Sport : Groß werden im Kleinen

Timo Glock bleibt dem Formel-1-Team Marussia treu und hofft auf Platz zehn in der Konstrukteurs-WM.

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Abu Dhabi - Eigentlich wäre es die perfekte Gelegenheit für Timo Glock: Nico Hülkenberg geht zu Sauber und hinterlässt bei Force India einen freien Platz in einem Mittelfeld-Team der Formel 1. Der Marussia-Pilot Glock wäre auch aus Expertensicht zu Höherem berufen. Als McLaren den derzeitigen Sauber-Piloten Sergio Perez als Nachfolger des zu Mercedes abwandernden Lewis Hamilton verpflichtete, wunderte sich etwa Formel-1-Experte Christian Danner: Da hätte es andere gegeben, die für diese Aufgabe besser geeignet gewesen seien, „allen voran Timo“.

Glock freuen solche Komplimente: „Natürlich tut es gut, wenn Experten, Medien oder Teamchefs sehen, was man da hinten im Feld so macht, und sie meine Leistung respektieren. Ich bin mir sicher, dass ich mit einem Top-10-Auto problemlos in jedem Rennen in die Punkteränge und ums Podium fahren könnte.“

Trotzdem schielt der 30-Jährige, der in seiner Zeit bei Toyota dreimal aufs Podium kletterte, nicht auf freie Plätze bei anderen Teams oder bemüht sich gar aktiv um einen Wechsel: „Ich laufe nicht im Fahrerlager herum und stelle mich überall vor. Ich bin seit dem Bestehen von Marussia im Team und habe von da an versucht, etwas mit aufzubauen. Da will ich jetzt auch weitermachen.“

Das kleine Team stieg 2010 – noch unter dem Namen Virgin – in die Formel 1 ein und versucht seitdem, den Anschluss ans Mittelfeld zu finden. Im letzten Jahr wurde eine Kooperation mit McLaren im technischen Bereich vereinbart, gleichzeitig verlängerte Glock um drei Jahre: „Ich denke, dass wir in diesem Jahr über eine gute Basis verfügen. Darauf wollen wir im Hinblick auf nächstes Jahr aufbauen.“

Das Highlight der Saison für Marussia war der zwölfte Platz in Singapur. Fast hätte man glauben können, Glock hätte einen Podestplatz, wenn nicht sogar einen Sieg erobert, solche Freudenszenen spielten sich rund um ihn ab. Mit dieser Platzierung gelang es dem Team erstmals, die Konkurrenz von Caterham in der Konstrukteurs-WM hinter sich zu lassen und den so wichtigen zehnten Platz zu erobern. Für Glock eine verdiente Belohnung für die harte Arbeit des Teams. „Unser Auto war dort gut, das Rennen lief damals auch in unsere Richtung, es gab ein paar Ausfälle. Wir hatten die Chance, und ich konnte sie nutzen.“

Bleibt der WM-Stand bis zum Saisonende so, dann bringt der zehnte Platz bei den Konstrukteuren Marussia mindestens zehn Millionen Euro extra ein, plus zusätzlicher Vergünstigungen wie etwa kostenloser Überseefracht. Eine große Erleichterung für das junge Team, bei dem Glock noch reichlich Verbesserungsbedarf sieht: „Wir müssen noch in vielen Bereichen nachlegen, zu einem Mittelfeldteam fehlen uns bestimmt noch 60 Prozent.“

Was für ihn aber neben dem Hoffen auf Erfolg zählt, ist seine Position im Team. Bei Marussia ist Glock die absolute Führungsfigur, respektiert und von allen geschätzt, von Teamchef John Booth bis zu seinen Mechanikern und Ingenieuren. „Das ist ein wichtiges Thema. Wenn ich mich nicht wohlfühlen würde, wäre es noch schwieriger, ständig um Platz 20 oder so zu fahren. Die Leute stehen hinter mir, und ich stehe hinter ihnen“, sagt Glock.Karin Sturm

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