Großer Preis von Belgien : Deutsche Fahrer enttäuschen

Das deutsche Fahrer-Quintett ging in der Qualifikation vom Großen preis von Spa gnadenlos unter und sorgte für ein historisch schlechtes Ergebnis. Dagegen kehrte Jenson Button nach über drei Jahren auf die Pole-Position zurück.

Urgesteine der Formel 1: Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug (v.l.), Formel 1-Promoter Bernie Ecclestone, Mercedes-Pilot Michael Schumacher und Mercedes-Teamchef Ross Brawn feiern den 300. Grand Prix von Michael Schumacher. Foto: dapd
Urgesteine der Formel 1: Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug (v.l.), Formel 1-Promoter Bernie Ecclestone, Mercedes-Pilot Michael...Foto: dapd

Sebastian Vettel entschuldigte sich bei seinem Team via Boxenfunk und legte seinen goldenen Helm enttäuscht im Regal ab. Für das schlechteste deutsche Qualifikationsergebnis seit sechs Jahren war der Red-Bull-Star zwar nicht allein verantwortlich, der Doppelweltmeister der Formel 1 scheiterte am Samstag auf der Strecke in Spa-Francorchamps aber schon beim Versuch, in die Start-Top-Ten für den Großen Preis von Belgien zu kommen.

„Wir sind zu langsam“, gab Vettel zu: „Ich habe viel probiert, aber die Zeit kam nicht. Wenn man der letzte ist, der eine Hundertstelsekunde zu langsam ist, dann tut das weh.“ Zu allem Überfluss bekam er wegen eines simulierten Starts in der Boxengasse im Training noch eine 10 000-Euro-Strafe aufgebrummt.

In der Qualifikation scheiterten mit Vettel auf Rang elf auch Rekordweltmeister Michael Schumacher vor seinem 300. Rennen, dessen Mercedes-Stallrivale Nico Rosberg, Nico Hülkenberg im Force India und wie gewohnt auch Timo Glock im allerdings unterlegenen Marussia vorzeitig. Das hieß: Kein deutscher Fahrer im entscheidenden zehnminütigen Durchgang der besten Zehn. Großer Gewinner des mit Überraschungen gespickten Qualifyings auf dem Achterbahn-Kurs in den Ardennen war unterdessen Jenson Button. Der Brite kehrte erstmals seit dem 23. Mai 2009 in Monaco wieder auf die Pole zurück. „Meine letzte Pole ist solange her, die hier fühlt sich nun fast an wie ein Sieg“, sagte der 32 Jahre alte Brite, der im McLaren noch nie vom ersten Platz starten durfte.

Der Weltmeister von 2009 setzte sich auf dem 7,004 Kilometer langen Kurs im McLaren vor dem japanischen Sauber-Piloten Kamui Kobayashi. Der eigentlich drittplatzierte Pastor Maldonado aus Venezuela im Williams wurde nachträglich wegen Behinderung von Hülkenberg drei Positionen nach hintenversetzt. Dadurch rückte der viermalige Spa-Gewinner Kimi Räikkönen im Lotus auf Platz drei. Der Finne gilt nicht erst dadurch als Siegkandidat. Auch WM-Spitzenreiter Fernando Alonso profitierte von der Strafe gegen Maldonado und rückte von Rang sechs im Ferrari eine Position vor.

Vettel, der in der WM-Wertung 42 Punkte auf den spanischen Champion von 2005 und 2006 aufholen muss, nutzte diese Veränderung nichts. Immerhin war er aber einer der Nutznießer vom Pech seines Teamkollegen Mark Webber. Der zweite Red-Bull-Pilot, im Klassement zwei Zähler vor Vettel, wurde Sieber. Wegen eines Getriebewechsels muss er aber von Rang zwölf starten. Vettel rutschte einen Platz nach vorn. Der Goldhelm des Hessen brachte aber ebenso wenig wie der eigens angefertigte Platin-Kopfschutz von Schumacher. Von Glanz keineSpur.
Der siebenmalige Weltmeister und sechsfache Spa-Sieger wurde 13. „Ich denke, die deutschen Hoffnungen sind heute ins Wasser gefallen“, meinte Schumacher - dabei hatten im Gegensatz zum Vortag optimale trockene Bedingungen geherrscht. Schumachers Fazit: „Mehr war nicht drin.“ Das einzig Positive sei, dass er vor seinem Teamkollegen stehe. Denn Nico Rosberg belegte nur Rang 18, scheiterte damit zum ersten Mal in diesem Jahr im ersten Qualifikationsabschnitt und muss wie Webber auch noch fünf Plätze zurück. Der China-Gewinner wird daher voraussichtlich vom vorletzten Platz das 12. von 20 Saisonrennen in Angriff nehmen müssen. „Ich habe mich bei den wenigen Runden mit dem Setup nur schwer zurechtgefunden. Dann habe ich mich am Ende auch noch vertan mit der Zeit“, räumte Rosberg ein.

Nico Hülkenberg rückte als Zwölfter im Force India noch einen Platz durch die Webber-Strafe nach vorn. Timo Glock wurde im Marussia 21. Damit erreichte erstmals seit der Einführung des aktuellen Ausscheidungsmodus 2006 kein deutscher Pilot im Qualifying die besten Zehn. Sollte das Quali-Ergebnis auch im Rennen ähnlich ausfallen, würden Vettels Chancen auf den historischen Titel-Hattrick weiter sinken. Button könnte als WM-Siebter mit derzeit 76 Punkten viel Boden gut machen. Alonso hat ohnehin bereits 164 Zähler, Webber 124, Vettel 122. Vierter ist Lewis Hamilton im zweiten McLaren (117) vor Räikkönen (116). (dpa)

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