Großer Preis von Europa : Wie Massa gesiegt hat

Felipe Massa hat die Grand-Prix-Premiere in Valencia gewonnen. Der Ferrari-Pilot fuhr beim Großen Preis von Europa einen Start-Ziel-Sieg heraus. WM-Spitzenreiter bleibt allerdings Lewis Hamilton, der auf der neuen Rennstrecke Zweiter wurde.

Christian Hönicke[Valencia]
Formel 1 - GP Valencia - Felipe Massa gewinnt Foto: dpa
Schlückchen drauf. Felipe Massa feiert seinen Sieg.Foto: dpa

Die Freude auf den provisorischen Tribünen in Valencia fiel vergleichsweise verhalten aus. Zwar hatte den ersten Formel-1-Grand-Prix in der spanischen Hafenstadt gerade ein Fahrer mit spanischer Flagge auf dem Helm gewonnen. Doch unter dem Visier steckte das Gesicht des Brasilianers Felipe Massa, der im Ferrari wie die hinter ihm platzierten Lewis Hamilton (England/McLaren-Mercedes) und Robert Kubica (Polen/BMW-Sauber) und der ganze Rest des Feldes aus Respekt vor den Opfern der Flugzeugkatastrophe in Madrid die spanischen Farben trug. Der einzige echte Einheimische im Feld, der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso, war schon in der ersten Runde ausgeschieden, nachdem ihm Williams-Pilot Kazuki Nakajima den Heckflügel seines Renault abrasiert hatte. Wenig zur Stimmungsverbesserung auf den Rängen beigetragen hatte auch die Aktion von Weltmeister Kimi Räikkönen, der einen eigenen Ferrari-Tankwart in der Box anfuhr. Zu allem Überfluss wussten die 115 000 Zuschauer bei der Siegerehrung noch nicht einmal, ob sie tatsächlich den ersten Triumphator auf dem neuen Kurs vor sich hatten: Wegen eines Zwischenfalls in der Box wurde noch bis lange nach dem Rennen über eine Bestrafung Massas verhandelt. Er kam aber mit einer Geldbuße von 10 000 Euro davon.

Die meisten der deutschen Fahrer konnten zufrieden sein

Die meisten der deutschen Fahrer konnten dagegen vergleichsweise guter Laune sein: Toro-Rosso-Pilot Sebastian Vettel, Toyota-Fahrer Timo Glock und Nico Rosberg im Williams fuhren als Sechster bis Achter in die Punkteränge, BMW-Pilot Nick Heidfeld verpasste sie als Neunter nur knapp. Lediglich Adrian Sutil sah die Ziellinie in seinem Force India nicht und landete im Reifenstapel.
So spektakulär das Ambiente des für 80 Millionen Euro errichteten Kurses im America’s-Cup-Hafen gewählt war, so unspektakulär lief das Premierenrennen an. Am Start hatte Massa seine Spitzenposition vor Hamilton und Kubica verteidigen können, und fortan bildete sich eine dröhnende Prozession um die ankernden Yachten herum – Positionswechsel kamen nur durch Tankstopps zustande. Zu den größten Gewinnern dabei zählte Timo Glock. Der Toyota-Pilot hatte nach Startplatz 13 eine ungewöhnliche EinStopp-Strategie gewählt und rutschte dadurch sechs Ränge vor.

Als die Uraufführung in Valencia bereits ruhig auszuklingen begann, schlug Ferrari zu. Innerhalb von acht Runden fabrizierten die Italiener drei Dramen. Zunächst kam Massa bei der Boxenausfahrt in der 38. Runde Force-India-Pilot Sutil ins Gehege, weil sein Team ihn wieder zurück auf die Strecke geschickt hatte, ohne auf den Verkehr zu achten. Massa suchte die Schuld bei Sutil: „Ich habe nichts falsch gemacht, ich bin ja vom Gas gegangen und habe ihn vorbeigelassen. Aber es war nicht sehr clever von Adrian, er hätte da nicht mit mir kämpfen müssen. Ich war der Führende, er war überrundet.“

Räikkönen fuhr ein Mitglied der Boxencrew an

Nur fünf Runden später fuhr sein Teamkollege Räikkönen nach dem Auftanken an gleicher Stelle ebenfalls zu früh los und erwischte mit dem sich drehenden Hinterreifen ein Mitglied der Boxencrew. Der Mann wurde mit einer Trage abtransportiert, winkte aber dabei in die Menge. „Es geht ihm soweit gut“, sagte Michael Schumacher, der am Ferrari-Kommandostand saß. „Er hat sich wohl den Fuß umgeknickt.“ Auch der letzte Akt am Kai von Valencia ging auf Ferraris Konto: Weitere drei Runden später schied Räikkönen mit rauchendem Motor aus.

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