Großer Preis von Sao Paulo : Von geplatzten Reifen und Träumen

Das Rennen in Sao Paulo ist das neunte Dreierfinale der Formel 1. Nur dreimal holte der Führende den Titel.

Karin Sturm[Sao Paulo],Christian Hönicke
Formel 1
Lewis Hamilton fuhr Bestzeit im Training. -Foto: dpa

Am Sonntag kommt es in Sao Paulo zum Finale um die Formel-1-WM. Der Showdown zwischen den McLaren-Piloten Lewis Hamilton und Fernando Alonso sowie dem Ferrari-Fahrer Kimi Räikkönen ist der neunte Dreikampf zum Saisonabschluss in der Grand-Prix-Geschichte und der erste seit 1986. Nur dreimal gewann der Führende auch den Titel – einmal siegte sogar der Dritte. Ein Rückblick.


1950

Gleich im Premierenjahr der Formel 1 kommt es zum Dreikampf zwischen den Alfa-Romeo-Piloten Juan Manuel Fangio, Luigi Fagioli und Nino Farina. Fangio startet in Italien als Favorit und Spitzenreiter, doch das Getriebe seines Autos lässt ihn im Stich. Der Argentinier versucht alles und wechselt gemäß dem damaligen Reglement ins Auto seines Teamkollegen Piero Taruffi. Erst als das auch noch mit Motorschaden liegenbleibt, gibt Fangio auf. Weil Fagioli nur auf Rang drei ins Ziel kommt, wird Farina, vorher nur WM-Dritter, mit einem Sieg auf heimischem Boden erster Weltmeister.

1959

Jack Brabham gelingt etwas Einzigartiges: Der Australier wird zu Fuß Weltmeister. Vor dem letzten Rennen führt er die WM vor den Briten Stirling Moss und Tony Brooks an. In Sebring (USA) liegt er auf Platz vier, als er 1000 Meter vor dem Ziel mit leerem Tank stehen bleibt. Der 33-Jährige steigt aus – und schiebt seinen Cooper über die Ziellinie.

1964

Ein Sieger steht vor dem Saisonabschluss in Mexiko bereits fest: Großbritannien. Die drei Titelkandidaten Graham Hill, John Surtees und Jim Clark kommen allesamt aus dem Königreich. Lange sieht es so aus, als würde der WM-Führende Hill mit einem sicheren dritten Platz auch den Titel holen. Doch auf einmal platzt Italien dazwischen: Lorenzo Bandini, Surtees’ Adjutant bei Ferrari, rammt Hill in die Leitplanken. Nun fährt Clark dem Titel entgegen, doch dann sieht er eine Ölpfütze auf der Strecke. Er umfährt sie gekonnt, aber in der nächsten Runde ist auch dort Öl – es ist sein eigenes. In der letzten Runde bleibt der Lotus schließlich stehen. Jetzt wäre wieder Hill Weltmeister. Surtees liegt nur auf Rang drei, das reicht nicht. Dann kommt die Order vom Ferrari-Kommandostand: Bandini lässt Surtees passieren, der mit einem Punkt Vorsprung Champion wird.

1968

Wieder geht Graham Hill in Mexiko als Führender ins Finale – diesmal vor Jackie Stewart und Denis Hulme. Ein zweites Mal lässt er sich nicht überrumpeln. Während Hulme früh durch einen Unfall ausscheidet und Stewart mit technischen Problemen hinterherfährt, rast Hill mit über einer Minute Vorsprung ungefährdet zu seinem zweiten Titel.

1974

Aus dem großen Finale wird ein großes Fiasko. Zwar kommen der Brasilianer Emerson Fittipaldi und der Schweizer Clay Regazzoni punktgleich nach Watkins Glen in die USA und der Südafrikaner Jody Scheckter liegt nur knapp zurück. Doch die WM-Favoriten gehen im Mittelmaß unter. Scheckter fällt aus und Regazzonis Ferrari hat vier Runden Rückstand, so dass McLaren-Pilot Fittipaldi mit einem unspektakulären vierten Platz Weltmeister wird. Nicht einmal richtig freuen kann er sich darüber, denn zu allem Überfluss verunglückt der Österreicher Helmut Koinigg während des Rennens tödlich.

1981

Carlos Reutemann führt die ganze Saison über die WM-Wertung an. Mit einem Punkt Vorsprung vor dem Brasilianer Nelson Piquet und sechs vor Jacques Laffite stehen die Chancen für den Argentinier gut, in seinem zehnten Formel-1-Jahr endlich Weltmeister zu werden. Allerdings hat er ein Problem: Weil er sich über die Stallorder hinweggesetzt hat, kämpft sein Team Williams eher gegen als mit ihm. So darf ihm sein interner Rivale Alan Jones im Saisonverlauf drei Punkte wegnehmen – sie werden ihm am Ende fehlen. Reutemann startet in Las Vegas zwar von der Poleposition, doch schon in der zweiten Runde fällt die Kugel für ihn auf Zero: Getriebeprobleme. Er fällt immer weiter zurück und trotz verzweifeltem Kampf überholt ihn Piquet in Runde 17. Doch auch der Brasilianer muss kämpfen: Die Hitze setzt ihm gewaltig zu. Piquet schleppt sich gerade noch als Fünfter vor Laffite über die Ziellinie und muss 15 Minuten lang im Auto behandelt werden, ehe er sich über den Titel freuen kann, den er mit einem Zähler Vorsprung gewinnt. Reutemann wird nur Achter und verkündet danach seinen Rücktritt.

1983

Wieder geht Piquet als Verfolger ins Rennen, diesmal in Südafrika mit zwei Punkten Rückstand auf Alain Prost. René Arnoux im Ferrari hat mit acht Punkten hinter Prost nur theoretische Chancen. Prost gegen Piquet ist auch das Duell Renault gegen Brabham-BMW um den ersten Turboweltmeister-Titel. Als der Franzose ausgerechnet mit Turboschaden ausfällt, riskiert Piquet nichts mehr und fährt als Drittplatzierter den zweiten Titel nach Hause.

1986

Auch in Adelaide ist Piquet dabei. Die Konstellation ist ähnlich wie die 2007: Die Teamkollegen Nigel Mansell und Piquet (sieben Punkte zurück) sollen den Weltmeister für Williams unter sich ausmachen, McLaren-Pilot Alain Prost lauert mit sechs Punkten Rückstand. Am Ende verspielt Williams den Titel auf unnachahmliche Art. Obwohl sich Reifenprobleme abzeichnen, entscheidet man sich gegen einen Sicherheitswechsel an Mansells Auto – bis dem Briten das Gummi um die Ohren und er selbst in die Mauer fliegt. Daraufhin sieht sich das Team gezwungen, den führenden Piquet aus Sicherheitsgründen in die Box zu holen – Prost fällt der Titelgewinn quasi in den Schoß. Der völlig aufgelöste Mansell muss noch bis 1992 auf seinen Triumph warten.

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