Sport : Großzügige Offerte

NAME

BRIEF AUS JAPAN

So eine WM in zwei Ländern erhöht die Anforderungen an die Kommunikation. Unsere Reporter schicken daher täglich einen Brief von Japan nach Südkorea – und zurück.

Lieber Kollege, im Medienzentrum des Deutschen Fußball-Bundes in Miyazaki hängt seit einiger Zeit das Angebot zu einer Tagesreise ins Landesinnere. Bisher ist das Interesse nicht besonders groß, weil die Journalisten natürlich wie unsere Nationalspieler nicht zum Urlaub hier sind. Dabei hat der Anbieter der Tagesreise sehr wohl kapiert, wie er die Deutschen wirkungsvoll locken kann. Als „unglaublich großzügig“ beschreibt er seine Offerte. Vielleicht meint er die Landschaft. Wahrscheinlicher ist, dass da einer das kleine Einmaleins der Werbung beherrscht: Versprich deinen potenziellen Kunden das, was sie am meisten vermissen!

Die japanischen Arbeitnehmer zählen zu den am besten bezahlten der Welt. Das ist schön für die japanischen Arbeitnehmer. Für Arbeitnehmer aus Deutschland, Schweden oder Argentinien, die sich in Japan aufhalten, ist das weniger schön. Die japanischen Arbeitnehmer werden nämlich auch deshalb so gut bezahlt, damit sie sich all die schönen Sachen kaufen können, die man zum Leben braucht. Kein japanischer Arbeitnehmer wird daher zögern, sich an einem der überall im Lande stehenden Automaten eine Dose Bier zu ziehen. Der deutsche Arbeitnehmer hingegen rechnet erst einmal: 230 Yen = 2 Euro = 4 Mark und entschließt sich dann doch lieber, einen Supermarkt zu suchen. Nur kostet die Dose im Supermarkt ebenfalls 230 Yen = 2 Euro = 4 Mark. Im ganzen Land kostet jedes einheimische Bier, egal welcher Sorte, 230 Yen = 2 Euro = 4 Mark.

Mitarbeitern des Bundeskartellamtes ist vor Reisen nach Japan daher grundsätzlich abzuraten. Ihr seelisches Gleichgewicht könnte nachhaltig gestört werden.

Dein Stefan Hermanns

0 Kommentare

Neuester Kommentar