Sport : Grün, rot, gold – und natürlich rund

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André Görke über

den offiziellen WM-Ball

Tief in der fränkischen Provinz, im Industrieviertel von Herzogenaurach, haben sie ihn getreten und in Kühlräume gesperrt. Herzogenaurach ist für einen Fußball die Hölle. Dort stehen die Forschungslabors der Sportartikelfirma Adidas, und nur wenn ein Fußball die fränkischen Tests übersteht, ist er auch fit für eine Fußball-Weltmeisterschaft. In den Stadien Japans und Südkoreas wird nur mit einem Fußball gespielt, dem Fevernova. Die fränkischen Forscher sagen: der Fevernova ist der „rundeste und präziseste Fußball aller Zeiten“.

Rund waren Fußbälle schon immer. Der größte Unterschied ist ein anderer: das Design des WM-Balles. Seit 1970 entwickelt Adidas die Spielbälle für Fußball-Weltmeisterschaften, klassisch mit schwarz-weißem Farbmuster. Der Fevernova bricht mit dieser Tradition: Auf dem Ball sind bunte, dreieckige Turbinen dargestellt. Diese sollen die technischen Errungenschaften der beiden asiatischen Industrienationen symbolisieren. Auch für die Farbwahl gibt es eine Erklärung: Die goldene Farbe steht für die Energie Japans und Südkoreas, die sie in die WM investiert haben. Die roten Flammen sollen das Feuer als treibende Kraft symbolisieren. Für den Ball haben sie sich bei Adidas auch einen hübschen n ausgedacht: „Fever“ steht dabei für das asiatische Fußballfieber, „nova“ für die kommenden Stars der WM.

Seit 1986 verwendet Adidas bei der Produktion von Fußbällen kein Leder mehr – sondern Kunststoff. Fünf Schichten sind es beim Fevernova, die wichtigste besteht aus gasgefüllten, abgeschlossenen Mikrozellen, die extrem elastisch sein sollen. Der Ball verformt sich bei kraftvollen Tritten, nimmt aber schon im Flug Kugelform an. Die Flugbahn des Balles soll so präziser und besser für die Spieler zu berechnen sein.

In den Labors von Herzogenaurach haben sie viel Zeit in die Forschung investiert. Eine Maschine etwa hat den Ball immer wieder mit 60 bis 90 Stundenkilometern gegen eine Stahlplatte geschossen. Dadurch wurden Materialabrieb und Farbfestigkeit geprüft. Roboter haben den Ball unter Wasser gedrückt und gemessen, wie viel Flüssigkeit der Ball aufsaugt. Das Gewicht darf im Regen nur um zehn Prozent zunehmen. Laut Adidas wurde der Fevernova 4800 Tests unterzogen.

Nach den Robotern kamen die Fußballspieler. Zinedine Zidane zum Beispiel. Oder David Beckham. Argentiniens Nationalspieler Pablo Aimar sagte: „Es liegt an uns, ob wir gut genug für den Ball sind. Wenn wir jetzt noch vorbeischießen, sind wir blamiert.“ Aimar steht bei Adidas unter Vertrag.

Frankreichs Nationalspieler Mikael Silvestre war nach den Tests dagegen weniger begeistert. Er sprach von „bizarren Bedingungen“. Und: „Niemand mag diesen Ball, besonders Torhüter nicht.“ Wirklich? Oliver Kahn beruhigt. Deutschlands Nationaltorhüter sagte der „Bild“-Zeitung: „Der Ball flattert weniger als andere Bälle.“ Hinten hält Kahn dicht. Und vorne? Stürmer Mirsolav Klose sagt: „Man braucht eine Zeit, um den Ball zu beherrschen. Aber es klappt immer besser.“ Na bitte, es wird doch ein schöner Sommer.

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