Sport : Großer Aufschläger Roddick gewinnt die US Open und ist gewohnt unbescheiden

Matthias B. Krause

Von Matthias B. Krause

New York. Andy Roddick regiert die Tenniswelt, wie er spielt – schnell, offensiv, ein bisschen vorlaut. Als ihn am Sonntagabend jemand nach seinem Sieg in Flushing Meadows fragen wollte, antwortete Roddick barsch: „Aber vom Kram mit der neuen Generation des amerikanischen Tennis will ich nichts hören.“ Der 21-jährige Roddick sieht sich längst als gestandenen Spieler, irgendwie verständlich. Denn seit Sonntagnachmittag nun darf er sich auch Grand-Slam-Sieger nennen, im Finale der US Open bezwang er den Spanier Juan Carlos Ferrero 6:2, 7:6, 6:3. Nach einer Stunde und 42 Minuten war alles vorbei. Nur einmal im ganzen Match lief Roddick Gefahr, seinen Aufschlag zu verlieren. Ansonsten fand der Spanier, der durch seinen Halbfinalsieg gegen Titelverteidiger Andre Agassi an die Spitze der Weltrangliste vorrückt, kein Mittel gegen Roddicks wuchtigen Aufschlag und die starke Vorhand.

Mit drei Assen in Folge beendete Roddick die Partie, 23 schlug er insgesamt in dem Match, 123 im Turnier. „Ich hatte vor dem Finale beschlossen, einfach meinen besten Aufschlag zu zeigen“, sagte Roddick, „und es hat geklappt. Bevor ich mich versah, war alles schon vorbei.“ Während der Partie, so behauptete er, habe er praktisch nichts gefühlt: „Es hat mich selbst verdutzt, dass ich so ruhig war.“ Als auch der dritte Aufschlag an Ferrero vorbeigesegelt war, sank Roddick allerdings in die Knie, vergrub das Gesicht in den Händen und weinte. Dann sprang er mit einem Riesensatz in die Zuschauerreihen.

Bei anderen Gelegenheiten allerdings hatten dem jungen Mann gelegentlich die Gefühle auch im Weg gestanden. Weil er sich zu sehr aufspulte über etwaige Fehlentscheidungen der Schiedsrichter, machte er sich bei der Kollegenschaft unbeliebt. Um die Gunst des Publikums musste er sich keine Sorgen machen, wie gewohnt feuern Amerikaner am liebsten Amerikaner an. Hätte es wie bei den Frauen auch bei den Herren ein Finale ohne amerikanische Beteiligung gegeben, die Fernsehquoten wären ins Bodenlose gesunken. Entsprechend hatten die Veranstalter daran gearbeitet, ihren Landsleuten im viertägigen Regenchaos beste Bedingungen zu verschaffen. Ferrero aber gab sich als fairer Verlierer und mochte keinen Nachteil darin entdecken, dass er vier Partien an vier Tagen spielen musste, während Roddick mit dreien von Freitag bis Sonntag auskam. „Das hat keine Rolle gespielt“, sagte der Spanier.

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