Sport : Großer Tag für ein Baby

Der Hoppegartener Trainer Dzubasz schickt heute erstmals ein Pferd ins Derby

Hartmut Moheit[Hoppegarten]
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Nase vorn. Bei seinen bisher drei Starts siegte der dreijährige Hengst Ordenstreuer mit Alexander Pietsch im Sattel einmal auf der...

Es war Liebe auf den ersten Blick. Als Roland Dzubasz den Schimmel Ordenstreuer vor knapp eineinhalb Jahren bei der Herbstauktion in Baden-Baden sah, hatte er gleich ein sehr gutes Gefühl. „Ich sollte ein mögliches Derbypferd kaufen, und dieser Jährling ließ bei der Präsentation sein Talent erkennen“, sagt der 41 Jahre alte Trainer aus Hoppegarten. Schon von der Abstammung her, dem sogenannten Pedigree, versprach der Nayef-Sohn einiges. Dzubasz überzeugte damals aber mehr „der Galopp-Rhythmus des jungen Tieres, das letztlich für 34 000 Euro in meinen Stall kam“.

Ordenstreuer hielt, was er versprach. Zu den 17 dreijährigen Pferden, die heute in Hamburg- Horn den 140. Derbysieger in Deutschland ermitteln, gehört zum ersten Mal auch dieser von Dzubasz trainierte irische Hengst. Ein Pferd aus Hoppegarten in einen deutschen Derby hat es nach 1990 erst zweimal gegeben, und so ist man vor den Toren Berlins stolz, dass es diesmal wieder einmal geklappt hat. Dreimal ist Ordenstreuer bisher am Start gewesen, war Erster, Zweiter und Dritter, und hat seinem Besitzer Sven Goldmann, einem Bauunternehmer, 7600 Euro gebracht. Diese Bilanz genügte für die Qualifikation. Dass es heute beim Derby über 2400 Meter um die Siegprämie von 300 000 Euro geht, nennt Dzubasz allerdings „eine schöne Illusion“. Wenn es Jockey Alexander Pietsch schafft, Ordenstreuer unter die fünf Besten zu bringen, wäre er schon sehr glücklich. Favorisiert seien ganz andere Pferde, wie Suestado, Wiener Walzer oder Bolivia, die einzige Stute im Feld.

Für Roland Dzubasz wird dieses Gruppe-I-Rennen in jedem Fall ein Erlebnis sein. Bisher ließ er es in der Kleidung schon eher mal leger angehen, „aber beim Derby-Dinner geht es schon sehr fein zu, und das ist eigentlich nicht so mein Ding“, sagt er. So war seine Frau extra noch beim Friseur und stand bis zuletzt zweifelnd vor dem Kleiderschrank, und Roland Dzubasz konnte sich nur schwer für eine bestimmte Krawatte entscheiden. „Vielleicht wird sie ja dann künftig meine Lieblingskrawatte“, sagt er mit einem Lächeln. Als Derby-Neuling im Trainergeschäft macht man sich eben solche Gedanken. Sorgen dieser Art haben die meisten Kollegen nicht, lediglich Waldemar Hickst, Michael Figge und Torsten Mundry hatten ebenfalls noch keine Derbypferde am Start. Dennoch antwortet Dzubasz auf die Frage, ob er diesmal besonders aufgeregt sei: „Warum denn, Ordenstreuer muss ja laufen, nicht ich.“

Sein Derbypferd sieht der Hoppegartener – der erfolgreichste ostdeutsche Trainer – trotz der großen Aufgabe immer noch als ein Baby. „Wir werden den Erfolg mit ihm nicht mit Brachialgewalt suchen“, sagt er, „es gibt immer noch ein Leben nach dem Derby.“ Und das ist in Hoppegarten, seitdem durch Gerhard Schöningh sehr viel in den traditionellen Standort investiert wird, mit vielen Hoffnungen verbunden. Hoppegarten war einst das Herz des deutschen Galoppsports. Den Derbystarter Ordenstreuer sehen sehr viele deshalb auch als ein erstes Signal, dass die Parkbahn das auch wieder werden könnte. Auch Dzubasz, der Trainer mit dem größten Pferdebestand in Hoppegarten, hofft darauf. Mittlerweile gab es schon die erste Nennung für das Derby 2010, und da hat Dzubasz sogar zwei Pferde vom Supervererber Samum dabei.

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