Sport : Große Spiele, große Hallen

Warum Kiel und Flensburg in München um den Handball-Supercup spielen

Hartmut Moheit

Berlin - Man glaubt es kaum, aber Henning Fritz war noch nie in München. Obwohl der Nationaltorhüter vom THW Kiel seit Jahren im Handball praktisch weltweit unterwegs ist, kennt er die bayerische Landeshauptstadt nur aus dem Fernsehen. „Gäbe es dort ein gutes Team, wäre ich garantiert dort gewesen“, sagt der 30-Jährige. „Deshalb finde ich es klasse, dass der Supercup in München vergeben wird.“ Gegner des Meisters Kiel wird heute vor 9600 Fans in der ausverkauften Olympiahalle (20 Uhr/live im DSF) die SG Flensburg-Handewitt sein, der Pokalsieger und norddeutsche Rivale.

„Die Resonanz ist riesig. In den vergangenen Jahren hatten wir nur zwischen 1500 und 3000 Zuschauer“, berichtet Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL). „Ich könnte mir vorstellen, dass München zum Daueraktionär für dieses Spiel zu Saisonbeginn wird.“ Das würde auch den Absichten des Deutschen Handball-Bundes unterstreichen. „Unser strategisches Marketingziel ist es, Handball in große Metropolen zu holen und zu zeigen, dass die Nummer zwei hinter Fußball dort funktioniert.“

Hochklassiger Handball war in München in den letzten Jahren nicht mehr vorhanden, seit sich die ehemaligen Bundesligisten MTSV Schwabing und der Ex-Europapokalsieger TSV Milbertshofen aus dem Profi-Handball verabschiedet haben. Dass es eine gute Idee ist, den Münchnern im Handball wieder eine Starthilfe zu geben, darin war man sich in Kiel und in Flensburg sofort einig. Ebenso in der Prämienfrage, die zunächst als Ärgernis gesehen wurde. Der Sieger sollte zunächst 25 000 Euro erhalten, der Verlierer 10 000. „Ein Witz“, beschwerte sich daraufhin THW-Manager Uwe Schwenker. So wäre für die unterlegene Mannschaft die Teilnahme womöglich sogar zu einem Minus-Geschäft geworden, weil Anreise, Übernachtung und Verpflegung selbst finanziert werden müssen. „Wir haben uns aber geeinigt“, sagt Frank Bohmann, ohne genaue Zahlen preisgeben zu wollen. „Die Zahl von rund 200 000 Euro Gesamteinnahme stimmt aber nicht“, ergänzt er.

Dass normalerweise in den Städten mit ihren großen Hallen und Stadien viel Geld zu verdienen ist, machen zahlreiche Bundesliga-Vereine vor. Der VfL Gummersbach wird in der in drei Tagen beginnenden neuen Spielzeit elfmal in der Kölnarena (19 200 Zuschauer) spielen, der THW Kiel hat die Ostseehalle (10 250), der HSV die Color-Line-Arena (12 800), GWD Minden-Hannover die TUI-Arena (10 500), der TBV Lemgo das Gerry-Weber-Stadion (11 000) im westfälischen Halle und Aufsteiger SG Kronau/Östringen die SAP-Arena (14 500) in Mannheim.

Spielstätten in diesen Dimensionen bringen jedoch kaum Gewinn, wenn die Teams nicht hochklassigen Handball bieten. Genau den aber versprechen Kiel und Flensburg in München. „Bei uns, und da schließe ich mich ausdrücklich ein, lief es in der Vorbereitung noch nicht optimal“, sagt Henning Fritz. Er warnt zwar vor übertriebenen Erwartungen, sieht aber im ersten Titelkampf der Saison einen besonderen Anreiz. 1995 hatte der THW den Supercup gewonnen, diesmal ist es die siebte Teilnahme, seitdem das Finale 1994 erstmals ausgetragen wurde.

Die Favoritenrolle tragen die Flensburger, die ihre 13 Testspiele siegreich gestalteten. Ihre Nordeuropa-Auswahl, die weiter verstärkt wurde, ist eingespielt wie kein anderes Team. Dennoch sagt Kiels Manager Uwe Schwenker: „Das ist der erste Titel der Saison und den wollen wir holen. Seit dem Meistertitel 2002 haben wir nicht mehr gegen Flensburg gewonnen.“ Die Münchner dürfen sich auf ein großes Spiel freuen.

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