Sport : Große Oper, kleine Kunst

Norbert Thomma

Als alle verrückt spielten, ist Uli Hoeneß ruhig geblieben. New Economy? 4000 Prozent Gewinn an einem Tag? Garagenfirmen, deren Wert in Milliarden geschätzt wird? Interessiert mich nicht, hat der Bayern-Manager damals gesagt, ich mach’ nur Geschäfte, die ich auch verstehe.

Wenn alle verrückt spielen, pflegt Achim Stocker ruhig zu bleiben. Dreimal sind seine Freiburger in die Erste Liga auf- und wieder abgestiegen, immer mit Volker Finke als Fußball-Lehrer. Trainerentlassung? Pfiffe der Zuschauer? Trommelfeuer der Medien? Interessiert mich nicht, hat der Präsident des SC Freiburg stets gebrummt, der Finke kann bleiben, so lange ich lebe.

Gestern hat Uli Hoeneß, 53, seinen Vertrag bei den Bayern verlängert. Gestern hat auch Volker Finke, 57, seinen Vertrag beim SC verlängert. Hoeneß ist seit 1979 Manager in München, Finke seit 1991 Trainer in Freiburg.

Die von Gerhard Schröder postulierte Politik der ruhigen Hand – in diesen beiden Vereinen ist sie zu bestaunen. Kontinuität hat Vorrang. Verträge per Handschlag werden eingehalten. Finanzielle Eskapaden überlässt man der Konkurrenz. Dabei ist Uli Honeß so etwas wie der Dagobert Duck der Liga: Geld lässt seine Augen leuchten. Seine Erdung hat der Metzgersohn trotzdem nie verloren. Achim Stocker hat lange in Freiburg die Oberfinanzdirektion geleitet, er weiß, dass auch Büroklammern ihren Wert haben.

Bayern und Freiburg, das ist der Sieg der Old Economy über den Börsenwahn. Einmal als große Oper, einmal als Kleinkunstbühne. Applaus, Applaus!

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