Sport : Großer Respekt hüben und drüben zwischen Leverkusen und FC Bayern

Gregor Derichs

Vor dem Bundesliga-Gipfeltreffen des Vizemeisters Bayer Leverkusen gegen den Titelverteidiger Bayern München haben sich die jahrelang gültigen Vorzeichen umgekehrt. Vor der Top-Partie, vom DFB-"Spielplaner" Hans-Georg Noack schon auf den zweiten Spieltag festgesetzt, präsentieren sich die Leverkusener so selbstbewusst wie noch niemals in den Vorjahren. Beim FC Bayern grassiert hingegen nach einer Woche mit Ansätzen des früheren "Hollywood"-Theaters die Furcht vor einem fatalen Fehlstart.

"Ein Sieg zählt doppelt, denn es ist fast schon ein Entscheidungsspiel", hob Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld die Bedeutung des Duells am Sonntag (17.30 Uhr) in der mit 22 000 Zuschauern ausverkauften BayArena hervor, nachdem er und Präsident Franz Beckenbauer zuvor mit deutlichen Mahnungen wieder mehr Disziplin des Spieler-Personals eingefordert hatten. "Wir müssen drei Punkte einfahren. Die Saison ist zwar noch lang, aber der Start hat eine große psychologische Wirkung", erklärte Bayer-Trainer Christoph Daum.

Beide Teams haben sich nach den Punktverlusten zum Saison-Auftakt unter Druck gesetzt. Nach dem 0:0 in Duisburg fordert Daum gegen den Rekordmeister den ersten Drei-Punkte-Gewinn. "Mit der Möglichkeit einer Niederlage beschäftige ich mich nicht. In solch einen negativen Gedankenkreis gehe ich nicht rein", sagte Daum, der auf Jung-Nationalspieler Michael Ballack (zehn Wochen Pause nach Knieverletzung) verzichten muss, aber erstmals auf das komplette Brasilianer-Trio Robson Ponte, Emerson und Ze Roberto bauen will.

Der 45-jährige Daum, der nach den Liga-Platzierungen zwei, drei und zwei - jeweils hinter dem FC Bayern - im vierten Jahr bei Bayer den ersten Meistertitel anstrebt, zeigt anders als in seinen Sturm- und Drangjahren demonstrativ Respekt vor dem Gegner. "Der FC Bayern ist nun einmal der beste deutsche Verein und gehört in Europa zur Spitze. Aber wir werden nicht den roten Teppich ausrollen", sagte Daum. Nach den Verstärkungen vor dieser Saison sei sein Team endlich gleichwertig: "Bei elf gegen elf können wir Paroli bieten. Nur bei den Spielern mit Nummer 14 bis 20 sind wir noch nicht so weit wie die Bayern". Der Fußball-Lehrer bekräftigte: "Wir wollen die Meisterschaft nach Leverkusen holen."

"Das Spiel ist richtungsweisend. Mit einem Sieg kann der Weg zum Titel zum Selbstläufer werden", sagte Nationalstürmer Ulf Kirsten. Kapitän Jens Nowotny stachelte seine Teamkameraden an, indem er forderte, endlich die von Bewunderung geprägte Zurückhaltung gegenüber den Bayern abzulegen. Alle Akteure müssten die Einstellung des Trainers an den Tag legen. "Für Christoph Daum sind die Duelle gegen die Bayern das Größte. Diese Einstellung müssen auch wir zeigen", sagte der Abwehrchef. In der Start-Elf wird Daum in der Abwehr für den gesperrten Zivkovic wahrscheinlich Jörg Reeb oder Frankie Hejduk aufbieten. Im Mittelfeld werden der verletzte Ballack und Bernd Schneider durch Emerson und Ze Roberto ersetzt.

Beim FC Bayern, der drei Tage nach der Finalniederlage in der Champions League am letzten Spieltag der vorigen Saison mit 2:1 in Leverkusen siegte, ist das Debüt des aus Rom geholten Ex- Leverkuseners Sergio fest geplant. Aber personelle Fragen zur Idealformation waren in der Woche nach dem 2:2 gegen Hamburg eher zweitrangig. Speziell das neue Theater um Mario Basler, der ein neues Vertragsangebot abgelehnt hatte, sorgten bei Hitzfeld und Beckenbauer für Verstimmung. Der Präsident forderte, dass "Geplappere" müsse aufhören. "Wir haben ihm ein sehr gutes Angebot gemacht. Meine Geduld ist langsam zu Ende. Es muss bald eine Entscheidung geben", sagte Hitzfeld und drohte mit einer Verbannung auf die Tribüne.

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