Sport : Großer Fußball für den großen Pokal

In einem tollen Finale besiegt der 1. FC Nürnberg den VfB Stuttgart 3:2 nach Verlängerung

Stefan Hermanns

Berlin - Die Nürnberger Fans hatten es auf ein großes Transparent geschrieben: „In 39 Jahren ohne Titel stolz und treu. Aber wenn wir schon einmal hier sind, nehmen wir ihn auch mit.“ 1968 waren die Nürnberger zuletzt Deutscher Meister geworden, den DFB-Pokal hatten sie zuletzt 1962 geholt. Seit gestern sind sie aktueller Pokalsieger, weil die Nürnberger in einem hochklassigen und spannenden Finale den Deutschen Meister VfB Stuttgart 3:2 nach Verlängerung besiegten. Das entscheidende Tor erzielte Jan Kristiansen im ausverkauften Olympiastadion für Nürnberg nach 110 Minuten.

Schon in der Bundesligasaison hatten die Nürnberger zwei Mal gegen Stuttgart gewonnen, und auch gestern dominierte zunächst die Mannschaft von Trainer Hans Meyer. Dennoch hätte der VfB nach zehn Minuten einen Elfmeter bekommen können, als Sami Khedira nach einem Zweikampf mit Nikl im Strafraum fiel. Beide Mannschaften spielten technisch hochwertig und zeigten bei hohem Tempo feine Spielzüge. Nach zwanzig Minuten ging der VfB etwas überraschend in Führung. Khedira legte nach einem Fehler von Andreas Wolf perfekt für Cacau auf.

Die Führung hielt sieben Minuten. Nach einem Eckball für den VfB kamen die Nürnberger zu einem Konter, an dessen Ende Dominik Reinhardt Marek Mintal bediente, der zum 1:1 einschoss. Es war ein dem schönen Spiel angemessen schön herausgespieltes Tor. Die Stuttgarter spielten wie Nürnberg offensiv mit drei Angreifern. Diese Taktik wurde nach einer halben Stunde aber hinfällig, als Schiedsrichter Michael Weiner plötzlich das Spiel unterbrach.

Nach kurzer Beratung mit seinem Assistenten zeigte er Cacau die Rote Karte. Der Brasilianer hatte in einem Laufduell mit Andreas Wolf versucht, seinem Gegenspieler in den Magen zu schlagen. Nur zwei Minuten später verlor auch Stuttgarts Kapitän Fernando Meira die Nerven. Zwanzig Meter vor dem eigenen Tor grätschte er mit gestrecktem Bein brutal Mintal um. Auch Meira hätte Rot sehen müssen, Schiedsrichter Weiner beließ es aber bei einer Gelben Karte. Der in den vergangenen zwei Jahren fast nur verletzte Mintal musste mit einer Innenbandverletzung ausgewechselt werden, er wurde noch während des Spiels zur Untersuchung gebracht.

Der Meister zeigte in dieser Phase Unbeherrschtheit statt Souveränität und konnte froh sein, mit zehn Spielern und nicht nur mit neun Spielern weitermachen zu dürfen. Mario Gomez lief sich seit Cacaus Platzverweis warm, bevor der lange verletzte Nationalspieler zur Halbzeit eingewechselt wurde. Die beste Chance vor der Halbzeit hatte der Nürnberger Jan Kristiansen, aber Stuttgarts Torwart Timo Hildebrand konnte weit vor seinem Strafraum klären.

Kurz nach der Pause ging Nürnberg dann in Führung. Nach einem Eckball von Javier Pinola traf Marco Engelhardt per Kopf zum 2:1. Nürnberg führte, Nürnberg hatte einen Mann mehr auf dem Platz. Doch der Meister zeigte nun, was ihn in dieser Saison stark gemacht hat. Die Spieler von Trainer Armin Veh kämpften, und sie kämpften mit spielerischen Mitteln gegen die Überzahl der Nürnberger Abwehr. Vor allem Mario Gomez hielt immer wieder den Ball und setzte sich in vielen Zweikämpfen durch. So holte er auch den Elfmeter vor dem 2:2 heraus. Gomez nahm einen Pass von Thomas Hitzlsperger auf und legte den Ball an Raphael Schäfer vorbei. Der Nürnberger Torhüter, der in der nächsten Saison für den VfB Stuttgart spielen wird, rutschte in Gomez hinein. Pavel Pardo verwandelte den Strafstoß, und Cacau begann auf der Tribüne zu weinen. Es waren noch zehn Minuten im besten Pokalfinale seit vielen Jahren zu spielen, und jetzt suchten die zehn Stuttgarter sogar noch die Entscheidung in der regulären Spielzeit.

Die sollte aber in der Verlängerung fallen, zugunsten des verdienten Siegers aus Nürnberg. Nach 110 Minuten zog Jan Kristiansen aus knapp 30 Metern ab, sein Gewaltschuss war für Hildebrand nicht zu halten. Noch immer gab der Meister nicht auf, aber dieses Mal verteidigten die Nürnberger ihren Vorsprung. Bis zum Jubel nach dem Schlusspfiff und der Pokalübergabe, für die sogar Marek Mintal wieder zurückgekehrt war.

Wie das Pokalfinale in Berlin gefeiert wurde: Seite 9

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