• Großer Preis von Italien: Müsli und Psychotricks: Balbir Singh ist Michael Schumachers guter Geist

Sport : Großer Preis von Italien: Müsli und Psychotricks: Balbir Singh ist Michael Schumachers guter Geist

Hartmut Moheit

Balbir Singh erinnert sehr stark an Dr. Richard Kimble. Wie der einstige Held einer Fernseh-Krimiserie ist er immer "Auf der Flucht". Wer den Inder mit Wohnsitz in Neuwied am Rhein nicht näher kennt, kann sich dieses Eindrucks nicht erwehren. "Entschuldigung, jetzt bitte nicht", lautet sein Standardsatz, den er - schnellen Schrittes - zu sagen pflegt. Der Mann an der Seite von Michael Schumacher ist schließlich für Massagen, Zwiegespräche und Müsli zuständig, nicht für ausführliche Statements. Singh steht für Rituale und besondere Anwendungen wie Tai Ginseng, Yin-Yang, Diäten und Psychotricks, wozu auch seine Verschwiegenheit gehört. "Ich bin das Mädchen für alles", sagt er nur. Selbst um sein Alter macht er gern ein Geheimnis: "So ungefähr Mitte 30, glaube ich."

In Monza, wo Michael Schumacher gestern verkündete ("Tuttosport": Schumi: Devo rischiare), dass er beim Grand Prix von Italien am Sonntag etwas riskieren muss, werden Singhs Wundermethoden besonders wichtig sein. Ein durch und durch gesunder Körper braucht auch einen guten Geist. Schumacher weiß selbst, wie sich seine Situation im Vergleich mit Ferrari gegenüber dem Saisonstart geändert hat. "Da brauchte ich für einen Sieg nicht übermäßig viel zu riskieren. Jetzt bewege ich mich sehr oft in Grenzbereichen. Die Gefahr eines Abfluges ist dadurch viel größer geworden", sagte er, ziemlich nachdenklich geworden, im roten Motorhome auf dem Autodromo Nazionale. Michael Schumacher bestreitet zwar, einen besonderen Druck vor dem Heim-Grand-Prix für das Team aus Maranello zu spüren ("Es ist nicht anders als zuvor in Spa"), aber zumindest die Crash-Gefahr ist für ihn größer geworden.

Ein Blick in die Formel-1-Historie verdeutlicht, dass mit dem Highspeed-Kurs im Königlichen Park von Monza nicht zu spaßen ist. Ascari, Lsemo, Parabolica, Curva Biassono, alles klangvolle Kurvennamen, stehen zugleich für Todesfahrten in der Vergangenheit. Die bekanntesten Fahrer waren Graf Berghe von Trips, Ronnie Peterson und Jochen Rindt. Der Sicherheitsstandard ist seitdem zwar ständig erhöht worden - in diesem Jahr gibt es nach der Start- und Zielgeraden eine neue Schikane -, dennoch bleibt die Formel 1 ein Spiel mit dem Feuer. Und nichts kann sich in diesem Metier schädlicher auswirken als Druck, Hektik oder Übermotivation.

Balbir Singh steht dafür, all das von Michael Schumacher, der in der Szene als cool, begnadet und angriffsfreudig gilt, fernzuhalten. Man spürt es förmlich, wie es derzeit bei Ferrari knistert. Nicht umsonst war am vergangenen Mittwoch zu den Tests in Monza der Fiat-Ehrenpräsident Gianni Agnelli angereist, nicht ohne Grund kam einen Tag später Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo an die Strecke. "Ein Sieg in Monza, und die Niederlagen von Ungarn und Belgien interessieren keinen mehr. Dann wird auch niemand behaupten, dass ich nicht mehr der Alte bin", meint Michael Schumacher, der die Wankelmütigkeit der Italiener nur zu gut kennt, ihr ständigen Schwanken zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Verlieren ist strengstens verboten! Was sie denken, drücken sie in Monza auf einem Spruchband aus: "Gesú é risorto, il suo nuovo nome é Michael Schumacher" - Jesus ist wieder auferstanden, sein neuer Name ist Michael Schumacher.

Anscheinend völlig unbeeindruckt davon ist Balbir Singh. Als Mann im Ferrari-Outfit wird er zwar außerhalb von Ford Knox, dem Hochsicherheitsgebiet, zu dem nur Teams, Jornalisten und Prominente einen Zutritt haben, ebenso von den Tifosi bedrängt, aber in seinem Reich herrscht Ruhe. Seit drei Jahren heißt sein Chef Michael Schumacher. Dessen sportliches Schicksal liegt im wahrsten Sinne des Wortes in seinen Händen. Ob Singh nun mit einem Handtuch hinter dem zweimaligen Weltmeister herrennt, damit dieser sich um Gottes Willen nicht erkältet, ihn mit einer Entspannungsmassage in Tiefschlaf versetzt, einen Kräutertee kocht, nur eine spezielle Schorle ansetzt oder in der Küche den Ton angibt - Rolle der Ersatzmutter kommt ihm immer zu. Seine Frau Gabi sowie die Kinder Steven und Alana haben nicht sehr viel von ihm. Selbst noch im Urlaub nach der Saison kann man Balbir Singh an Schumachers Seite beim Joggen, Radfahren oder Badmintonspielen erleben. Ein Onkel von Michael Schumacher hatte ihn empfohlen. In der hektischen Vollgasbranche liegt in der Ruhe offenbar ein besonderer Kraftstoff.

Monza. Balbir Singh erinnert sehr stark an Dr. Richard Kimble. Wie der einstige Held einer Fernseh-Krimiserie ist er immer "Auf der Flucht". Wer den Inder mit Wohnsitz in Neuwied am Rhein nicht näher kennt, kann sich dieses Eindrucks nicht erwehren. "Entschuldigung, jetzt bitte nicht", lautet sein Standardsatz, den er - schnellen Schrittes - zu sagen pflegt. Der Mann an der Seite von Michael Schumacher ist schließlich für Massagen, Zwiegespräche und Müsli zuständig, nicht für ausführliche Statements. Singh steht für Rituale und besondere Anwendungen wie Tai Ginseng, Yin-Yang, Diäten und Psychotricks, wozu auch seine Verschwiegenheit gehört. "Ich bin das Mädchen für alles", sagt er nur. Selbst um sein Alter macht er gern ein Geheimnis: "So ungefähr Mitte 30, glaube ich."

In Monza, wo Michael Schumacher gestern verkündete ("Tuttosport": Schumi: Devo rischiare), dass er beim Grand Prix von Italien am Sonntag etwas riskieren muss, werden Singhs Wundermethoden besonders wichtig sein. Ein durch und durch gesunder Körper braucht auch einen guten Geist. Schumacher weiß selbst, wie sich seine Situation im Vergleich mit Ferrari gegenüber dem Saisonstart geändert hat. "Da brauchte ich für einen Sieg nicht übermäßig viel zu riskieren. Jetzt bewege ich mich sehr oft in Grenzbereichen. Die Gefahr eines Abfluges ist dadurch viel größer geworden", sagte er, ziemlich nachdenklich geworden, im roten Motorhome auf dem Autodromo Nazionale. Michael Schumacher bestreitet zwar, einen besonderen Druck vor dem Heim-Grand-Prix für das Team aus Maranello zu spüren ("Es ist nicht anders als zuvor in Spa"), aber zumindest die Crash-Gefahr ist für ihn größer geworden.

Ein Blick in die Formel-1-Historie verdeutlicht, dass mit dem Highspeed-Kurs im Königlichen Park von Monza nicht zu spaßen ist. Ascari, Lsemo, Parabolica, Curva Biassono, alles klangvolle Kurvennamen, stehen zugleich für Todesfahrten in der Vergangenheit. Die bekanntesten Fahrer waren Graf Berghe von Trips, Ronnie Peterson und Jochen Rindt. Der Sicherheitsstandard ist seitdem zwar ständig erhöht worden - in diesem Jahr gibt es nach der Start- und Zielgeraden eine neue Schikane -, dennoch bleibt die Formel 1 ein Spiel mit dem Feuer. Und nichts kann sich in diesem Metier schädlicher auswirken als Druck, Hektik oder Übermotivation.

Balbir Singh steht dafür, all das von Michael Schumacher, der in der Szene als cool, begnadet und angriffsfreudig gilt, fernzuhalten. Man spürt es förmlich, wie es derzeit bei Ferrari knistert. Nicht umsonst war am vergangenen Mittwoch zu den Tests in Monza der Fiat-Ehrenpräsident Gianni Agnelli angereist, nicht ohne Grund kam einen Tag später Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo an die Strecke. "Ein Sieg in Monza, und die Niederlagen von Ungarn und Belgien interessieren keinen mehr. Dann wird auch niemand behaupten, dass ich nicht mehr der Alte bin", meint Michael Schumacher, der die Wankelmütigkeit der Italiener nur zu gut kennt, ihr ständigen Schwanken zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Verlieren ist strengstens verboten! Was sie denken, drücken sie in Monza auf einem Spruchband aus: "Gesú é risorto, il suo nuovo nome é Michael Schumacher" - Jesus ist wieder auferstanden, sein neuer Name ist Michael Schumacher.

Anscheinend völlig unbeeindruckt davon ist Balbir Singh. Als Mann im Ferrari-Outfit wird er zwar außerhalb von Ford Knox, dem Hochsicherheitsgebiet, zu dem nur Teams, Jornalisten und Prominente einen Zutritt haben, ebenso von den Tifosi bedrängt, aber in seinem Reich herrscht Ruhe. Seit drei Jahren heißt sein Chef Michael Schumacher. Dessen sportliches Schicksal liegt im wahrsten Sinne des Wortes in seinen Händen. Ob Singh nun mit einem Handtuch hinter dem zweimaligen Weltmeister herrennt, damit dieser sich um Gottes Willen nicht erkältet, ihn mit einer Entspannungsmassage in Tiefschlaf versetzt, einen Kräutertee kocht, nur eine spezielle Schorle ansetzt oder in der Küche den Ton angibt - Rolle der Ersatzmutter kommt ihm immer zu. Seine Frau Gabi sowie die Kinder Steven und Alana haben nicht sehr viel von ihm. Selbst noch im Urlaub nach der Saison kann man Balbir Singh an Schumachers Seite beim Joggen, Radfahren oder Badmintonspielen erleben. Ein Onkel von Michael Schumacher hatte ihn empfohlen. In der hektischen Vollgasbranche liegt in der Ruhe offenbar ein besonderer Kraftstoff.

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