Sport : Großes Geld und kleine Gesten

Was die ungarischen Formel-1-Veranstalter alles tun, damit Rennchef Bernie Ecclestone die Strecke nicht aufgibt

Hartmut Moheit

Am Montag ist der Scheck an Bernie Ecclestone fällig. Der Formel-1-Boss erwartet einen Tag nach dem Grand Prix in Budapest etwa 12,7 Millionen US-Dollar. Das sind drei Milliarden Forint, die nach Aussage von Sandor David, dem Pressechef am Hungaroring, „für die Ausrichtung des Rennens überwiesen werden“. Pünktlichkeit ist bei der Überweisung des Geldes, für das der Staat garantiert, selbstverständlich. Die Ungarn möchten bei Ecclestone auf keinen Fall negativ auffallen, dafür steht für sie zu viel auf dem Spiel. Ein Federstrich des allmächtigen Briten würde ausreichen und sie wären die Formel 1 im Budapester Vorort Mogyorod nach 17 Jahren wieder los. Und damit hätten sie 377 000 Euro in den Sand gesetzt, die der Umbau der 1985 errichteten Asphaltstrecke gekostet hat. Wie wichtig den Ungarn die Formel 1 ist, zeigt schon der Umstand, dass der Ausbau des Budapester Flughafens dafür an die zweite Stelle gesetzt wurde.

Wie alle anderen Rennstrecken, von denen für 2004 bereits Spielberg und Montreal aus dem WM-Plan gestrichen wurden, droht auch dem Hungaroring permanent das Aus. „Ich müsst mehr für die Zuschauer tun“, lautet die Forderung von Ecclestone, mit der er ständig Druck ausübt. „Wir wurden schon oft totgesagt“, sagt Sandor David in einem Interview in der „Budapester Zeitung“, „ich rechne aber mit einer Vertragsverlängerung bis 2010. Der Umbau ist quasi unsere Vorleistung dafür gewesen.“ Warum die Formel-1-Veranstalter immer wieder dem Druck von Ecclestone nachgeben, der als einzig Beteiligter seinen Gewinn sicher hat, lässt sich aus dem Formel-1-Kalender für 2004 ablesen. Darin sind mit dem Wüsten-Grand-Prix in Bahrain und dem in China, wo in den Sümpfen bei Schanghai eine Rennstrecke komplett auf Styropor entsteht, zwei weitere außereuropäische Veranstalter vertreten. Auch Indien plant, sich für einen Grand Prix zu bewerben. In der kommenden Saison werden sieben der 17 WM- Läufe nicht mehr in Europa ausgetragen. Dieser Trend ist eindeutig, das Wohlwollen eines Bernie Ecclestone für alle entscheidend.

Nachdem der Grand Prix in Ungarn lange nicht mehr vom Ostblock-Image profitieren konnte, mussten sich die Organisatoren mit anderen Qualitäten dem Wettbewerb stellen. Die Bezeichnung „Monaco ohne Mauern“ für die Rennstrecke, auf der in der Vergangenheit praktisch nicht überholt werden konnte, war praktisch schon der Todesbringer. Was in jedem Jahr in Budapest als ein aufregendes Spektakel angekündigt wurde, hatte dann oft eher die Wirkung einer Schlaftablette. Noch nie holte auf dem Hungaroring ein Formel-1-Fahrer den Sieg, der nach dem Qualifikationstraining nicht unter den ersten drei war. Dass die Fahrer wegen des fast permanenten Kurvenfahrens und des glatten Straßenbelags jedesmal vom „härtesten Rennen des Jahres“ sprachen, änderte daran auch nichts. Die Zuschauerzahlen sanken zuletzt auch in Mogyorod drastisch. Ihr Heil suchen die Ungarn in der Verlängerung der Zielgeraden von 586 auf 788 Meter und der Verschärfung von mehreren Kurven. Das soll Überholmanöver ermöglichen. Der Rechtsknick nach der Start-Ziel-Geraden, auf der nunmehr bis zu 300 km/h gefahren werden können, muss jetzt viel schärfer angebremst werden. „Das soll das Ausbremsen erleichtern“, schreibt Christian Danner, der bei der Premiere 1986 noch selbst am Steuer eines Arrows-BMW saß, in „Sport Bild“. Der Beweis dafür muss erst noch im Rennen am Sonntag (14.00 Uhr/live bei Premiere und RTL) erbracht werden. Danner bleibt skeptisch: „Vielleicht hätte man lieber eine zweite Überholmöglichkeit schaffen sollen, als die einzig vorhandene zu modifizieren.“

Allein das Versprechen, dass der Grand Prix am Sonntag mehr Spannung bringen wird, soll mehr Zuschauer als 2002 nach Mogyorod locken. Ungarn werden trotzdem kaum kommen, sie machen meist nur zehn Prozent der Fans aus. Dass erstmals der einheimische Jordan-Testfahrer Zsolt Baumgartner ins Cockpit steigt, wird daran nur wenig ändern. „90 000 Forint für gute Plätze können sich nicht viele leisten. Das ist das Doppelte des staatlichen monatlichen Mindestlohns“, sagt Sandor David.

Doch den Ungarn sind die ausländischen Besucher ohnehin wichtiger. Zwar musste der Staat im vergangenen Jahr einen Verlust von rund 500 Millionen Forint ausgleichen, aber durch die zusätzlichen Einnahmen wegen der Mehrwertsteuer wurden die Zuschüsse mehr als ausgeglichen. Der Scheck für Bernie Ecclestone tat somit nicht weh. Als Zugabe wurde eine Straße in der Nähe der Rennstrecke nach ihm benannt, die „Bernie Avenue“. Und in diesem Jahr wurde im Eingangsbereich eine Ruhmesgalerie errichtet mit den Bronzebüsten der bisherigen 27 Weltmeister. Manchmal zählen im Millionen-Geschäft gerade die kleinen Dinge.

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