Sport : Große Bühne statt Bank

Elias Harris trumpft im College-Basketball auf. In der Bundesliga hatte er keine Perspektive gesehen

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Im Blick der NBA. Elias Harris (rechts) überzeugt am College bisher. Foto: AFPGETTY IMAGES NORTH AMERICA

Berlin - Vor einem Jahr spielte Elias Harris für die Baskets Speyer in der dritten deutschen Basketball-Liga, jetzt ist er Teil einer Veranstaltung, die ganz Amerika in Atem hält. Es ist wieder „March Madness“ in den USA, das Finalturnier der College-Mannschaften. Tag und Nacht laufen die Spiele mit riesigen Einschaltquoten im Fernsehen, Präsident Obama hat seine Tipps bereits am Mittwoch offiziell verkündet. In Sachen Elias Harris lag der oberste Basketballfan des Landes aber falsch: Die Gonzaga-Universität des deutschen Nationalspielers zog am Freitagabend in die zweite Runde ein, beim 67:60-Sieg der „Zags“ gegen Florida State erzielte der 20-Jährige 13 Punkte.

Bundestrainer Dirk Bauermann verfolgt sehr aufmerksam, wie sich Harris entwickelt. „Gonzaga ist gut für ihn“, sagt Bauermann über die Universität im Bundesstaat Washington. „Man darf gespannt sein, wie er sich auf der ganz großen Bühne präsentiert.“ Harris spielt bislang eine bemerkenswerte Saison und hat bereits das Interesse von NBA-Scouts geweckt. Dabei war sein Wechsel ans College beinahe eine Flucht gewesen. In der Bundesliga haben es deutsche Talente schwer, sich gegen US-Profis durchzusetzen. „Das ist der Grund, dass Spieler wie Elias sagen: Bevor ich mich in der Bundesliga auf die Bank setzen muss, gehe ich ans College“, sagt Bauermann. College-Spieler verdienen kein Geld, die Kombination aus Basketball und Studium ist trotzdem für viele attraktiver als ein Profivertrag in Deutschland. Im Fall von Lucca Staiger ging diese Rechnung nicht auf: Der 21-Jährige kehrte Anfang des Jahres der Uni Iowa State den Rücken und wechselte zu Alba Berlin, weil er von seinem Trainer als reiner Distanzschütze eingesetzt wurde. „Für seine Entwicklung war das wahrscheinlich die richtige Entscheidung“, sagt Bauermann.

Seit Jahrzehnten haben junge deutsche Basketballer wie Detlef Schrempf, Henrik Rödl, Ademola Okulaja oder Patrick Femerling erfolgreich am College gespielt. Andere, wie Staiger oder Jan Jagla, kehrten enttäuscht vorzeitig zurück. Albas Geschäftsführer Marco Baldi rät deswegen nicht jedem zum Sprung in die USA. „Ich glaube, dass die basketballerische Ausbildung am College in den letzten Jahren gelitten hat“, sagt Baldi. „Da ist man in Europa besser aufgehoben.“ Wegen der engen Zeitpläne der College-Teams sei nur wenig Mannschaftstraining möglich, hinzu komme eine lange Sommerpause: „Für junge Spieler ist das zu wenig.“

Im Fall Elias Harris steht Bauermann in engem Kontakt zu dessen Trainern: „Wir sind uns alle einig, dass Elias auf dem nächsten Niveau als Small Forward spielen muss.“ Bislang wird der 2,01 Meter große Harris näher am Korb eingesetzt, für die NBA ist er als Power Forward aber deutlich zu klein. Wenn ihm die Umstellung gelingt, rechnet der Bundestrainer damit, dass Harris Gonzaga im nächsten Sommer in Richtung NBA verlässt. Wichtig sei aber vor allem gewesen, dass er überhaupt irgendwo viel Spielzeit bekommen habe. „Die Jungs müssen aufs Feld, das ist in der Bundesliga schwierig“, sagt Dirk Bauermann. „Solange sie uns aber nicht ganz verloren gehen, kann man damit zurechtkommen, dass sie am College spielen.“ Lars Spannagel

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