Sport : Gründe und Hintergründe

Rangnick über den Abschied aus Schalke – Spieler fühlen sich im Stich gelassen

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Trainerentlassungen sind zuweilen eine unterhaltsame Angelegenheit, besonders wenn sie in berühmten Vereinen stattfinden und die Protagonisten nicht gleich zur Tagesordnung übergehen. Beim FC Schalke 04 haben sie am Mittwoch ein ausführliches „Special“ zur Trennung von Ralf Rangnick geliefert. Vierundzwanzig Stunden nach dessen Beurlaubung wurden Gründe, teils sogar Hintergründe aufgearbeitet – in zwei aufeinander folgenden Pressekonferenzen. Ralf Rangnick hatte die Reporter kurzfristig dazu eingeladen, seine Sicht der Dinge zur Kenntnis zu nehmen. Wie zuvor von der Mannschaft wollte er sich auch von den Journalisten verabschieden. „Ich bedanke mich für die Zusammenarbeit, sie war korrekt, seriös und professionell.“

Professionell – diese Eigenschaft glaubte er den Verantwortlichen des Klubs zuletzt nicht mehr bescheinigen zu können. Der Vorstand habe sich bei seinem öffentlichen Auftreten unprofessionell verhalten, schimpfte Rangnick am Freitag und ging mit der Ankündigung, seinen Vertrag nicht verlängern zu wollen, auf Konfrontationskurs. Diesen Kurs setzte er vor dem Heimspiel gegen Mainz 05 mit einer Stadionrunde fort, die allgemein als Abschiedsgeste gedeutet wurde und letztlich zur Beurlaubung führte. „Ich kann verstehen, dass die Spieler und andere Beobachter irritiert waren“, sagte Rangnick. „Aber es war ein unglaublich emotionaler Tag.“

Der Augenblick, die Nähe zu den Fans, die immer wieder seinen Namen riefen, hätten ihn überwältigt. „Mit Distanz betrachtet hätte es genügt, hinzugehen, zu klatschen und danke zu sagen. Wenn ich könnte, würde ich mein Verhalten rückgängig machen“, sagte Rangnick. Wenn der Vorstand ihm das Bad in der Menge als „bewusste Provokation“ auslege, sei dies jedoch ein Zeichen dafür, „dass hundertprozentiges Vertrauen nicht mehr da war.“ In Vier-Augen-Gesprächen hätten alle Spieler, mit denen er darüber gesprochen habe, die Entscheidung, seinen Vertrag nicht zu verlängern, verstanden.

Doch Frank Rost, Gerald Asamoah und Kapitän Ebbe Sand folgten Rangnicks Darstellung in der zweiten Pressekonferenz nicht. Die Mannschaft fühle sich im Stich gelassen. „Wir haben ihm die größtmögliche Unterstützung gegeben, aber er hat sich gegen uns entschieden, das ist so ärgerlich.“

Zuvor hatte Rangnick eingeräumt, dass wesentliche Punkte von Anfang an problematisch gewesen seien. Zum Beispiel sein Verhältnis zu Manager Rudi Assauer. „Da konnte man nicht von vornherein sagen: Das ist wie gemalt.“ Der Professor und der volksnahe Manager – diese Allianz habe dem Klischee nach nicht zusammengepasst. Rangnick behauptet, er habe früh auf diese Schwierigkeit hingewiesen. „Ich habe Rudi gesagt: ,Ich kann den Journalisten über unser gutes Verhältnis erzählen, was ich will. Aber glaubhaft kann es nur einer machen, das bist du.’“ Assauer hat darauf verzichtet. Rangnick hat eines sicher unterschätzt: die Strukturen im Klub. Frank Rost betonte, was für einen „Riesenrespekt“ er vor Assauer und dessen Entscheidungen (auch gegen Rangnick) habe. „Wenn man vor jeder Entscheidung das Publikum befragte, bekäme man wieder das Chaos, das hier früher einmal war.“

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