rad gedreht

Das T-Mobile-Team präsentiert sich spektakulär auf Mallorca

Mathias Klappenbach

Palma de Mallorca. Es war nicht ganz klar, wem die Regieanweisung in der Höhle gelten sollten. „Alle an die Plätze, noch drei Minuten!“ Die 200 Journalisten, die zur Präsentation des T-Mobile-Teams in den stillgelegten Steinbruch auf Mallorca gereist waren, standen nun schon seit einer Stunde auf der Tribüne und lauschten den sphärischen Klängen, die aus allen Ecken der Höhle waberten. Beim Gang in die Dunkelheit hatten sich einige noch erschrocken. Statt eines Neonskelettes lauerten hinter der Ecke aber nur die neun Fahrräder des Teams.

Nach einer Stunde des Wartens kam dann noch immer nicht die Mannschaft, sondern erst einmal die Moderatoren Oliver Welke und Anastasia. Die Show war ohne den Showstar eröffnet. Diaprojektionen, Werbeclips und die vielen Monitore erinnerten an eine der vielen Messehallen auf der Internationalen Funkausstellung. Wenn es nach dem Aufwand geht, steht der Sieg der Tour der France schon fest.

Die Minuten verstrichen, und Sat 1-Moderator Welke erklärte erst einmal, wie das neue Team korrekterweise heißt, nämlich „T-Mobile-Team“. Nicht mehr Team Telekom und auch nicht Team T-Mobile. Das sei wichtig „wegen der Marke“. Und wegen der fand die Vorstellung auch erst in Spanien statt, und nicht etwa in Bonn. Man will international sein. Nur leider sprach Welke trotzdem von „Team Telekom“, und Teammanager Walter Godefroot machte es ihm nach. Immerhin wusste Godefroot, was wirklich wichtig ist. „Wir haben die Mannschaft noch nie so verstärkt wie in diesem Jahr“, sagte er und leitete damit zum sportlichen Teil der Show über. Der lautete: Tour de France.

Die Vorstellung war eine selbstbewusste, offensive Kampfansage. Anastasia, die sonst bei MTV Videoclips ankündigt und bei „Wetten dass“ die Außenwette moderiert, hatte den Eindruck, dass „sich alle Leute sowieso nur für die Tour interessieren“. Prompt erzählte Sportdirektor Mario Kummer, dass Erik Zabel wohl zum Aufgebot der Tour gehören wird. Das war alles interessant. Aber wo blieb eigentlich Jan Ullrich?

Er war zumindest schon zu erahnen. Aber erst einmal mussten die 25 Gladiatoren, die sonst Radprofis sind, einzeln die Bühne betreten, spektakulär inszeniert durch blinkendes Licht. Sie stellten sich in der einstudierten Pyramidenformation auf. Ullrich kam als Letzter, er bildete die Spitze. „Es ist ein gutes Gefühl wieder da zu sein“, sagt er. „Ich habe mir viel vorgenommen“. Lance Armstrong habe mit dem Training schon früher begonnen, „er weiß, dass er noch besser werden muss, um zu gewinnen.“ Ullrich, 30, will Anfang März in die Rennsaison einsteigen.

Inzwischen ist auch der immer noch mit Godefroot zerstrittene Betreuer Rudy Pevenage auf Mallorca eingetroffen. Die beiden wollen erst später entscheiden, ob Ullrich einige Etappen der Tour vorher im Training abfährt. Erst einmal wird weiter auf den Balearen trainiert, jener Inselgruppe, die ein eigenes Team sponsort. Die Vorstellung ist für den März geplant. Nicht etwa auf Mallorca, sondern in Berlin.

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